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| 16:58 Uhr

Handwerk trifft Schule
Fast schon der rote Teppich für Schulabgänger

Sicherheitstechnik Schraplau gibt auch kleine praktische Einblicke.
Sicherheitstechnik Schraplau gibt auch kleine praktische Einblicke. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Bewerbermangel führt zu neuen Tönen aus dem Handwerk und veränderten Einstellungskriterien. Von Frank Claus

Wenn die Noten in Mathe, Deutsch und Chemie nur noch befriedigend sind, heißt das noch lange nicht, dass Schüler mit diesen Ergebnissen nicht gute Handwerker werden können. „Ihr müsst wollen“, sagt Hendrik Schulz von der Handwerkskammer Cottbus und trifft mit seiner Wortwahl den Nerv der jungen Leute. In diesem Fall Schüler der 9. Klassen der Robert-Reiss-Oberschule Bad Liebenwerda. Handwerksbetriebe setzen zwar ein solides Grundwissen voraus, noch wichtiger seien allerdings Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Ausdauer und Ehrgeiz. „Vor allem keine unentschuldigten Fehlstunden, da habt Ihr schlechte Karten“, sagt der für Lehrlingsgewinnung zuständige Mann der Handwerkskammer. Und er rät zu möglichst vielen Praktika. „Geht nicht dorthin, wo Euer bester Freund ist oder dahin, wo Ihr den Arsch nicht bewegen müsst, weil der Praktikumsort gleich um die Ecke ist. Geht dorthin, wofür Ihr Interesse zeigt“, sagt er und meint: „Auch eine nicht positive Erfahrung im Praktikum hat am Ende was Gutes: Dann wisst Ihr wenigstens, was Ihr später mal nicht machen möchtet.“

„Handwerk trifft Schule“ heißt die gut organisierte Reihe, an der diesmal 52 Schüler der Reiss-Oberschule teilnehmen. Beide Seiten – Handwerker und Schüler – zeigen sich am Ende sehr angetan nach der Dienstagrunde. In kleinen Gruppen von maximal zehn Personen stellen Vertreter von Sicherheitstechnik Schraplau, Gebäudereinigung Hönicke, Mitteldeutscher Orgelbau Voigt, Fleischerei Arnold und Reiss Büromöbel Ausbildungsmöglichkeiten jeweils 30 Minuten vor und beantworten Fragen.

120 Berufe können im Handwerk erlernt werden von A wie Änderungsschneiderin bis Z wie Zweiradmechatroniker. Yvonne Arnold von der gleichnamigen Kraupaer Fleischerei gefällt dieser direkte Kontakt zu den jungen Leuten, „die alle sehr aufmerksam sind“, wie sie sagt. Tom Grefrath von der Gebäudereinigung Hönicke scheinen die jungen Leute die Worte fast von den Lippen abzulesen, so genau gehören sie zu. Denn Gebäudereiniger hat längst nichts mehr mit Wischlappen und Schrubber zu tun. Der Beruf ist vielfältig, reicht von der Reinigung mit modernster Technik bis zur Brandschadenbeseitigung und zur Reinigung von Fotovoltaikanlagen. Ein Schüler ist so begeistert, dass er spontan sagt: „Bei Euch würde ich gern anfangen.“

Weil es immer schwieriger wird, geeigneten Nachwuchs zu finden, wird Sicherheitstechnik Schraplau in diesem Jahr beginnen, selbst wieder auszubilden. Informations- und Telekommunikationselektroniker sind Goldstaub, Schraplaus haben für dieses und nächstes Jahr schon einen Bewerber. Am Mittwoch wird die Sparkasse Elbe-Elster mit den neunten Klassen ein Bewerbertraining durchführen, am Donnerstag wird professionell der Ablauf eines Bewerbergespräches geübt. Und die Handwerkskammer öffnet die Tür ganz weit: „Meldet Euch bei uns, wenn Ihr keine Lehrstelle habt. Und wenn Ihr schüchtern seid, wie begleiten Euch auch zum Bewerbergespräch.“

Die Schüler hören Yvonne Arnold (Fleischerei) aufmerksam zu.
Die Schüler hören Yvonne Arnold (Fleischerei) aufmerksam zu. FOTO: LR / Frank Claus