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| 02:38 Uhr

Helmut Andrack wird Ehrenbürger

Die Harigsburg hat Überliefungen zufolge unweit vom heutigen Zeischaer Ortskern an der Schwarzen Elster gestanden. Sie und weitere Gehöfte drumherum sind liebevoll nachgebaut worden.
Die Harigsburg hat Überliefungen zufolge unweit vom heutigen Zeischaer Ortskern an der Schwarzen Elster gestanden. Sie und weitere Gehöfte drumherum sind liebevoll nachgebaut worden. FOTO: Mona Claus/mcl1
Zeischa. Zahlreiche Zeischaer und ihre Gäste kamen am Freitag zu einer Festveranstaltung anlässlich des Ortsjubiläums "625 Jahre Zeischa" zusammen. Einem ausgiebigen Blick auf Geschichte und Gegenwart des Ortes folgte die Auszeichnung verdienter Einwohner – und die überraschende Ernennung des Zeischaer Ortsvorstehers Helmut Andrack zum Ehrenbürger der Stadt Bad Liebenwerda. Am Sonnabend wurde beim Festunmzug Geschichte lebendig. Karsten Bär / bae1

Das waren klare Worte: Die Zeischaer, so schrieb der Liebenwerdaer Amtmann kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) "sind die Elendsten im ganze Amte Liebenwerda." Wegen der häufigen Überschwemmungen des Elsterstroms könnten sie oft ihre Steuern nicht leisten. Der Amtmann schlug vor, ihnen die Abgabenlast dauerhaft auf die Hälfte herabzusetzen, zitierte Zeischas heutiger Ortsvorsteher Helmut Andrack in seiner Festrede die historischen Aufzeichnungen. "Vielleicht", rief er dem fröhlich applaudierenden Publikum zu, "fällt unserem Bürgermeister heute etwas dazu ein!".

Mit einer gehörigen Portion Witz ließ Andrack während der Festveranstaltung die Geschichte des Ortes Revue passieren und fand dabei immer wieder Anknüpfungspunkte an die Gegenwart. So befand der Ortsvorsteher, dass schon im Jahr 1391 die Finanzbehörden nicht faul waren - in der Urkunde des Ersterwähnung gehe es schließlich um die Abgaben, die die Zeischaer an die Stadt- und Schlosskirche in Liebenwerda zu leisten hatten. "Und? Ist es heute anders?!", fragte Andrack unter Beifall.

Auf diese Weise ging es munter weiter durch die Jahrhunderte. So hörte man vom Bau der Schule im 19. Jahrhundert, die die Bauern aus dem Unterdorf partout nicht im Oberdorf - "auf dem Halunkenberg", wie sie es nannten - haben wollten. Heute räche das Oberdorf im jährlichen Fußballspiel gegen das Unterdorf diese Schmähungen regelmäßig - da falle, so Andrack, der zufällige Sieg, den das Unterdorf in diesem Jahr erstmals erzielte, auch nicht ins Gewicht.

"Ein Dorf lebt von seinen Menschen", sagte Andrack bezogen auf den Gemeinsinn und gemeinschaftliche Bemühungen für den Ort. So habe man über lange Zeit gemeinsam das Ortsjubiläum vorbereitet. Viele Bürger zeigten Einsatz und Engagement, das Dorf noch schöner zu machen. Und dazu zählten nicht nur die Alteingesessenen, sondern auch die Bewohner der Bungalowsiedlungen, die vielfach in Sachsen wohnhaft sind, es sich aber nicht nehmen lassen, sich in Zeischa miteinzubringen.

Für eine für viele völlig unerwartete Überraschung sorgte im Anschluss Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter. Er sagte, Helmut Andrack habe in seiner Rede zwar von vielen gesprochen, die sich für Zeischa engagierten. "Aber sich selbst hat er vergessen", so Richter, der dies nachholte - um anschließend gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Johannes Berger die Urkunde zur Ernennung Andracks zum Ehrenbürger der Kurstadt Bad Liebenwerda hervorzuholen. Das Publikum in der Festhalle quittierte dies mit stehenden Ovationen.

Helmut Andrack sei jahrzehntelang im Kreistag und in der Stadtverordnetenversammlung aktiv und ein "Urgestein der Kommunalpolitik", zählte Bürgermeister Richter die Verdienste des Geehrten auf. Als Zeischas Ortsbürgermeister bzw. Ortsvorsteher fungiere er seit 1993. "Er hat immer die Fäden in der Hand gehalten, die Kräfte im Ort mit Fingerspitzengefühl gesteuert und so dazu beigetragen, Zeischa zu einem Schmuckstück zu machen", so Richter, der Andrack zudem als "ehrlichen und kompetenten Partner" bezeichnete.

Ehre, wem Ehre gebührt: Ausgezeichnet wurde während der Festveranstaltung auch eine große Zahl anderer Zeischaer, die sich für ihren Ort und Gemeinsinn einsetzen. Fast 40 verdiente Einwohnerinnen und Einwohner wurden für über Jahre fortwährendes Engagement für das Dorf geehrt und mit einem Präsent bedacht.

Zum Thema:
Ein liebevoll vorbereiteter und durchgeführter Festumzug lockte am Sonnabend viele Gäste an die Straßenränder nach Zeischa. Viele Einheimische hatten in den Vorgärten gemütliche Sitzgruppen aufgestellt, um den Umzug verfolgen zu können. Besonders schön: Die Firmen des Ortes haben sich intensiv eingebracht. www.lr-online/bilder.de

Überraschung gelungen, alle haben dicht gehalten: Helmut Andrack ist gerührt, als Bürgermeister Thomas Richter (l.) und Stadtverordnetenvorsteher Johannes Berger ihm die Ehrenbürger-Würde verleihen.
Überraschung gelungen, alle haben dicht gehalten: Helmut Andrack ist gerührt, als Bürgermeister Thomas Richter (l.) und Stadtverordnetenvorsteher Johannes Berger ihm die Ehrenbürger-Würde verleihen. FOTO: bae1
Bürgermeister Elias Borßdorff wurde zu Tode geschleift.
Bürgermeister Elias Borßdorff wurde zu Tode geschleift. FOTO: mcl1
Verdammt: Da bleibt dem ABV (Abschnittsbevolmächtigten) doch glatt die Schwalbe stehen. Hilft nur schieben.
Verdammt: Da bleibt dem ABV (Abschnittsbevolmächtigten) doch glatt die Schwalbe stehen. Hilft nur schieben. FOTO: mcl1
Landwirtschaft ist in Zeischa schon immer betrieben worden, doch oft wurde die Ernte vom Hochwasser vernichtet.
Landwirtschaft ist in Zeischa schon immer betrieben worden, doch oft wurde die Ernte vom Hochwasser vernichtet. FOTO: mcl1
Michael Bormann zeigt das Gewerk der Baumschule.
Michael Bormann zeigt das Gewerk der Baumschule. FOTO: mcl
Liebevoll haben einige Einwohner alte Technik aufpoliert.
Liebevoll haben einige Einwohner alte Technik aufpoliert. FOTO: mcl