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| 01:02 Uhr

Hausnotruf im Kreis wenig verbreitet

Region.. Nur rund 50 Geräte seien im Elbe-Elster-Kreis in Gebrauch, schätzt Wolfgang Papenfuß, Mitarbeiter des Hausnotrufes in Cottbus und zuständig für den Regionalverband Süd-Brandenburg. In einer Großstadt wie Berlin sei das Interesse extrem hoch, auch in Cottbus nutzen laut Papenfuß 200 Personen die Einrichtung. Von Frank Muscheid

„Wo viele allein und anonym wohnen, nimmt der Gebrauch rasant zu“ , weiß Karin Schulze. Die Koordinatorin der Johanniter-Unfall-Hilfe in Bad Liebenwerda kümmert sich seit November 2003 um die Anschlüsse des Hausnotrufes im Altkreis Bad Liebenwerda. „Hier ist der Hausnotruf noch nicht so verbreitet, weil die Nachbarschaft häufig nach dem Rechten sieht“ , so Schulze. „In der Stadt klingelt keiner beim anderen. Viele denken auch erst über eine Anschaffung nach, wenn sie mal gefallen sind. Dann kommt die Angst dazu.“
„Wir verzeichnen einzelne Rückläufe, weil Nutzer verstorben sind“ , sagt Karin Schulze. Die Nachfrage verstärkt sich in Wellen: „Immer, wenn etwas über Hausnotrufe in der Zeitung steht“ , meint Karin Schulze. Oft steige das Interesse auch durch Mund-Propaganda. Besonders häusliche Krankenpflegen kämen auf die Johanniter-Unfall-Hilfe zu, aber auch die Bedürftigen selbst und deren Angehörige. Vorträge bei häuslichen Krankenpflegen und Flyer bei Ärzten machen auf die Möglichkeit aufmerksam. „Manche haben noch nie davon gehört“ , so die Koordinatorin.

Mehr Sicherheit im Wohnumfeld
Das Notrufgerät wird in eine Steckdose gesteckt, eine Leitung läuft zu einer der Nebenanschlüsse in der Telefonbuchse. Der Teilnehmer trägt einen Funksender in Form einer Armbanduhr oder einer Kette am Körper. „Diese Menschen brauchen Hilfe, wenn sie aus dem Bett gefallen sind, oder weil sie von der Toilette nicht mehr hochkommen, steif geworden sind“ , sagt Karin Schulze. Der Funkruf funktioniert in der Wohnung, aber auch im näheren Umkreis, beispielsweise im Hof. „Die Betroffenen drücken auf die Armbanduhr. Damit wählen sie die Zentrale in Berlin oder Cottbus an“ , sagt die Koordinatorin. Der Ansprechpartner spricht den Anrufer persönlich an. Namen und alle relevanten Daten wie Krankheiten und Medizin-Bedarf sind eingespeichert. „Wenn der Betroffene nicht hochkommt, beruhigt der Betreuer ihn, und erklärt, dass Hilfe kommt“ , beschreibt Karin Schulze den Vorgang. Die Angehörigen werden ebenso benachrichtigt wie Nachbarn und - nach Bedarf - der Hausarzt. „Ein Schlüssel zur Wohnung muss hinterlegt sein“ , sagt Karin Schulze. „Die Zentrale entscheidet, wer benachrichtigt wird.“

Schnell und umfassend informiert
Muss ein Rettungsdienst kommen, erfährt er gleich, welche Medikamente notwendig sind, ob der Betroffene ein Herzpatient oder schlaganfallgefährdet ist. Es muss schnell gehen, wenn die Anrufer schwer zu verstehen oder bewusstlos geworden sind. „Die Hilfe kommt in zehn bis 15 Minuten“ , versichert Karin Schulze. Dass die Anschaffung zu teuer ist, findet sie nicht: „Das Gerät kostet 17,90 Euro monatliche Miete. Es gewährt Sicherheit, und bedeutet für die Angehörigen eine Entlastung.“ Da mehrere Personen eine Nachricht bekommen, könne die Tochter auch eine Stunde entfernt wohnen und trotzdem sicher sein, dass ihre Mutter bereits in guten Händen ist, meint Karin Schulze. „Viele Ältere stecken ihren Enkeln Geld zu, damit diese anrufen. Sollten sie nicht zuerst an sich denken? Das wäre mir die Sicherheit wert.“ Das Gerät könne ja abgegeben werden, wenn es nicht mehr gebraucht wird. „Das System ist ideal für ältere Teilnehmer, Frauen in einer Risikoschwangerschaft oder Kranke“ , findet die Koordinatorin. „Wer die Pflegestufe eins hat, dem kann es die Pflegekasse tragen. Ich habe noch nicht erlebt, dass das abgelehnt wurde. In der Stufe zwei und drei wird es auf jeden Fall übernommen.“

Service Wo gibt es Geräte?
 Informationen gibt es bei der Johanniter-Unfall-Hilfe, Dienststelle Bad Liebenwerda, Mittelstraße 22 unter Tel. 035341 26982. Koordinatorin Karin Schulze kommt mit Geräten nach Hause, erklärt sie und nimmt Bestellungen auf.