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| 01:00 Uhr

Hilfe für einen Fluss in Nöten

MAASDORF.. Die Kleine Elster ist ein Fluss in Nöten: Seit Jahren führt das extrem begradigte Fließgewässer immer weniger Wasser, im Sommer fällt vor allem am Oberlauf das Flussbett regelmäßig trocken. Ein Projekt des Naturschutzfonds Brandenburg will nun gegensteuern. Wie das geschehen soll, wurde am Mittwochabend im Elster-Natoureum Maasdorf erläutert. Von Karsten Bär

Wie sich die Kleine Elster einst am Hang des Heiligen Hains entlang schlängelte - von diesem Anblick schwärmen ältere Menschen aus Maasdorf oder Prestewitz noch heute. Doch der mäandernde Fluss ist längst Vergangenheit. Ursprünglich drei bis vier Meter breit, wurde das Flüsschen zunächst durch den Reichsarbeitsdienst in den 1930er-Jahren und später in einer Meliorationsmaßnahme mehr oder weniger kanalisiert und sein Bett auf bis zu zwölf Meter verbreitert. Die alten Flussschleifen sind heute zum Teil noch erkennbar - an Bodenwellen oder Altgehölzen, die früher das Ufer der Elster säumten. Zumindest stellenweise könnte der heute trockene Mäander bald wieder Wasser führen. „Unser Projekt sieht vor, den Flusslauf durch Wiederherstellung einiger alter Flussschleifen zu verlängern, um die Fließdynamik zu verbessern und für mehr Strukturreichtum am Fluss zu sorgen“ , erklärte Eva Sieper-Ebsen vom Naturschutzfonds Brandenburg das Anliegen des Vorhabens. Insgesamt sind es sieben Schleifen zwischen Doberlug-Kirchhain und Maasdorf, durch die künftig wieder Wasser fließen soll. Die Projektkosten in Höhe von 700 000 Euro werden zu 75 Prozent von der EU und zu 25 Prozent vom Naturschutzfonds getragen.
Der Vergleich langjähriger Messdaten belege, dass der Kleinen Elster immer weniger Wasser zur Verfügung steht, erläuterte der Hydrologe Dr. Reinhard Möckel von der Gesellschaft für Montan- und Bautechnik Senftenberg, die gemeinsam mit der Bad Liebenwerdaer Ingenieurgemeinschaft WTU für die Projektplanung verantwortlich ist. Wurde zwischen 1955 und 1989 am Pegel Schadewitz ein durchschnittlicher Wasserdurchlauf von etwa 2,5 Kubikmeter Wasser in der Sekunde gemessen, waren es zwischen 1990 und 2003 nur noch 1,5 Kubikmeter. Das habe Auswirkungen auf den Landschaftswasserhaushalt und damit auf die Natur und die Landnutzung. „Das Wasser muss länger im Einzugsbereich gehalten werden“ , so Möckels Resümee. Die Wiederherstellung der alten Flussschleifen komme auch der geplanten wassertouristischen Nutzung der Kleinen Elster entgegen: „Ein Kanufahrer bewegt sich nicht gern in einem langweiligen Kanal.“
An geeigneten Stellen sollen nun die alten Flussschleifen wieder ausgehoben und der jetzige Flussverlauf stillgelegt werden. Am jeweiligen Schleifenbeginn wird dazu der jetzige Flusslauf, der als Altarm erhalten bleiben soll, mit einem Damm versperrt und das Wasser so in seine alten Bahnen umgeleitet. Die Dämme sind so konzipiert, dass sie im Falle eines Hochwassers überflutet werden und das Ablaufen des Wassers zusätzlich über den heutigen Flussverlauf gewährleistet ist. Zugleich dienen die Dämme als Querung, um Landwirtschaftsfahrzeugen den Zugang zu den Flächen zu ermöglichen, die von den Flussschleifen umschlossen sind. „Vorbild sind Maßnahmen, die seit Jahren mit Erfolg an der Ems durchgeführt werden“ , schildert Möckel Erfahrungen aus anderen Regionen.
Konkret sollen eine größere und zwei kleinere Flussschleifen unterhalb von Maasdorf wieder hergestellt werden. Nördlich von Schadewitz soll der Fluss ebenfalls wieder einen „Schlenker“ machen und zum Teil über den Verlauf des Schönborner Mühlgrabens geleitet werden. An der Lindenaer Mühle ist vorgesehen, einen verlandeten Umfluter - früher das eigentliche Flussbett - zu reaktivieren. Auch am Heiligen Hain wird die Kleine Elster ihr altes Bett zurückerhalten und künftig wieder direkt am Hang entlang fließen - über den idyllischen Anblick können dann auch die Jungen schwärmen.
Den Förderbescheid für die Maßnahmen erwartet Eva Sieper-Ebsen in der kommenden Woche. Den Erhalt vorausgesetzt, soll schon Ende des nächsten Jahres mit der Umsetzung begonnen werden.

Hintergrund Trockene Quellen in Bergbaunähe
 Die prekäre Situation der Kleinen Elster ist durch den Bergbau im Umfeld ihrer beiden Quellgebiete (Lugbecken und Rochauer Heide) verursacht worden. Die Entwässerungstrichter der Tagebaue haben dort den Grundwasserspiegel sinken lassen, so dass der Fluss aus seinen Quellen kaum noch mit Wasser gespeist wird.
Auch die Flutung der Tagebaue wird nach den Worten des Hydrologen Dr. Reinhard Möckel daran nichts ändern. Hinzu kommt, dass das stark verbreiterte und begradigte Flussbett das Wasser zu schnell ableitet.
„Die Kleine Elster ist heute zum Teil vier Mal breiter, als sie es zur Abführung des ihr ursprünglich zur Verfügung stehenden Wassers sein bräuchte“ , so Möckel.