ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:19 Uhr

Bildung im Schradenland
Grundschulen bleiben eigenständig

Allein das Amt Schradenland mit seinen vier wie an einer Perlenkette aufgereihten Dörfern hat drei Grundschulen. Davon sind jene in Hirschfeld (l.) und Gröden (r.) kommunal. Alle paar Jahre geht es um deren Erhalt. Die beiden Gemeinden ringen jeweils verbissen darum.
Allein das Amt Schradenland mit seinen vier wie an einer Perlenkette aufgereihten Dörfern hat drei Grundschulen. Davon sind jene in Hirschfeld (l.) und Gröden (r.) kommunal. Alle paar Jahre geht es um deren Erhalt. Die beiden Gemeinden ringen jeweils verbissen darum. FOTO: Manfred Feller / LR
Hirschfeld/Gröden. Gemeindevertreter von Hirschfeld lehnen den gemeinsamen Schulverband mit Gröden ab. Von Manfred Feller

Mit klarer Mehrheit haben die Gemeindevertreter von Hirschfeld im Schradenland den avisierten Schulzweckverband abgelehnt. Das heißt: Die beiden kommunalen Grundschulen in Hirschfeld und Gröden bleiben vorerst selbstständig. Auf der anderen Seite hatten bereits Ende des vorigen Jahres die übrigen drei Gemeindevertretungen in Großthiemig, Gröden und Merzdorf dem gemeinsamen Dach zugestimmt. Hintergrund der teils emotionalen Diskussionen waren die prognostizierten, unsicheren Anmeldezahlen für die beiden Grundschulen. Schwankungen, so der Gedanke, würden sich unter der neuen Struktur besser koordinieren lassen, um beide Bildungshäuser zu halten.

Hirschfeld hat sich nach Auskunft des ehrenamtlichen Bürgermeisters Bernd Trobisch bis in das neue Jahr hinein Zeit gelassen, um die aktuellen Zahlen abzuwarten. Laut der Grundschule in Hirschfeld haben für das kommende Schuljahr Eltern insgesamt 21 Mädchen und Jungen für die 1. Klasse angemeldet. 15 sind das Minimum.

Allerdings ist die Zahl 21 nicht in Stein gemeißelt. Wie so oft können Kinder aufgrund ihrer Entwicklung zurückgestellt werden. Jene Rücksteller aus dem Vorjahr rücken nach. Bis zum Schulstart kann es zudem Wegzüge und Zuzüge geben.

Was Bernd Trobisch von den Nachbarn in Gröden gehört hat, stimmt ihn zuversichtlich: „Die Schüler reichen für beide Schulen. Es sieht für Hirschfeld und Gröden gut aus.“

Amtsdirektor Thilo Richter, der den Entscheidungsprozess den Gemeinden zu überlassen hat, stimmt in diesem Punkt dem Bürgermeister zu: „Wir haben eine erfreuliche Entwicklung bei den Geburtenzahlen. Es gibt die berechtigte Hoffnung, dass eine Fusion nicht notwendig ist“, so Richter. Auch rückkehrwillige Familien und Zuzügler mit Kindern würden für die Zukunft optimistisch stimmen. Über die Schulentwicklung werde im nächsten Amtsausschuss, dem Vertreter aller vier Gemeinden angehören, Anfang März informiert.

Der hauptstraßenferne, ruhige Standort in Hirschfeld, so Bürgermeister Bernd Trobisch, biete beste Bedingungen zum Lernen. Es handele sich um eine moderne Grundschule mit einer runderneuerten Sporthalle.

Die Entscheidung gegen den Schulzweckverband war in Hirschfeld – im Beisein auch von Eltern  aus Merzdorf und Gröden – auf Antrag des Bürgermeisters in namentlicher Abstimmung gefallen. Neun Gemeindevertreter hatten das gemeinsame Dach abgelehnt, einer war dafür und einer enthielt sich. „Die meisten haben Angst, dass sie wieder über den Tisch gezogen werden“, sieht der Bürgermeister den Grund für dieses klare Votum.

Damit meint er die Standortdiskussion, die es vor 16 Jahren schon einmal gegeben hatte. Hirschfeld wäre dabei nicht gut weggekommen. Schon seinerzeit war aufgrund der sinkenden Einschulungszahlen und der unsicheren Bildung von mindestens einer 1. Klasse je Schule eine gemeinsame Grundschule mit zwei Standorten in Trägerschaft des Amtes Schradenland lang und breit diskutiert worden. Einzugsgebiet wäre das komplette Amtsgebiet gewesen.

Heute bilden Großthiemig und Hirschfeld sowie Gröden und Merzdorf je einen Schulbezirk. Damals wie heute ging es darum, Schwankungen bei den Schülerzahlen unter einem Dach besser handhaben zu können.

Diese Variante hält der Grödener Bürgermeister Claus Voigt nach wie vor für einen großen Vorteil, um beide Bildungshäuser so lange wie möglich offen zu halten. „Wir sind enttäuscht“, sagt er zu der Entscheidung in Hirschfeld. Die prognostizierten Einschulungszahlen für Gröden seien etwa gleichbleibend. Doch wenn in einer Einrichtung drei Jahre lang keine 1. Klasse gebildet werden könne, sei deren Ende besiegelt. Nicht nur er habe das Dilemma in Uebigau-Wahrenbrück vor Augen.

Wenn kein anhaltendes Geburten- und Zuzugswunder geschieht, dann müssen einzelne Grundschulen in Elbe-Elster um ihre Zukunft bangen. Das Schulamt hatte 2012 auf Basis der Einwohnerentwicklung festgestellt, dass es bis zum Jahr 2030 für vielleicht sieben Grundschulen kritisch werden könnte. Uebigau ist bereits Geschichte. Laut der aktuellen Schulentwicklungsplanung und damit der prog­nostizierten Kinderzahlen seien nur noch die beiden kommunalen Schradenland-Grundschulen mittelfristig Wackelkandidaten.

FOTO: Manfred Feller / LR