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| 10:53 Uhr

Schädlingsbekämpfung nach Sanierung
Gordener Dorfkirche in Schwarz-Rot-Gold verpackt

Eine bunte dichte Schutzhülle in den Nationalfarben Schwarz Rot Gold umgibt derzeit die Dorfkirche von Gorden.
Eine bunte dichte Schutzhülle in den Nationalfarben Schwarz Rot Gold umgibt derzeit die Dorfkirche von Gorden. FOTO: Veit Rösler
Gorden. Derzeit ist die Dorfkirche Gorden in eine luftdichte Schutzhülle in den Nationalfarben Schwarz Rot Gold gehüllt. Eine Firma aus Bayern hat sie angebracht, weil nach der vorangegangenen Holz-Sanierung im Dachstuhl mehrere Tage lang ein Gas zur Schädlingsbekämpfung eingeleitet worden ist. Von Veit Rösler

Das Jahr 1749 ist auf der Wetterfahne der kleinen Dorfkirche in Gorden verankert. Es soll einen Vorgängerbau gegeben haben. Festzustehen scheint, dass die „neue“ Kirche bisher kaum wesentliche Sanierungen erhalten haben kann. Dementsprechend schlecht war ihr Zustand noch vor einigen Wochen.

Nachdem im Innern extrem hohe Luftfeuchtigkeitswerte gemessen wurden, sind vor zwei Jahren schon einmal zwei Fenster ausgetauscht worden, mit denen sich jetzt der Raum des Kirchenschiffes belüften lässt. Zu spät allerdings für viele Balkenköpfe, Sparren und Deckenbalken der inneren Konstruktion. Dort hatte sich der Hausschwamm eingenistet, der letztendlich die Statik eines Gebäudes nachhaltig zerstören kann.

Dachdeckermeister Gerd Borchhardt beim Schließen der Zimmermanns-Zugänge im Dachbereich.
Dachdeckermeister Gerd Borchhardt beim Schließen der Zimmermanns-Zugänge im Dachbereich. FOTO: Veit Rösler

In einer aufwändigen Aktion sind nun von der Zimmermannsfirma Voigtländer aus Oschatz sechs Deckenbalken über die komplette Balkenlänge und weitere sechs Deckenbalkenköpfe gewechselt worden. Im Turm haben die auf solche historischen Restaurierungen spezialisierten Fachleute die Stuhlsäulen gewechselt und zwei Streben ersetzt.

Für die komplizierte Sanierung wurden insgesamt 1400 Vollgewindeschrauben eingedreht, einige davon bis zu 30 Zentimeter Länge. Nun muss im Innern noch ein Teil der Raumdecke ersetzt werden. Im Außenbereich schließt Dachdeckermeister Gerd Borchhardt (60) mit seinen Kollegen gegenwärtig die Außenbaustelle der Zimmerleute mit gotischen Biberschwanzziegeln. Das Dach wurde zuletzt vor 80 Jahren gedeckt. Weil einige der Ziegel inzwischen zerbrochen oder von Salpeter betroffen sind, mussten insgesamt 60 Ziegel nach Auflagen des Denkmalschutzes in einer Spezialfirma originalgetreu nachgestaltet werden.

Nachdem Zimmerer und Dachdecker das Gebäude verlassen haben, wurde es komplett eingehüllt und mit Gas zur Holzschädlingsbekämpfung befüllt.

Insgesamt 90 000 Euro werden in diesem Jahr für die Sanierung aus verschiedenen Fördertöpfen und einem Eigenanteil für die Bauarbeiten aufgebracht, ist von Kerstine Jantoss vom Gemeindekirchenrat zu erfahren. Damit ist noch lange nicht Schluss.

Als nächste Baustellen stehen die Bestuhlung, insbesondere die alten Bänke, die Orgel und dann der Altar auf der Wunsch- oder Restaurierungsliste ganz oben. Bei einer Spendenaktion seien bisher rund 3000 Euro zusammengekommen, rechnet Kerstine Jantoss vor. Dieses Geld sei ganz wichtig, um den Eigenanteil zur Förderung beisteuern zu können.

Sukzessive soll die Kirche wieder zum Leben erweckt werden. So sollen hier nicht nur Gottesdienste, sondern auch Konzerte und Lesungen veranstaltet werden. Vorbild sei derzeit die Döllinger Barockkirche, die seit einer Krisensitzung der Einwohnerschaft im vergangenen Jahr nun wieder mit verschiedenen Veranstaltungsbausteinen mehr in den Fokus der Einwohnergemeinschaft gerückt wird.