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Grenzstein markiert einstige Königreiche

Steinmetz Maik Ulbricht beim Feinschliff am Grenzstein 171. Dessen Standort wird demnächst eingemessen, damit er gesetzt werden kann.
Steinmetz Maik Ulbricht beim Feinschliff am Grenzstein 171. Dessen Standort wird demnächst eingemessen, damit er gesetzt werden kann. FOTO: Manfred Feller
Schradenland. Verschwundene historische Landmarke zwischen Brandenburg und Sachsen wird im Schradenland durch einen neuen Sandstein ersetzt. Manfred Feller

Wer sich auf dem beliebten Grenzsteinwanderweg im Schradenland wegen wieder einmal abgerissener, verdrehter oder demolierter Schilder verirrt, kann sich grob auch anders orientieren: In Abständen von mehreren Hundert Metern bis zu wenigen Kilometern ragen massive Grenzsteine aus dem Waldboden. Diese markieren den Grenzverlauf nach dem Wiener Kongresse von 1815. Entdeckt man auf zweien der vier Seiten "KS", geht der Blick in Richtung des ehemaligen Königreiches Sachsen. "KP" steht auf den anderen beiden Seiten für Königreich Preußen. Doch von den damals gesetzten 16 Grenzsteinen auf dem Höhenzug zwischen Großthiemig und Merzdorf sind vier verschwunden.

Der Heimatverein Merzdorf hat mit Unterstützung des Amtes Schradenland, dem Katasteramt und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Elbe-Elster dafür gesorgt, dass eine Lücke zwischen den Grenzsteinen 160 bei Großkmehlen/Großthiemig und 175 bei Merzdorf/Wainsdorf geschlossen wird.

Fertig "beschriftet" liegt der etwa 360 Kilogramm schwere und 190 Zentimeter hohe Sandsteinquader bei einem sächsischen Steinmetzbetrieb nun für das Einmessen und Aufstellen bereit.

Es ist ein grenzübergreifendes Projekt. Denn die vertieften Buchstaben und Zahlen hat der Neu-Tettauer Maik Ulbricht mit Knipfel (Hammer) und Schrifteisen fachmännisch perfekt in den Stein gehauen. Jeder der feinen Schläge musste dabei sitzen.

Für den 39-jährigen Steinmetz/Steinbildhauer von der Firma Thierichsen Naturstein in Bauda, ein Zweigbetrieb des Mutterunternehmens in Großenhain, war das eher eine leichte Übung. Mit seinen Kollegen hat er bereits ganz andere Aufträge gemeistert - zum Beispiel in Dresden bei der Sanierung weltbekannter Gebäude mitgearbeitet. Genannt seien nur der Zwinger, die Semperoper und das Schloss. Auch am Wiederaufbau der Frauenkirche waren sie beteiligt und sind natürlich mächtig stolz auf ihre anerkannte Arbeit.

Je nach Einsatzart des fertigen Objektes haben die Steinmetze die Wahl zwischen drei Steinbrüchen im Elbsandsteingebirge, erläutert Maik Ulbricht. Der Postaer Sandstein ist gröber und der härteste - geeignet für den Sockel von Gebäuden. Die wieder aufgebaute Frauenkirche bestehe hauptsächlich aus diesem Material.

Der Cottaer ist deutlich weicher und werde von Bildhauern bevorzugt. Er besitzt Tonadern und verwittert schneller. Mittendrin liegt der Reinhardtsdorfer Sandstein. "Er hat eine feinere Struktur als der Postaer und lässt sich gut bearbeiten", so der Steinmetz. Daraus besteht auch der Grenzstein. Für den Fachmann ist es ein Leichtes, anhand des vorliegenden Materials den Steinbruch zu benennen.

Vorbild für den Grenzstein 171 war die Nummer 160, die auf der Gemarkungslinie Großthiemig - Großkmehlen der sächsisch-brandenburgischen Grenze steht, erklärt Gert Oßendorf, Initiator, engagierter Heimatforscher aus Merzdorf und Tourismusbeauftragter im Amt Schradenland. Der agile Senior, der erst kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, brennt für die Regionalgeschichte und bringt dies auch Schülern diesseits und jenseits der Landesgrenze nahe.

Die Schriftart wurde vom Musterstein auf eine Schablone übertragen und diese dann auf das zu bearbeitende Objekt. Dann konnte das Hauen auch schon beginnen. "Das ist eine relativ einfache Arbeit", sagt Maik Ulbricht. Aber sie nehme schon ein paar Stunden in Anspruch, so der Tettauer weiter. Der Quader wird in der gewünschten Größe geliefert.

Die Grenzsteine sind kein bloßer Zeitvertreib der Heimatforscher. "Sie sind ganz offizielle Grenzmesspunkte zwischen Brandenburg und Sachsen", weiß Gert Oßendorf. Das Einmessen des Standortes ist dann auch eine höchst amtliche Angelegenheit in Hoheit des Liegenschafts- und Katasteramtes des Landkreises.

Bewundert werden kann der neue Grenzstein bei der diesjährigen geführten Grenzsteinwanderung am 26. August. Treffpunkt ist um 9 Uhr der Heimatverein in Merzdorf.