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| 18:55 Uhr

Jubiläum in Hirschfeld
Gigantische Schau der Musikvereine

Stimmung und Gänsehaut pur erlebten die Besucher des 50. Internationalen Landesmusikfestivals in Hirschfeld. Die Gäste marschierten vorneweg.
Stimmung und Gänsehaut pur erlebten die Besucher des 50. Internationalen Landesmusikfestivals in Hirschfeld. Die Gäste marschierten vorneweg. FOTO: Veit Rösler
Hirschfeld. Zum 50. Mal: Internationales Landesmusikfestival in Hirschfeld begeistert die Teilnehmer und die vielen Zuschauer. Von Veit Rösler

Eine unfreiwillige Aktion gab es in diesem Jahr gleich zum Auftakt des 50. Jubiläumsmusikfestes in Hirschfeld. Pünktlich zum Starttermin landete am Freitagabend in einem beeindruckenden Schauspiel ein ADAC-Rettungshubschrauber wegen eines angeforderten Notarztes auf der Festwiese im Waldstadion. Absperrzäune kippten reihenweise um, und die frisch geduschten Festgäste wurden in eine Staubwolke gehüllt. Zum Glück brauchte der junge Patient nicht mitgenommen zu werden.

Locker, mit zwei Schlägen, schaffte es dann Vereinschef Günther Müller, das Fass Freibier anzustechen. Eine Stimme im Hintergrund: „Das müsste eigentlich spritzen“, wurde ignoriert. Günther Müller zeigte sich sichtlich stolz. Nach dem dritten abgefüllten Bier gab es einen Knall, mit dem sich der zu locker eingeschlagene Zapfhahn vom Fass verabschiedete. Im hohen Bogen flog er in Richtung Festgäste, um dann irgendwo unter den Garnituren zu verschwinden - gefolgt von einem zunächst vier Meter langen Strahl köstlichen Bieres. Die restlichen im Fass verbliebenen Tropfen konnten dann drucklos ohne Hahn durch Ankippen des Fasses in ein paar Becher gegossen werden.

Dagegen waren die vergangenen 50 Jahre des Musikfestes vergleichsweise problemlos bewältigt worden. Im Jahr 2006 wurde der 100. Vereinsgeburtstag gefeiert. Der Spielmannszug „Deutsche Eiche“ Hirschfeld ist aus einer 1906 ins Leben gerufenen Knüppelkapelle des Turnvereins „Deutsche Eiche“ hervorgegangen. Die sich aus den Turnern rekrutierenden Musiker erlernten in Eigenregie leichte Lieder, um nach preußischem Vorbild von der Turnhalle zum Dorfplatz oder zu den Außenanlagen marschieren zu können. Der Spielmannszug war damit lange Zeit das Anhängsel der Turnerbewegung.

Nach der Zwangspause ab 1933 durch die nationalsozialistische Zeit wurde der Verein 1948 mit der Wiedergründung ein eigener Spielmannszug innerhalb der BSG Traktor in Hirschfeld. Nach etwa 20 Jahren hatte sich 1968 ein fester Mitgliederstamm etabliert, mit einem sicherlich noch nicht brillanten, aber stattlichen Repertoire. So entwickelte sich das Bestreben, sich an einem Sonntagnachmittag im Jahr auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Das Musikfest war geboren.

Dazu wurden zunehmend auch andere Vereine eingeladen, denen man natürlich auch Gegenbesuche abstattete. Die gewonnenen Erfahrungen führten dazu, dass der Spielmannszug Hirschfeld zu seinen Hoch-Zeiten in den 1970er-Jahren in der höchsten Klasse der DDR spielte, der Sonderklasse.

Von Kindesbeinen an dabei: Vertreter des Heimatvereins Hirschfeld mit den jüngsten Teilnehmern.
Von Kindesbeinen an dabei: Vertreter des Heimatvereins Hirschfeld mit den jüngsten Teilnehmern. FOTO: Veit Rösler

Nach der politischen Wende wurde daraus ein eigenständiger Verein. Den ursprünglichen Sportverein „Deutsche Eiche“ gibt es schon lange nicht mehr. Die Hirschfelder Spielleute fahren neben den Inlandsgegenbesuchen kontinuierlich nahezu in jedem Jahr zu zwei Auslandseinsätzen, mindestens in die europäischen Nachbarstaaten. Höhepunkte waren 2003 die Teilnahme an der Steubenparade in New York und 2008 die Reise zu den Olympischen Spielen in Peking.

Gegenwärtig bereitet sich der 70-köpfige Musikverein auf die World Gymnaestrada 2019 in Österreich vor. Großes Ziel sei 2020 die Beteiligung an den Olympischen Spielen in Tokio, was wegen der enormen finanziellen Herausforderung allerdings noch offen ist.

Der 50. Musikfestgeburtstag in Hirschfeld stellte in diesem Jahr ebenfalls eine Herausforderung dar. Mit den diesmal 14 beteiligten Gruppierungen war der Zeitplan am Sonntagnachmittag eng gestrickt. Sonst waren es maximal zehn. „Sicherlich könnte sich jede Formation allein schon stundenlang präsentieren. Wir müssen daher auf die exakte Einhaltung des Ablaufplanes achten“, so Jonas Roch vom Vorstand des Vereins.

Mit dabei natürlich die Stammgäste in Hirschfeld, das Marsch- und Drillkontingent Oberlichtenau sowie die Fanfarenzüge aus Strausberg und Dresden. Für ein Kontrastprogramm sorgten die Guggenmusiker und Dudelsackspieler. Ein beeindruckendes Schauspiel war der gemeinsame Aufzug aller Formationen. Ziel sei jedoch nicht, so Jonas Roch, ein einmaliges, herausragendes Musikfest als Jubiläum zu feiern, sondern das langjährige hohe Niveau kontinuierlich beizubehalten.

Die 14 Formationen, die bei dem Musikfestival aufgetreten sind, waren nicht nur musikalisch top, sondern auch eine Augenweide.
Die 14 Formationen, die bei dem Musikfestival aufgetreten sind, waren nicht nur musikalisch top, sondern auch eine Augenweide. FOTO: Veit Rösler