"Es ist unser größtes Sorgenkind. Es ist undicht, an einigen Stellen regnet es rein", berichtet Annett Thieme. Der Dachboden wurde deshalb bereits mit Planen ausgelegt. "Wir hatten Pech, dass der Sturm ,Kyrill' unser Dach nicht abgedeckt hatte", sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats mit Galgenhumor in der Stimme. "100 000 Euro sind nötig, um das Dach zu sanieren", sagt Kirchenratsmitglied Thomas Weinert. Der Architekt hat bei der Dachsanierung den Hut auf. Knapp die Hälfte des Geldes sind durch Spenden aus der Gemeinde und einen Zuschuss der Kommune bereits zusammengekommen.

Zudem wurden schon beim Maifest im vergangenen Jahr Gutscheine als Symbol für eine Ziegel des neuen Kirchendachs verkauft, die später den Namen des Spenders bekommen sollen. Zirka 7000 Euro kamen durch die Benefizaktion zusammen. "Die Spendenbereitschaft zeigt die große Verbundenheit der Hirschfelder mit der Kirche", freut sich Annett Thieme. Weiterer Beleg hierfür: 888 der rund 1400 Einwohner sind Kirchenmitglieder.

"2009 muss es aber einfach losgehen, sonst werden die Leute müde zu spenden, weil sie sehen, dass nichts mehr passiert", befürchtet die 54-Jährige.

Große Unterstützung bei der Dachsanierung erhalten die Hirschfelder auch aus ihrer niederländischen Partnergemeinde Bennekom. "Im Februar kommen sie wieder, um ihren finanziellen Anteil beizusteuern", berichtet die Kirchenratsvorsitzende. Die Partnerschaft, die der ehemalige Diakon Dieter Beschler mitinitiierte, besteht bereits seit den 1980er-Jahren und wird mit jährlich wechselnden Besuchen gepflegt.

So angespannt die Lage mit Blick auf das Dach ist, so gut ist es um den Innenraum des Gotteshauses bestellt. "Das dieser so aussieht, haben wir zu sehr großen Teilen Herrn Beschler zu verdanken", sagt Annett Thieme mit Blick auf die 30-jährige Tätigkeit des 1998 in Ruhestand gegangenen Diakons. Der gelernte Tischler, der heute in Schmerkendorf wohnt, legte oft auch selbst Hand an. So fügte er unter anderem 1981 das Schnitzwerk des Altars aus dem Jahr 1648 zusammen und ergänzte es.

Auch der Einbau der elektrischen Heizung im Jahr darauf sowie die Kirchturmsanierung wurden durch Beschler angeschoben. Deutlich älter ist die Orgel aus dem Jahr 1842, die von zwei langgezogenen, doppelstöckigen Emporen, an deren Brüstung Tafeln mit goldumrandeten Bibelsprüchen prangen, flankiert wird. "Sie ist unser großes Prunkstück, bedarf aber auch einer Generalüberholung", sagt Annett Thieme und fügt noch hinzu: "Die Sanierung des Kirchendaches ist aber momentan das Wichtigste."