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| 16:03 Uhr

Bad Liebenwerda: Heiß, heißer, Höllenhitze
38 Grad von oben und 160 von unten auf Baustelle B 101

Die B 101-Baustellen zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda. Affenhitze von vorn und Bullenhitze von hinten, plus die hohen Außentemperaturen - nicht nur der Fertigerfahrer hat einen sehr heißen Job.
Die B 101-Baustellen zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda. Affenhitze von vorn und Bullenhitze von hinten, plus die hohen Außentemperaturen - nicht nur der Fertigerfahrer hat einen sehr heißen Job. FOTO: LR / Manfred Feller
Bad Liebenwerda. Neben den Dachdeckern und anderen Berufsgruppen haben Straßenbauer derzeit einen der härtesten Hitze-Jobs. Besonders heiß geht es derzeit beim Asphaltieren auf der B 101 bei Bad Liebenwerda zu. Von Manfred Feller

Michael Gudek zieht spöttisch die Mundwinkel nach oben. „Was schwitzt du denn so?“, fragt der kräftige 44-Jährige im Muskelshirt. Wahrscheinlich von der Bullenhitze im Führerstand des Fertigers. Obwohl alle Fenster aufgerissen sind, ein gewisser Durchzug herrscht, fließt der Schweiß in Strömen.

Als der nächste Lastwagen seine heiße Fracht, immerhin 25 Tonnen Asphalt, vorn in den Trichter des Fertigers kippt, steigt die Temperatur in der Kabine rasant in Richtung 50 Grad. Auch von hinten wird es höllisch warm. Die auf 130 Grad aufgeheizte Einbaubohle zum Glätten der Oberfläche und das schwarze Asphaltband werfen eine unheimliche Hitze zurück. Der Rand-Cottbuser Michael Gudek ist diese Arbeitsbedingungen gewöhnt. Seit rund 15 Jahren baut er Straße für Straße in ganz Südbrandenburg und Nordostsachsen.

Der heiße Asphalt vorn im Fertiger lässt die Temperatur in der Kabine von Michael Gudek rasant ansteigen.
Der heiße Asphalt vorn im Fertiger lässt die Temperatur in der Kabine von Michael Gudek rasant ansteigen. FOTO: LR / Manfred Feller

Neben der großen Maschine, dem Deckenfertiger, kontrolliert der sogenannte Beiläufer Einbaustärke und -breite. Es sieht nach einem gemütlichen Spaziergang unterm Sonnenschirm aus.

Doch dieser Job ist angesichts der Hitze von allen Seiten ebenso hart. Bauüberwacher Volker Fuhrmann weiß von einem länger zurückliegenden Fall mit tragischem Ende: „Dem Mann wurde plötzlich schwindlig. Er ging zur Seite in den Schatten und fiel um. Tot!“

Von wegen unterm Sonnenschirm spazieren. Der Beiläufer ist der Hitze von oben und unten ausgesetzt.
Von wegen unterm Sonnenschirm spazieren. Der Beiläufer ist der Hitze von oben und unten ausgesetzt. FOTO: LR / Manfred Feller

Klar macht die aktuelle Hitze den Männern auf der Bundesstraßenbaustelle zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda zu schaffen. Doch es gibt genügend Zwangspausen beim Warten auf den nächsten Asphaltlaster oder wenn deren Fahrer ihre gesetzlich festgelegte Lenkpause einlegen müssen. Und ausreichend Wasser gibt es sowieso, gestellt vom Arbeitgeber, der Strabag, wird versichert. Durch jede Kehle fließen täglich mehrere Liter Wasser.

Auf der 4,8 Kilometer langen Strecke von Bad Liebenwerda fast bis nach Elsterwerda sind in drei Bahnen noch einige Kilometer zu asphaltieren. Eine Lkw-Ladung Asphalt, transportiert in Thermomulden, reicht bei einer Lage Tragschicht (vier Meter breit und 14 Zentimeter stark) gerade einmal 15 Meter, weiß Strabag-Polier Andreas Poppe aus Großräschen. Der Fertiger bewegt sich dabei mit lediglich drei Metern pro Minute vorwärts. Bei der nur dreieinhalb Zentimeter dünnen, abschließenden Deckschicht geht es etwas schneller. Der Asphalt wird aus den Mischwerken in Großkoschen am Senftenberger See und Torgau herangefahren. Insgesamt etwa 22 000 Tonnen.

Mit leichtem Schuhwerk sollte die heiße, dicke Asphalttragschicht nicht betreten werden. Schnell sind dünne Sohlen durch. Bauüberwacher Volker Fuhrmann misst hinter dem Fertiger noch 161 Grad Celsius.
Mit leichtem Schuhwerk sollte die heiße, dicke Asphalttragschicht nicht betreten werden. Schnell sind dünne Sohlen durch. Bauüberwacher Volker Fuhrmann misst hinter dem Fertiger noch 161 Grad Celsius. FOTO: LR / Manfred Feller

Die Tragschicht muss bis zum 27. August auf ganzer Breite liegen - egal, wie lange es noch so heiß bleibt. Denn dann rollt der sogenannte Kompaktfertiger an. Dieser wird die neue Bundesstraße nicht nur in einem Zug auf ganzer Breite asphaltieren. Er wird die Binder- und die Deckschicht nur ein wenig versetzt auch in einem Arbeitsgang auftragen. „Für diese Zeit werden an die Logistik hohe Anforderungen gestellt“, sagt Bauüberwacher Volker Fuhrmann. Dann arbeiten drei Mischwerke gleichzeitig für diese eine Straße. Ein weiteres Mischwerk springt im Falle eines Ausfalls ein.

Vor den Straßenbauleuten liegen also noch viele heiße Wochen.

Einen der weniger heißen Arbeitsplätze auf der B 101-Baustelle hat der Walzenfahrer.
Einen der weniger heißen Arbeitsplätze auf der B 101-Baustelle hat der Walzenfahrer. FOTO: LR / Manfred Feller