ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:53 Uhr

Elsterwerda
Härtester Job auf dem Kirchendach

Auch ohne Schnee knallhart: Mitten im Winter decken Mitarbeiter der Hohenleipischer Firma Angelika Schmidt die Catharina-Kirche in Elsterwerda ein.
Auch ohne Schnee knallhart: Mitten im Winter decken Mitarbeiter der Hohenleipischer Firma Angelika Schmidt die Catharina-Kirche in Elsterwerda ein. FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda. Kaum eine Arbeit in Elbe-Elster verlangt im Winter so viel ab wie die des Dachdeckers.

Diese Arbeit ist nichts für Weicheier. Schon beim Zugucken vom Boden aus frieren einem die ungeschützten Ohren ab. Doch diese Männer klettern zehn, 20 Meter nach oben auf das bereits zu großen Teilen fertig sanierte, gewaltige Dach der evangelischen Cathari- na-Kirche mitten in Elsterwerda. Zu Wochenbeginn haben die Dachdecker ihre Arbeit dort nach der Weihnachts- und Jahreswechselpause aufgenommen.

Der Wind weht stechend ins Gesicht. Dadurch fühlen sich die niedrigen Plusgrade auf dem Dach geradezu eisig an. Man möchte schnell wieder runter und sich aufwärmen. Doch die Männer bleiben stundenlang oben und setzen Ziegel für Ziegel, Reihe für Reihe. Nur in den Pausen gibt es heißen Tee oder Kaffee.

„Es ist ein harter Job. Aber an die Kälte gewöhnt man sich“, versichert Sandro Raum aus Hohenleipisch. Seit 1993 ist er Dachdecker und hat mit den Jahren schon so manch einem Gotteshaus zu einer neuen Haube verholfen: in Plessa, in Biehla und Kahla. Die Männer der Dachdeckerfirma Angelika Schmidt aus Hohenleipisch sind froh, dass die Temperaturen am Mittwoch leicht angestiegen waren und der scharfe Wind sich gelegt hatte.

„Man gewöhnt sich dran“, pflichtet Vorarbeiter Ronny Lehmann aus Rothstein seinem Kollegen bei. Mit mehreren Lagen Kleidung schützen sie sich vor Wind und Kälte „Es gibt schöne und es gibt schlechte Tage“, sagt er. Auf der anderen Seite sei es auch nicht gerade spaßig, im Sommer bei 30 Grad im Schatten in der prallen Sonne auf dem Dach zu arbeiten. Die Männer nehmen es, wie es kommt.

Ronny Lehmann hatte einst Zimmerer gelernt und ist jetzt seit 17 Jahren Dachdecker. Zur aktuellen Kirchenbrigade gehören noch Kollegen aus Plessa und Kraupa. Der Winter, auch wenn er bisher relativ mild war, ist für sie aktuell kein Hindernis. „Wir haben gut zu tun“, sagt der 43-Jährige während einer Pause und steigt gleich wieder hinauf in die zugigen Höhen.

Diese Woche soll der offene Teil des Daches der Catharina-Kirche eingedeckt sein. Anschließend wird der letzte Abschnitt über dem Giebel abgedeckt, damit die Zimmerleute die morschen Teile des Gebälks austauschen können. Zudem muss das bröckelnde Gesims abgetragen und neu gemauert werden. Je nachdem, wie hart der Winter zuschlägt, dauern die Dacharbeiten noch einige Wochen bis Monate an.

Anschließend, voraussichtlich im Frühjahr, geht es im Kirchenschiff weiter. Die Decke musste für die Gebälkerneuerung so weit geöffnet werden, dass sie nach altem Vorbild komplett neu aufgebaut werden muss - mit Bretterverschalung, Strohmatten und Putz. Die Stuckelemente werden an Ort und Stelle gezogen, erläutert Silke Hauptvogel, Vorsitzende des Bauausschusses der Kirchgemeinde Elsterwerda und Mitglied im Bau- und Finanzausschuss des Kirchenkreises Bad Liebenwerda.

„Der Abschluss der Arbeiten soll auf jeden Fall in diesem Jahr sein“, ist die Fachfrau zuversichtlich. Dann werden mehr als 900 000 Euro allein an und in der Catharina-Kirche verbaut worden sein. Für den Kirchenkreis ist dieses Projekt nach Auskunft von Superintendent Christof Enders ein enormer Kraftakt.

Zum Vergleich: Der aktuelle Investitionshaushalt des Kirchenkreises umfasst für dieses Jahr etwa eine halbe Euro. Ohne die Hilfe der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland, zu der der Kirchenkreis gehört, die öffentliche Förderung und weiterer Geldgeber könnten die teils sehr kleinen Kirchgemeinden ihre Gebäudesanierung gar nicht stemmen.

Im Kirchenkreis Bad Liebenwerda, der im Wesentlichen die Altkreise Bad Liebenwerda und Herzberg umfasst und bis nach Schwarzheide im Nachbarlandkreis Oberspreewald-Lausitz reicht, befinden sich nicht weniger als 87 Kirchen in einem unterschiedlich guten bis schlechten Zustand. Hinzu kommen Pfarrhäuser, Gemeindezentren und so weiter.

In der Catharina-Kirche Elsterwerda stehen die Zeichen auf Fertigstellung. Das heißt: Nach zwei Jahren unter freiem Himmel soll das Krippenspiel zum Weihnachtsfest in diesem Jahr wieder im Gotteshaus stattfinden.