ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:12 Uhr

Junge Leute im Handwerk
Die Treckerschrauber von Plessa

Schwere Landmaschinen stehen in der Werkstatt des TechnikCenters Lausitz in Plessa. Mechatroniker Thomas Weber (2. v. l.) aus Elsterwerda demonstriert den Azubis das Demontieren und Abdichten eines Zapfwellengetriebes. Neu-Lehrling Konrad Lindner aus Kleinbahren (l.), Felix Deul (M.) aus Strauch, Domenik Petzold (2. v. r.) aus Plessa und Konrad Deutschbein aus Brößnitz schauen aufmerksam zu. Schon beim nächsten Mal sollte es alleine klappen.
Schwere Landmaschinen stehen in der Werkstatt des TechnikCenters Lausitz in Plessa. Mechatroniker Thomas Weber (2. v. l.) aus Elsterwerda demonstriert den Azubis das Demontieren und Abdichten eines Zapfwellengetriebes. Neu-Lehrling Konrad Lindner aus Kleinbahren (l.), Felix Deul (M.) aus Strauch, Domenik Petzold (2. v. r.) aus Plessa und Konrad Deutschbein aus Brößnitz schauen aufmerksam zu. Schon beim nächsten Mal sollte es alleine klappen. FOTO: LR / Manfred Feller
Plessa. Während das Handwerk händeringend nach Azubis sucht, hat das TechnikCenter in Plessa gleich vier. Von Manfred Feller

Auch im Ausbildungsjahr 2018/19 werden nicht alle Handwerksbetriebe in Elbe-Elster mindestens den einen gewünschten Azubi bekommen. Die aktuelle Lage im Landkreis ist mit ein paar Internetklicks hin zur Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Cottbus schnell geklärt: Tröbitz als ungefähren Elbe-Elster-Mittelpunkt eingeben, einen Radius von 30 Kilometern ziehen – und heraus kommen aktuell 63 offene Lehrstellen. Gesucht werden unter anderem angehende Kfz-Mechatroniker, Stuckateure, Zimmerer, Gerüstbauer, einige Maurer, Zimmerer, Metallbauer, Bäcker, Fleischer und Tischler. Im Kammerbezirk warten noch rund 300 Handwerksmeister auf den Berufsnachwuchs.

Ganz anders beim TechnikCenter Lausitz in Plessa. Über alle Lehrjahre hinweg lernen dort derzeit vier junge Männer den Beruf des Mechatronikers für Land- und Baumaschinen. Manch einer schafft es, vor den regulären dreieinhalb Jahren fertig zu werden.

Das TechnikCenter mit Sitz in Grimma (Ortsteil Mutschen) zählt insgesamt fünf Standorte mit Ziegenhain, Mockrehna und Strahwalde. Plessa kam 2009 hinzu. Die Mitarbeiterzahl liegt bei mehr als 130. Sofort könnten zwei weitere Mechatroniker, auch berufsähnliche aus dem Autobereich, eingestellt werden, sagt Serviceleiter Olaf Schaffer. Ohne eigene Ausbildung ginge es gar nicht. Der Betrieb, dessen Gesellschafter BayWa und der Landtechnikhersteller Claas sind, bildet an allen Standorten derzeit nicht weniger als 15 Mechatroniker aus.

Jüngster mit dem Ausbildungsstart 1. August ist Konrad Lindner aus Kleinbahren. „Das war von klein auf mein Berufswunsch“, sagt er selbstbewusst. Kein Wunder: Zu Hause wird Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben. Vier Traktoren (Belarus, Deutz, Zettelmeyer und ein Foton aus China) stehen auf dem Hof. „Das erste Mal saß ich mit vier Jahren auf dem Trecker. Mit sechs oder sieben Jahren bin ich selbst gefahren“, so der fast 17-Jährige. Das Schrauben sei schon immer sein Ding gewesen.

Nach mehreren Bewerbungen hatte Konrad Lindner schon einen Lehrvertrag in Luckau. Doch die Plessaer erkannten sein Potenzial und mögen seine Einstellung zur Technik. „Wir haben ihn zu einem Praktikumstag eingeladen, damit er vergleichen kann“, blickt Olaf Schaffer zurück. „Das Arbeitsklima, die Zusammenarbeit unter den Kollegen und das moderne Haus haben mich schließlich überzeugt“, hat der junge Mann seinen Schritt nicht bereut. Der erste Eindruck? „Es wird immer besser“, sagt er. Für ihn sei es kein Problem, täglich die rund 40 Kilometer auf dem Motorrad zum Betrieb zu fahren.

Die Mechatroniker-Azubis in Plessa stehen in der ersten Zeit nicht herum und gucken, sondern werden sofort in die Reparatur der sehr teuren, mit Mechanik, Hydraulik und Elektronik voll gestopften Landtechnik mit eingebunden.

Vor allen liegt eine anstrengende Zeit mit Praxis in Plessa, Theorie in Elsterwerda und zwölf überbetrieblichen, speziellen Lehrgängen in Götz bei Potsdam. „Das ist ein  schönes Pensum, aber es gehört dazu“, stellt Serviceleiter Olaf Schaffer fest.

Er hat selbst einst Landmaschinenschlosser gelernt. Doch kein Vergleich zu dem, was die Jungs heute an Traktor, Mähdrescher und Co können müssen. Handwerkliches Geschick steht ganz oben. „Dafür leistet die Schule heute so gut wie nichts mehr“, bedauert Olaf Schaffer. „Selbst gute schulische Leistungen in der deutschen Sprache sind für einen Monteur wichtig, weil er zum Beispiel Reparaturberichte schreiben muss.“ Und nicht zuletzt sollte ein Azubi ordentliche Computerkenntnisse mitbringen. Vieles laufe heute über den Rechner. Ersatzteilkataloge gebe es nicht mehr.

Auch sei selbstständiges Arbeiten gefragt. Von den acht Mechatronikern in Plessa (insgesamt 27 Beschäftigte am Standort) hat jeder seinen voll ausgestatteten Werkstattwagen. Denn rund 50 Prozent der Reparaturaufträge werden beim Kunden im Umkreis von bis zu 130 Kilometern erfüllt.

Das Arbeitsaufkommen wächst. deshalb wird das TechnikCenter in Plessa um eine etwa 60 mal 25 Meter große Halle für rund 500 000 Euro erweitert. Darin werden Kundenmaschinen im Zuge von Check, Reparatur und Wartung untergestellt. Die Halle soll Platz für bis zu zehn Mähdrescher bieten. Also auch genügend Arbeit für die Azubis. Jeder mit ordentlichen Leistungen werde übernommen, heißt es.