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| 05:00 Uhr

Sprengung am Montag geplant
Unter Rüben: Granate in Zuckerfabrik Brottewitz

 Scheinbar klein, aber trotzdem enorm gefährlich: Enrico Schnick vom Kampfmittelräumdienst Brandenburg zeigt auf die in einem Behälter gesicherte Panzergranate. Sie soll am Montag kontrolliert gesprengt werden.
Scheinbar klein, aber trotzdem enorm gefährlich: Enrico Schnick vom Kampfmittelräumdienst Brandenburg zeigt auf die in einem Behälter gesicherte Panzergranate. Sie soll am Montag kontrolliert gesprengt werden. FOTO: LR / Frank Claus
Brottewitz. Ein Abtransport ist nicht möglich. Die Kriegsmunition soll am Montag vor Ort kontrolliert gesprengt werden. Evakuierung nötig. Von Frank Claus

Kaum zu glauben: eine panzerbrechende Granate unterm Rübenberg. Entdeckt in der Südzuckerfabrik Brottewitz (Elbe-Elster). Schon der Transport dorthin war einer voller Gefahren. Denn der Weg der Rübe vom Feld bis zur Zuckerfabrik ist beileibe nicht auf Rosen gebettet.

Die zuckersüßen Feldfrüchte werden auf dem Acker mit schwerer Technik geerntet und meist in großen Mieten zwischengelagert. Dann kommt die Rübenmaus, wie die Insider den Rübenreinigungslader nennen, der die Zuckerspender zum Abtransport auf Lkws verlädt. Die Rüben purzeln auf die Ladefläche und ab gehts über mitunter recht üppig befahrene Straßen zur Zuckerfabrik. Dort werden die Rüben auf den betonierten Lagerflächen abgekippt und schließlich mit dem Radlader je nach Bedarf auf die Transportbänder geschüttet.

Nicht nur den wenig erschütterungsfreien Weg bis dahin hat die Granate überstanden. Auch den kräftigen Aufprall an den Metalldetektor, der über der Bandanlage angebracht ist und der verhindert, dass Metallteile in die Zuckerproduktion gelangen. Ein Wunder, wie Enrico Schnick, Sprengmeister beim Kampfmittelbeseitigungsdienst in Cottbus, sagt.

Auf welchem Feld Rüben und Granate „geerntet“ wurden, ist nach Angaben der Südzucker-Werkleitung nicht mehr nachzuvollziehen. In der diesjährigen Kampagne, die am 5. Januar beendet worden ist, sind täglich etwa 6300 Tonnen Zuckerrüben aus dem gesamten südlichen ostdeutschen Raum angeliefert worden. Das entspricht 252 Lkw-Ladungen zu je 25 Tonnen pro Tag.

Entdeckt wurde die Granate nach RUNDSCHAU-Informationen am Montag, 7. Januar, bei Reinigungsarbeiten am Metalldetektor. Und wie seit Mittwoch feststeht, ist die knapp zehn Kilogramm schwere Granate mit 60 Gramm Sprengstoff noch immer hochgefährlich. Mit dieser Munition sind im Zweiten Weltkrieg schwer gepanzerte Fahrzeuge, unter anderem Panzer, bekämpft worden. „Noch in 1000 Meter Entfernung konnte 20 Zentimeter starker Stahl durchschlagen werden“, weiß der Kampfmittelexperte.

Durch die mehrfachen Erschütterungen, denen die Granate inzwischen ausgesetzt war, ist ein Abtransport nicht mehr möglich. Sie muss an Ort und Stelle kontrolliert gesprengt werden. Das soll am Montag auf einem Freigelände in der Zuckerfabrik Brottewitz passieren.

Mit diesem Szenario hat sich am Mittwochmorgen im Mühlberger Rathaus ein Einsatzstab beschäftigt. Am Tisch sitzen Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, aus dem Südzucker-Werk, der Ortsvorsteher und natürlich die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst. Den Hut auf hat Hannelore Brendel, Bürgermeisterin von Mühlberg, zu dem der etwas mehr als 200 Einwohner zählende Ortsteil Brottewitz gehört. Auch für sie, ansonsten in Elbe-Hochwasser-Katastrophenlagen schon gestählt, ist ein Granatenfund Neuland. Dazu noch einer in so sensibler Lage. Schnell wird klar: Ohne Evakuierung kann der explosive Körper nicht unschädlich gemacht werden. Ein 500-Meter-Sperrkreis muss eingerichtet werden. Darin befindet sich ein Wohnblock in direkter Nähe zum Werk. „Fast der gesamte Ort wird betroffen sein“, sagt die Bürgermeisterin. Zu beachten seien zudem der Busverkehr, und auch auf dem Anschlussgleis des Mühlberger Kieswerkes darf im kritischen Zeitraum ab Montag 10 Uhr kein Zug rollen.