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| 17:22 Uhr

Zu Gast bei Freunden
Hirschfelder Spielleute auf dem Weg nach Ungarn

Jonas Roch deutet auf ein Bild aus dem Jahr 1948, auf dem sein Urgroßvater zu sehen ist.
Jonas Roch deutet auf ein Bild aus dem Jahr 1948, auf dem sein Urgroßvater zu sehen ist. FOTO: Pascal Roch
Hirschfeld. Am 4. Oktober rollt der Bus für 35 Spielleute aus dem gesamten Schradenland in Richtung Mór. Dorthin sind sie von einem befreundeten Orchester, das bereits vor zwei Jahren am großen Internationalen Landesmusikfestival in Hirschfeld teilnahm, eingeladen worden. Mór im Komitat Fejér gehört zur Weinregion Ungarns und so ist es kaum verwunderlich, dass die Mórer ihr Musikfest mit dem traditionellen Weinfest der Stadt verknüpfen.

Den Spielmannszug TV „Deutsche Eiche“ Hirschfeld erwartet in Ungarn ein gut gefülltes Programm, wie Jonas Roch aus dem Vorstand des Vereins zu berichten weiß. Er hat bereits den Auftritt der Ungarn 2016 in Hirschfeld koordiniert und organisiert jetzt auch die Reise seines Vereins nach Mór. „Wir werden neben einem Tagesausflug nach Budapest auch einen Wettbewerb vor einer hochkarätig und international besetzten Jury absolvieren“, so der 21-jährige Student aus Gröden. Besonders stolz ist Jonas Roch, dass über die Hälfte der mitreisenden Spielleute Kinder und Jugendliche sind. „Das zeigt, dass wir als Spielmannszug keineswegs ein antiquierter Altherrenverein sind, sondern modern agieren und für alle Menschen offen sind.“

Auf die Frage, was ihn selbst vor nunmehr neun Jahren in den Spielmannszug des Nachbardorfes gebracht habe, antwortet er mit einem Lächeln, dass ihm diese Art der Musik wohl im Blut liegen müsse. Sein Urgroßvater habe zu denjenigen gehört, die den heute bereits 112 Jahre alten Spielmannszug am 1. Mai 1948 wiedergegründet haben. Seither sei so ziemlich die halbe Familie mindestens kurzzeitig im Verein aktiv gewesen. „Man darf sich aber keine Illusionen machen“, mahnt er im gleichen Atemzug. Die Situation vor siebzig Jahren sei längst nicht so sorgenfrei gewesen wie heute. „Da musste man die Instrumente erst wieder aus den Verstecken herausholen – die Nazis hatten die freie sportliche und musikalische Betätigung bei Androhung hoher Strafen verboten.“

Und auch die Einheitssozialisten haben es den Spielleuten nicht immer leicht gemacht, weiß der angehende Historiker. Die politische Instrumentalisierung habe das Bild der Spielleute nachhaltig geprägt und das schade ihnen bis heute. Doch der Hirschfelder Spielmannszug zeigt immer wieder, dass er sich davon erfolgreich losgelöst hat. „Die Reise nach Ungarn treten wir – und insbesondere die älteren Spielleute – auch in dem Wissen an, was dieses Land vor 29 Jahren für viele DDR-Bürger bedeutete.“ Aber, das sei auch klar, auf der viertägigen Reise in die Kleinstadt Mór werde man keinesfalls nur in Erinnerungen schwelgen, so Jonas Roch mit einem Lächeln auf den Lippen. „Die Ungarn sind wie wir Ostdeutschen ein geselliges und feierndes Volk. Da werden wir einiges erleben und darauf freuen wir uns.“

Im nächsten Jahr planen die Hirschfelder die Teilnahme an der Weltgymnaestrada in Dornbirn (Österreich). Um bei diesem Weltturnfest dabei sein zu können, benötigt der Spielmannszug noch Sponsoren. Spendenquittungen können vom Verein ausgestellt werden.

Spendenkonto:
Spielmannszug TV „Deutsche Eiche“ Hirschfeld e.V.
IBAN: DE73 1805 1000 3590 1513 65
BIC: WELADED1EES
Verwendungszweck: Spende Dornbirn 2019