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| 02:44 Uhr

Hirschfelder Jugend feiert drei Tage ihre Fastnachtstradition

Ausgelassene Stimmung herrschte am Faschingsabend der Jugendfast- nacht in Hirschfeld auch im vergangenen Jahr.
Ausgelassene Stimmung herrschte am Faschingsabend der Jugendfast- nacht in Hirschfeld auch im vergangenen Jahr. FOTO: Privat
Hirschfeld. Da ist Durchhaltevermögen gefragt: Vor den jungen Leuten in Hirschfeld liegen drei anstrengende Feiertage. Und das ist wörtlich zu nehmen. Manfred Feller

Denn es ist wieder Jugendfastnacht. Der Saal in der Gaststätte "Zum Hirsch" ist geschmückt. Heute um 17 Uhr geht es los. Die Jungs treffen sich an der Mittelschänke, um in Begleitung von Feuerwehr und Spielmannszug die Mädchen an der Heimatstube abzuholen. Nachdem der Jugendclub in Rauch und Asche aufgegangen war, sprang der Heimatverein ein.

Das öffentlichkeitswirksame Ereignis ist dann die kleine Dorfrunde der schick gekleideten Jugend. Cheforganisatorin Ivonne Haase rechnet aufgrund der Anmeldungen mit deutlich mehr Paaren als in dem äußerst schwachen Jahr 2011 mit nur jeweils acht Mädels und Jungs und mit etwas weniger als 1998 mit 55 Paaren, dem vermutlichen Rekordjahr nach der Wiederbelebung der Jugendfastnacht im Jahr 1975.

"Die weiteste Anreise hat ein Pärchen aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Es übernachtet bei Oma und Opa in Hirschfeld", freut sich die 34-Jährige über die dank gut nachwachsender Jugend steigende Resonanz. Aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge hat sich nicht nur dieses Dorf bei der Jugendfastnacht längst auch Gästepaaren geöffnet. Teilnehmen kann, wer die Konfirmation und/oder Jugendweihe hinter sich hat, nicht verheiratet und unter 30 Jahren jung ist. "Die unter 18-Jährigen brauchen zum Feiern die Erlaubnis der Eltern", erinnert Ivonne Haase an den "Muttizettel".

Dann steht dem Programm im "Hirsch" nichts mehr entgegen. Nach der Eröffnungspolonaise, den obligatorischen Gruppenfotos und natürlich einer Rede mit dem dicken Dankeschön an alle Unterstützer kann die Party unter dem Motto "Hirschfeld macht dich krass" starten. Zu sehen sein wird auch ein Video, in dem heimische Gewerbetreibende parodiert werden. Wer dabei auf die Schippe genommen wird, bleibt bis heute Abend ein Geheimnis.

Die älteren ehemaligen Fastnachtsfeiermarathonteilnehmer wissen es: Die Nacht wird kurz. Am Sonnabend ab 9 Uhr wird gezempert. Die Oberdorfjugend "klappert" das Oberdorf ab und die Unterdörfler ihr Territorium. Am Abend wird ausgewertet, welcher Teil von Hirschfeld spendabler war. "Meistens hat das Unterdorf mehr gegeben", weiß die Organisatorin. "Da wird eine alte Rivalität zwischen dem Ober- und dem Unterdorf wach", schmunzelt sie, die als Funktionsschwester am Elbe-Elster-Klinikum in Elsterwerda arbeitet.

Spannend wird auch sein, wer dieses Jahr Mister und Miss Jugendfastnacht werden. Für die beiden und alle anderen geht es am Sonntag ab 11 Uhr schon wieder weiter: die Nachfeier bis gegen 22 Uhr. Wer sich von den Älteren über die partysüchtige Jugend aufregt, bekommt den Bumerang. "Früher wurde viel länger gefeiert", weiß Ivonne Haase aus lebhaften Erlebnisberichten von Zeitzeugen. Viele brechen ohnehin schon vorher ab, weil sie am Montag nicht freihaben, sondern zur Schule, zur Ausbildung oder Arbeit fahren müssen.

Doch damit nicht genug. Fünf Tage später treten einige noch einmal zur Party an. Am Freitag in einer Woche werden im Sportlerheim die Fastnachtsreste verwertet. Was an Geld übrig bleibt, fließt in den alljährlichen Ausflug. 2015 wurde das Dynamo-Stadion in Dresden besucht und im Vorjahr das Oktoberfest in Großenhain.

Jugendfastnacht, wie sie noch in einigen Orten in Elbe-Elster gefeiert wird, sei nicht nur Party, Spaß und Alkohol. "Sie ist eine lebendige Tradition und sorgt für ein gutes Miteinander im Dorf", ist Ivonne Haase überzeugt. Überstanden wurde auch dank ihres Einsatzes die Fastnachtskrise 2006/07, als es mit der damaligen Organisation Diskrepanzen gab.

Mit einem harten Kern von Mitstreitern bereitet die Hirschfelderin seit November das Ereignis vor. "In den letzten vier Wochen wird es hektisch", sagt sie. Denn ganz "nebenbei" hat sie noch eine Familie mit sechsjährigem Sohn, einem Mann als Unternehmer und ist sie Gemeindevertreterin. Kommunalpolitisch geht es um nicht weniger als um den Erhalt der Grundschule und den Wiederaufbau des Jugendclubs. Im Amtsausschuss arbeitet sie im Kita-Gremium mit. Dort gibt es zum Glück wenig Sorgen. Das Haus ist sehr gut belegt.

Und dann hat Ivonne Haase noch ihr altes Hobby, das Bogenschießen, den großen Freundeskreis und natürlich den Mädelstreff. Aber ab heute wird erstmal die Jugendfastnacht gefeiert.