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| 02:39 Uhr

Heiße Phase für den Kirchentag

Es ist symbolisch zu verstehen: Christof Enders bläst auf einer Helikontuba zum Start für das große Festwochenende.
Es ist symbolisch zu verstehen: Christof Enders bläst auf einer Helikontuba zum Start für das große Festwochenende. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. Die einen sagen 200 000, die anderen halten 300 000 für möglich. Vermutlich irgendwo mittendrin wird die tatsächliche Besucherzahl liegen, die am 28. Mai beim Festgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentages auf den Elbewiesen der Lutherstadt Wittenberg erwartet wird. Frank Claus

Längst laufen die Vorbereitungen für das Festwochenende des 27. und 28. Mai in Wittenberg auf Hochtouren. Christof Enders, Superintendent des Kirchenkreises Bad Liebenwerda, zu dem auch die Region Herzberg und die Kirchengemeinden von Schwarzheide, Ruhland und Lauchhammer gehören, ist in einem der vielen Vorbereitungsstäbe integriert. Er versteht sich als Motor für seinen Zuständigkeitsbereich, denn der Kirchentag in Wittenberg ist längst nicht nur eine Sache der Lutherstädter. "Je suis Wittenberg"; "wir sind Wittenberg", sagt er in Anlehnung an die große Sympathiewelle nach dem Terroranschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" in Paris und nimmt sich selbst in Mitverantwortung.

Zu diesem besonderen Gottesdienst am 28. Mai werden Teilnehmer des Kirchentages in Berlin und von den weiteren neun Kirchentagen auf dem Weg in Mitteldeutschland erwartet. Doch nicht nur Gläubige. Die Erfahrungen der zurückliegenden Kirchentage würden belegen, es werden sich Menschen aus vielen Richtungen auf den Weg begeben, die den Austausch suchen.

Längst bestimmen die Detailabsprachen die Vorbereitungsrunden. Transportlogistik, Sicherheitsfragen, technische Notwendigkeiten für die Durchführung des Gottesdienstes, und, und, und. Alles wird detailliert besprochen. Da muss Christof Enders sogar ein wenig schmunzeln und sagt: "Selbst den Sonnenaufgang haben wir im Blick." Der wird an diesem 28. Mai um 5.19 Uhr sein - "schade, dass er im Reformationsjahr 2017 nicht um 5.17 Uhr ist", sagt Christof Enders und vergisst trotz Anspannung den Humor nicht.

Mehr als 200 000 Menschen aus vielen Teilen der Bundesrepublik - wo sollen die alle unterkommen? "Auch da wollen wir gute Gastgeber sein", sagt der Superintendent und hofft auf viele private Herbergsmütter und -väter. Da aber bereits am Sonnabend ab 21 Uhr eine "Nacht der Lichter" mit Mitgliedern der Communauté von Taizé stattfindet und anschließend ab 23 Uhr unter freiem Himmel übernachtet werden soll, geht Christof Enders davon aus, dass viele Teilnehmer bereits die Nacht in Wittenberg verbringen werden.

Eine große Herausforderung wird das Abendmahl sein, das im Rahmen des Festgottesdienstes am 28. Mai gereicht wird. Man stelle sich die logistische Herausforderung vor, mehr als 200 000 Menschen binnen kurzer Zeit zu erreichen! "Von Angesicht zu Angesicht" (1. Korinther 13) reichen sich Menschen Brot und Kelch weiter und empfangen Gottes Segen auf dem Weg der Reformation" - so wird in den Anmeldeflyern dazu dieser Moment beschrieben. Allein für das Abendmahl werden 250 Liturginnen und Liturgen mit Abendmahlsberechtigung (Pfarrer, Pastoren, Prädikanten, Diakonie) benötigt, die an aufgebauten Altären Gottes Segen weitergeben. Gebildet werden Gruppen mit bis zu zwölf Personen, die auf der Festwiese jeweils für bis zu 1000 Gemeindeglieder zuständig sind. Jede Gruppe ist aufgefordert, ein Talar, ein rotes Tuch, Tischkreuz, Bibel und Blumen mitzubringen. Benötigt werden bis zu 3000 Auszuteilende, die den Zweig, Hostien und Saft austeilen. Superintendent Christof Enders möchte mindestens eine Gruppe, eher aber noch eine mehr bilden.

"Es darf gekrümelt werden", so ist das sich anschließende Reformationspicknick überschrieben. Diese Zusammenkunft lebt der Ausschreibung zufolge von den individuellen Beiträgen vieler Gemeindemitglieder, die als Gastgeber fungieren sollen. Sie sind aufgefordert, auf mitgebrachten Picknickdecken Gäste zu bewirten. Auch kulturelle Beiträge seien erwünscht. Dazu, so Christof Enders, werden extra kleine Veranstaltungsinseln mit Tontechnik bereitgestellt.