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| 18:04 Uhr

Gut Saathain
Großartiges Neujahrskonzert der Cappella Musica

Saathain. Sechs Meistermusiker vermochten die Zuhörer im brechend vollen Saal auf Gut Saathain in unnachahmlicher Weise zu begeistern. Von Stephan Creuzburg

So vielseitig und humorvoll geht es eben zu, wenn Cellist Andreas Priebst, der am Samstag wieder durch den frühen Abend führte, davon sprach, dass „wir uns in Saathain wie zu Hause fühlen“, was mit Beifall quittiert wurde.

Zu Beginn Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ – nur vom Titel her als das Kopfstück eines Konzertes gewagt. Denn wie diese wunderbare Musik von den fünf Musikern gespielt wurde, das war tatsächlich einmalig. Susanne Branny, an dieser Stelle immer wieder besonders hervorgehoben, interpretierte und ließ als Konzertmeisterin so temperamentvoll und ausgesprochen dynamisch und transparent interpretieren, dass man fast glauben konnte, einen neuen Mozart zu hören. Die Nachtmusik trat hier in den Hintergrund; mit ihrer fast singenden Geige, bestens begleitet von Jörg Kettmann (Violine), Stephan Pätzold (Viola), Andreas Priebst, (Cello) und ihrem Ehemann, dem Leiter der Kapellsolisten, Prof. Helmut Branny (Kontrabass), verzauberte sie und ließ auf weiteres Schönes hoffen.

Und das war dann Solotrompeter Mathias Schmutzler, der mit dem Alleluja aus Mozarts Kantate „Exultate jubilate“ für Riesenbeifall sorgte. Sein weicher Ansatz, im Spiel nie die Streicher übertönend und trotzdem effektvoll zu sein, das macht ihn zum Meister.

Ein Strauß darf natürlich bei einem Neujahrskonzert nicht fehlen, und so war es Johann Strauss’ Sohn, der Walzerkönig, dessen Zehner-Polka und sein Walzer „An der Elbe“ zum besten Klang regelrecht erblühten. Es ist Jörg Kettmann zu verdanken, dass die Musiker diesen Walzer spielten, denn er hat das Stück für diese Besetzung instrumentiert. Der Sonderapplaus für den gebürtigen Elsterwerdaer war besonders herzlich. Gerade bei diesem Walzer wurde das ganz hervorragende Zusammenspiel der Künstler besonders hörbar.

Noch vor der Pause wurde auf den zweiten Teil übergeleitet, denn mit Claude Debussys, dessen 100. Todestag im März begangen wird, schon amerikanisch geprägten Stücken – vor allem „Der kleine Neger“ – gab es die ersten amerikanischen Impressionen, so der Titel dieses Konzertes.

Das, wenn man so will, Alleinstellungsmerkmal der Kapellsolisten ist die ganz besondere Interpretation barocker und frühklassischer Musik. Das ist Professor Branny zu verdanken, der an der Hochschule in Dresden einen speziellen Lehrauftrag inne hat: Barockes Spiel auf modernen Instrumenten.

Nun durfte man gespannt sein, ob ihnen Gershwin und Bernstein, die 2018 wichtige Geburts- und Todestage haben, ebenso gut gelingt. Antwort: ein klares Ja, wobei es allerdings hier kein Alleinstellungsmerkmal geben dürfte. Die Musiker spielten ganz hervorragend die sicher technisch nicht ganz leichte Musik, schwelgten und nahmen sich zurück und Mathias Schmutzler beherrschte seinen Part ebenso gekonnt.

Weder in Wien noch in Saathain darf der Radetzky-Marsch von Johann Strauss’ Vater nicht fehlen. Und so erklang er unter Führung von in Hochform spielender Susanne Branny – wie sie ihre Geige zu Flötentrillern verhalf, bleibt ihr Geheimnis – zusammen mit dem toll klatschenden Publikum so, dass einem um dieses 2018, in dem, wie Joachim Pfützner, Chef vom Förderverein Gut Saathain, bei seiner Begrüßung sagte, in Saathain schöne Aufgaben anstehen, nicht Bange sein muss.