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| 14:03 Uhr

Daseinsfürsorge in Elbe-Elster
Gröden investiert in Jung und Alt

In der Tagespflegeeinrichtung Gröden mit zwei Häusern wird soviel wie möglich gemeinsam Zeit verbracht. Das Essen nehmen die älteren Tagesgäste an einem großen Tisch ein. Um deren Wohl kümmern sich Beate Bartzsch (2.v.r.) und ihre Kolleginnen. Betreiber Jörg Passin (2.v.l.), Inhaber des Elbe-Elster-Pflegedienstes, schaut nach dem Rechten. Am Sonnabend öffnen sich die Türen für alle Interessenten.
In der Tagespflegeeinrichtung Gröden mit zwei Häusern wird soviel wie möglich gemeinsam Zeit verbracht. Das Essen nehmen die älteren Tagesgäste an einem großen Tisch ein. Um deren Wohl kümmern sich Beate Bartzsch (2.v.r.) und ihre Kolleginnen. Betreiber Jörg Passin (2.v.l.), Inhaber des Elbe-Elster-Pflegedienstes, schaut nach dem Rechten. Am Sonnabend öffnen sich die Türen für alle Interessenten. FOTO: Manfred Feller / LR
Gröden. Gemeinde nimmt viel Geld für Wohnungen, Tagespflege und eine neue Turnhalle in die Hand. Von Manfred Feller

Die Gemeinde Gröden hat in den vergangenen Jahren mächtig gewaltig investiert. Das Ende ist noch nicht abzusehen. Allerdings leert sich das Sparkonto zusehens. Nach dem Bau der noch nicht fertig geplanten neuen Turnhalle für die Grundschüler und die Sportgruppen werden die entscheidungsfreudigen Gemeindevertreter um Bürgermeister Claus Voigt hinsichtlich größerer Ausgaben jedoch erst einmal eine Pause einlegen müssen.

Denn die zurückliegenden Jahre hatten es mit drei Neubauprojekten und zusammen mehr als 1,6 Millionen Euro in sich. Schließlich ist Gröden im Schradenland keine Kleinstadt, sondern „nur“ ein Dorf, aber eines mit etwa 1400 Einwohnern. Zur Wendezeit waren es noch ein paar Hundert mehr. Damit diese Anzahl nicht noch großartig weiter sinkt, wird protestiert und gebaut. Protestiert wird gegen den Landesentwicklungsplan, der den Elan zum Eigenheimbau in berlinfernen Kommunen an die Kette legt. Und gebaut wird für Jung und Alt.

Das jüngste Projekt gegenüber der Grundschule in Gröden ist gerade fertig und bezogen: Haus II der Tagespflege. Rund 450 000 Euro hat die Gemeinde dafür hingelegt. Haus I kostete 400 000 Euro. Für die zehn behindertengerechten Wohnungen waren noch mehr als 800 000 Euro hinzublättern. „Das waren alles eisern angesparte Eigenmittel“, erklärt Bürgermeister Claus Voigt. Fördermittel gab es nicht. Nur zur Sicherheit sei ein Kredit über 160 000 Euro aufgenommen worden.

Die behindertengerechten Wohnungen sind alle vermietet und spülen wieder Geld zurück in die Kasse. Im zweiten, erst im Januar eröffneten Gebäude der Tagespflege ist nach Auskunft von Mieter Jörg Passin, Inhaber des Elbe-Elster-Pflegedienstes, mehr als die Hälfte der 15 Plätze schon wieder belegt. Insgesamt gibt es 32 Plätze. Die tagsüber zu Pflegenden kommen aus Gröden, Elsterwerda, Stolzenhain, Hohenleipisch, Plessa und sogar aus Gröditz und Nauwalde in Sachsen. „Ein Grödener Fahrdienst holt sie jeden Tag mit zwei Bussen ab und bringt sie wieder zurück“, so Claus Voigt.

In den Wohnungen leben ältere Menschen, die sich zumeist noch gut selbst versorgen können. Einige haben Haus und Hof verkauft, weil beides im Alter nicht mehr zu bewirtschaften war. Die Alternative wäre irgendwo ein Heimplatz gewesen. „Wir als Gemeinde möchten aber, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können“, nennt der Bürgermeister einen gewichtigen Grund für die doch stattliche Investition.

Dies gelte auch für die Tagespflege. Das erste Haus war Anfang 2014 eröffnet worden. „Binnen eines halben Jahres waren wir ausgebucht“, sagt Betreiber Jörg Passin. Erneut musste eine Warteliste geschrieben werden. Die Gemeinde entschied sich zu einer weiteren Investition. „Mit der Tagespflege entlasten wird die Angehörigen, verhindern das Vereinsamen und stabilisieren die noch vorhandenen Fähigkeiten unserer Klienten“, erläutert der Pflegedienstinhaber. Die zehn Mitarbeiterinnen, darunter eine Pflegedienstleiterin, haben gut zu tun, um einen geordneten und abwechslungsreichen Tag zu organisieren. Bezahlt werde mehr als der Pflegemindestlohn. Sind Arbeitszeit und Gehalt wirklich in Ordnung? Eine junge Mitarbeiterin lächelt und hebt den Daumen. Anders als in der mobilen Pflege haben diese Mitarbeiterinnen freie Wochenenden und sind nicht ständig unterwegs. Allerdings werde man in der Ganztagsbetreuung psychisch gefordert, sagt Beate Bartzsch, Vize-Pflegedienstleiterin.

Nach dem Mittagessen macht Pflegefachkraft Diana Haufe aus Elsterwerda in der Küchenzeile klar Schiff. Auch sie ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Die junge Frau stammt aus Kolumbien und lebt seit sieben Jahren in Deutschland. Im großen Ruheraum mit den elektrisch verstellbaren Sesseln macht es sich auch die 85-jährige Waltraud Kunze aus Gröden nach der Mahlzeit bequem. Auf ihrem einstigen Grundstück stehen Wohnanlage und Tagespflege heute. Zu Hause wäre sie tagsüber allein. „Hier bin ich gut aufgehoben und versorgt“, sagt die Landwirtin.

Tipp: Wer sich die Tagespflege in Gröden, Merzdorfer Straße 10 a, ansehen möchte, der hat dazu am Sonnabend von 11 bis 15 Uhr beim Tag der öffenen Tür Gelegenheit.