Von Karsten Bär

Darauf legt Dieter Voigt großen Wert: „Dies ist kein Museum“, sagte der Orgelbaumeister und Ehrenbürger der Stadt Bad Liebenwerda am Sonnabend bei der Eröffnung der Südbrandenburgischen Orgelakademie im ehemaligen Druckereigebäude am Markt in Bad Liebenwerda. Stattdessen sei sie eine Bildungseinrichtung, in der Kinder, Schüler, Studenten oder auch Erwachsene ihre Musikalität entdecken und entwickeln können. „Kein Instrument ist dafür besser geeignet, als die Orgel“, so Dieter Voigt, der dem Förderverein Südbrandenburgische Orgelakademie e.V. seit seiner Gründung im Jahr 2011 als Vorsitzender vorsteht.

Nimmt man die zahlreichen Besucher bei Eröffnungsveranstaltung zum Maßstab, ist das Interesse an Musik im Allgemeinen und die Orgel im Speziellen beträchtlich. Künftig wird dieses Interesse bedient, indem Besuche und Führungen durch die Orgelakademie ermöglicht werden, Konzerte und Workshops stattfinden und die bereits bestehende Zusammenarbeit mit Schulen wie dem Grundschulzentrum Robert Reiss fortgesetzt wird. Der Landkreis will die Einrichtung verstärkt in seine Bildungsarbeit und Kulturangebote einbeziehen. Den Kooperationsvertrag, in dem diese Zusammenarbeit auf Grundlage eines Kreistagsbeschlusses von 2017 fixiert wird, hatte Dezernent Dirk Gebhard quasi als „Geschenk“ mitgebracht. Die Eröffnung der Orgelakademie sei gut für die Stadt und gut für den Landkreis, so Gebhard. Dass die Einrichtung für die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal mit weit über die Region hinausreichender Anziehungskraft darstellt, wurde von mehreren Rednern betont.

Über viel Dank und Anerkennung durfte sich Dieter Voigt freuen. Als Vater und Geburtshelfer der Akademie hat er das Projekt maßgeblich vorangetrieben. Es sei seine Idee gewesen, die er mit beträchtlichem Engagement und dem nötigen Fachwissen zur Umsetzung brachte, betonte Bürgermeister Thomas Richter, der selbst dem Vorstand des Fördervereins seit seiner Gründung im Jahr 2011 angehört. Das Projekt bedeutet für die Stadt nicht nur einen kulturellen Gewinn: Nach dem Kauf und der Sanierung des alten Druckereigebäudes wurde ein Schmuckstück in der Innenstadt geschaffen, in dem zudem elf barrierefreie Wohnungen eingerichtet wurden. Laut Denkmalschutz sei es das bedeutendste Gebäude am Markt – „meiner Meinung nach gleich nach dem Rathaus“, so Richter augenzwinkernd. Als wichtigen Ideengeber und Unterstützer bezeichnete er Wolfgang Stiehr, Geschäftsführer des Druckereiunternehmens Variograph GmbH.

Verdiente Lorbeeren gab es auch für weitere Akteure: Dietmar Menzel, ehemaliger Geschäftsführer der Reiss Büromöbel GmbH und früher Unterstützer des Vorhabens, Stadtchronist Michael Ziehlke, der beim Förderverein beschäftigte und am Auf- und Umbau der Räumlichkeiten beteiligte Orgelbauer Jürgen Seidenberg sowie Bürgermeister Thomas Richter wurden von Johanna Raue, die seit September vergangenen Jahres als Projektleiterin in der Orgelakademie tätig ist mit lobenden Worten und einem Präsent bedacht. Sie selbst wiederum erntete ebenfalls anerkennende Worte: Höchst agil und ideenreich setze sich die in Dresden lebende junge Frau für die Orgelakademie ein, betonte Thomas Richter.

Die Südbrandenburgische Orgelakademie konnte auch dank der Förderung durch das Programm LandAufschwung des Landes Brandenburg und LandKULTUR des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ihre ambitionierten Ziele in Angriff nehmen. Um sie zu verwirklichen bedürfe es jedoch weiterer Unterstützung, betonte Dieter Voigt. Dazu zähle zum einen, dass sich die Bürger der Stadt für die Akademie interessieren, zum anderen, dass man sich der Unterstützung durch Landkreis und Land versichern müsse.

Auch wenn Dieter Voigt den Charakter als Bildungseinrichtung betont - ein bisschen Museum steckt trotzdem in der Orgelakademie. Und das nicht nur, weil in ihr verschiedene Orgeln und einzelne Bauteile sowie alte Druckerpressen gezeigt werden sind. Am Sonnabend wurde hier auch eine Sonderausstellung zur Geschichte dreier Bad Liebenwerdaer Unternehmen eröffnet, die auf verschiedene Weise miteinander in Beziehung stehen: Die Firma Mitteldeutscher Orgelbau Voigt, die ehemalige Druckerei Carl Ziehlke und die Reiss Büromöbel GmbH. Vorbereitet und umgesetzt wurden die einzelnen Ausstellungsteile vom Orgelbau Voigt, vom ehemalige Reiss-Geschäftsführer Dietmar Menzel und vom Ururenkel des Druckereigründers Carl Ziehlke, Michael Ziehlke. Alle drei Unternehmen waren bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden und haben den Namen der Stadt Liebenwerda bekanntgemacht – so, wie es künftig vielleicht die Südbrandenburgische Orgelakademie machen wird.