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| 01:02 Uhr

Gut festhalten, die Fliehkräfte wirken

LAUSITZRING.. In Extremsituationen wollen weder Busfahrer noch Fahrgast geraten. Wie zu reagieren ist, wenn es doch mal brenzlig wird, testeten Busfahrer aus ganz Deutschland am Sonntag und Montag bei einem Fahrsicherheitslehrgang auf dem Lausitzring, der vom „Van Hool“ -Omnibusvertrieb Ost von Uwe Dahlitz aus Buchhain gemeinsam mit der TÜV-Akademie Lauchhammer organisiert worden war. Von Karsten Bär

Bus fährt Walter heute zum ersten Mal. Sagt er. Was soll's, grinst der Belgier, der in seiner Heimat beim Bus-Hersteller "Van Hool" an der Entwicklung und dem Test von Fahrzeugtechnik beteiligt ist. Sein Vertrauen in die Technik ist genauso grenzenlos wie sein Sinn für Humor. Während er die Teilnehmer des Sicherheitslehrganges von der Haupttribüne des Lausitzrings zum Dekra-Testoval fährt, prüft er zunächst einmal, ob die Fliehkräfte noch wirken: Drei Runden durch einen Kreisverkehr; in Höchstgeschwindigkeit, versteht sich. Endlich wieder auf gerader Strecke sorgen ein paar scharfe Schlenker dafür, dass sich das Frühstück wieder gleichmäßig im Magen verteilt. Hände klammern sich an Vordersitzen fest. Das Lachen im Bus klingt ein wenig gequält.
Die Fahrt zum Testoval - ein Vorgeschmack auf die Übungen, die die Busfahrer zu absolvieren haben. Wie verhält sich ein Bus in Extremsituationen„ Auf regennasser Fahrbahn“ Bei einer Gefahrenbremsung„ Das kann kein Busfahrer im normalen Straßenverkehr testen. Mit Fahrgästen schon gar nicht.
Im Falle des Falles muss er freilich souverän reagieren können. Weshalb „Van Hool“ -Händler Uwe Dahlitz das von ihm angebotene Sicherheitstraining für unerlässlich hält. „Die Fahrer müssen mit Extremsituationen und dem Fahrzeug vertraut gemacht werden“ , sagt er. Das Interesse der Busunternehmen ist groß, sogar aus Stuttgart ist ein Fahrer zum Training angereist. „Wir haben um die 40 Teilnehmer, das sprengt fast schon den Rahmen.“ Jeder könne teilnehmen, nicht nur Kunden, die „Van Hool“ -Busse kaufen. Das ist keine Verkaufsveranstaltung, betont Uwe Dahlitz und fügt schmunzelnd hinzu: „Von den Vorzügen unserer Busse sind die Teilnehmer nachher von selbst überzeugt.“
Praxisnahe Übungen sollen es sein, erklärt Jörg Rimke von der TÜV-Akademie Lauchhammer, die das Training durchführt. Im Bereich des Handlings werden Situationen wie das Fahrverhalten bei Spurwechsel oder das Wenden auf engem Raum geübt, so Rimke. Die Rangierübungen fordern volle Konzentration. Zum Glück bilden nur Kegel die Grenzen des Höfchens - wären es Betonwände, hätte der Bus jetzt schon die eine oder andere Schramme.
Trotzdem sehr realitätsnah, urteilt Dietmar Landgraf, Chef von Landgraf-Reisen aus Friedersdorf, einem von zwei Busunternehmen aus dem Elbe-Elster-Kreis, die am Training teilnehmen. „Man steht oft auf engen Hotelhöfen und muss dann sehen, wie man wieder runter kommt.“ Diese und andere Situationen zu trainieren sei einfach notwendig, schließlich habe man auch gegenüber den Fahrgästen eine Verantwortung.
Pflicht seien Fahrsicherheitstrainings, die den Busunternehmen auch Geld kosten, nicht. Aber Sicherheit kostet eben etwas, meint Dietmar Landgraf. Dafür muss man schon etwas investieren, glaubt auch Matthias Herling, Inhaber des Bad Liebenwerdaer Unternehmens Omnibusbetrieb Obst. Wo kann man sonst testen, wie sich das Fahrzeug im Grenzbereich, beim Bremsen oder in Kurven, verhält“
Sind die Handling-Übungen noch relativ fahrgastfreundlich, beginnt beim Bremstraining wieder der Magen zu protestieren. Gefahrenbremsung bei 60 km/h. Ein kräftiger Ruck, der Bus steht. Schlucken, wenden, der nächste Bremsversuch. Dieses Mal auf nassem Basaltstein. Der Bus kommt zum Halt - nach etlichen Metern. „Dieser Untergrund simuliert Bedingungen auf vereister Fahrbahn“ , erklärt Jörg Rimke. „Man sieht, wie sich der Bus mit dem Antiblockiersystem verhält.“
Weniger praxisnah dagegen ist die letzte Übung beim Training: Fahren in der Steilkurve mit bis zu 45 Grad Neigung. Im normalen Straßenverkehr kommt kein Fahrer in eine solche Situation. „So lange man nicht in den Straßengraben fährt“ , lacht Matthias Herling. Hat er Angst? „Das nicht, aber schon ein komisches Gefühl.“
Der Bus fährt los, und wenig später zeigt sich die Welt aus geneigter Perspektive. Die Fliehkräfte wirken und pressen die Insassen fest in ihre Sitze. Das Fahren in der Steilkurve, sagt TÜV-Mitarbeiter Rimke, das ist der Kick obendrauf.

Service Weitere Lehrgänge
 Sicherheitstrainings führt die TÜV Akademie Lauchhammer nicht nur für Busse durch. Motorrad-, Pkw- oder Lkw-Fahrer können auf dem Dekra-Testoval in simulierten Extremsituationen ebenfalls ihr Fahrverhalten trainieren. Im Internet gibt es unter www.tuev-akademie-aktuell.de/fahrsicherheit/ einen Überblick über die angebotenen Lehrgänge, für die auch Gutscheine ausgestellt werden.