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Glasstelen erinnern an Opfer zweier Diktaturen

Hannelore Brendel, Thomas Richter, Staatssekretär Martin Gorholt und Landrat Christian Jaschinski (v.l.) enthüllten die erste Infostele.
Hannelore Brendel, Thomas Richter, Staatssekretär Martin Gorholt und Landrat Christian Jaschinski (v.l.) enthüllten die erste Infostele. FOTO: pos
Neuburxdorf/Mühlberg. Auf 17 Glasstelen können sich Besucher über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag IV B und des Speziallagers Nr. 1 des sowjetischen Geheimdienstes NKWD informieren. Am einstigen Haupteingang wurde am gestrigen Montag der Befreiung des Lagers Mühlberg vor 67 Jahren der Infopfad eingeweiht. pos

Nachdem die Zeitzeugen immer älter werden und Besucher sich selbstständig über das von zwei Diktaturen genutzte Lager zurechtfinden sollten, war vor sieben Jahren die Idee zu einer sich selbst erklärenden Führung durch das Gelände entstanden, erinnerte Pfarrer Matthias Taatz, Vorsitzender der Initiativgruppe Lager Mühlberg. Vor allem in der Stadt Bad Liebenwerda, auf deren Gemarkung sich der größte Teil des Areals befindet, fand der Verein engagierte Unterstützer des Vorhabens, das zu einer weiteren Beschäftigung mit der Geschichte einladen soll. Nachdem 2010 ein schlüssiges Konzept erarbeitet war und das Kultusministerium des Landes Brandenburg knapp 350 000 Euro für die Errichtung des Informationspfades durch das Lager bewilligt hatte, ging es von September bis Dezember 2011 an die Umsetzung des Projektes. Dazu gehören nicht nur die 17 Glasstelen, die Einblicke in die Geschichte und die jeweiligen Bereiche des Lagers geben. Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU) zählte darüber hinaus das Pflanzen von 160 Bäumen, die Schaffung von Lichtraumprofilen, Wegebau, das Einbringen von Stahlbändern zur Verdeutlichung der früheren Lagergrenze, die Einrichtung von zwei Bus-Parkplätzen, das Aufstellen von Bänken und Aufforstungen in der Nähe der Neuburxdorfer Siedlung auf. Auf Initiative des Neuburxdorfer Heimatvereins wird demnächst eine 18. Stele hinzugefügt.

Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) hob das doppelte Erinnern an diesem Ort hervor. Bis 1945 waren hier Kriegsgefangene aus 33 Nationen interniert. Der sowjetische Geheimdienst errichtete am selben Ort eins von zehn Speziallagern, das bis 1948 etwa 22 000 Insassen zählte. Die Überlebenden durften erst nach dem Zusammenbruch der DDR über ihr Leiden sprechen. Für Brandenburg sei das Lager eine sehr wichtige Stätte des Gedenkens, so Gorholt.