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| 18:47 Uhr

Nachbarschaftsstreit eskaliert in Elbe-Elster
Neumühl: Versenkt Zoff Gewässertourismus?

 Zehn Jahre gibt es inzwischen das „Elsterstübchen“ am Schwarze-Elster-Radweg in Neumühl, den Gewässertourismus sogar schon länger. Doch fast von Beginn an gab es Zoff mit den Nachbarn.  Günter, Elvira und Ingo Gahse (von links) stoßen hier 2009 an.
Zehn Jahre gibt es inzwischen das „Elsterstübchen“ am Schwarze-Elster-Radweg in Neumühl, den Gewässertourismus sogar schon länger. Doch fast von Beginn an gab es Zoff mit den Nachbarn.  Günter, Elvira und Ingo Gahse (von links) stoßen hier 2009 an. FOTO: Mona Claus
Neumühl. Wenn Nachbarn nicht miteinander können, hat das oft fatale Folgen: Stress, Nervenkrieg, Boshaftigkeiten. In Neumühl steht nun sogar der Fortbestand des Gewässertourismus auf dem Spiel. Von Frank Claus

Elvira Gahse, die Betreiberin des Elsterstübchens am Schwarze-Elster-Radweg in Neumühl, und ihr Mann Günter, der sich mit ihr in seiner Freizeit um den Schlauchboot- und Paddelbootverleih im Rahmen des Gewässertourismusprojektes kümmert, haben den Kanal gestrichen voll. „Am Freitag ist Schluss, wir hören auf“, haben sie in dieser Woche gesagt und machen neuerliche Provokationen ihrer Nachbarn dafür verantwortlich. Elvira Gahse schiebt nach: „Der Zoff geht seit zehn Jahren, seit wir in Neumühl begonnen haben, unser Café zu betreiben und den Tourismus anzukurbeln.“ Höhepunkt: Am Sonntag vergangener Woche hätten die Nachbarn die Zufahrt zum Steg mit einem Traktor und Anhänger blockiert.

Das ist die eine Sicht. Die der Nachbarn klingt anders. „Wir dürfen ja nichts mehr, kein Radio anmachen, kein Holz spalten,  keine lauten Arbeiten auf unserem eigenen Grundstück machen. Und immer wieder ist unsere Einfahrt von dem Transporter mit Bootsanhänger zugeparkt.“ Das sagt Frank Neumann und seine Lebenspartnerin Marietta Wagner erinnert an die Anfänge des Zoffs, als ihnen seitens der Stadt verboten worden sei, den Ausschank im Hochpolgenerator fortzuführen.

Inzwischen steht nicht nur der Hochpolgenerator still, einst teuer finanziertes Projekt zur Expo 2000, auch der Steg ist dort verwaist und die Brennesseln stehen meterhoch. Ein Zustieg über den Mühlgraben zur Elster ist damit unmöglich geworden.

 An der Station Neumühl könnte es sich mit dem Tourismus erledigen.
An der Station Neumühl könnte es sich mit dem Tourismus erledigen. FOTO: LR / Frank Claus

Kurz nach Pfingsten habe sich Elvira Gahse an das Büro von Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) mit der Bitte um Hilfe gewandt. Eine Reaktion habe sie nicht erhalten. Nun hat in dieser Woche der Beutersitzer Ortsvorsteher Ronny Laake den Landrat via Facebook um Hilfe gebeten und damit den schwelenden Konflikt öffentlich gemacht. Er mahnt: Dort stehe nicht nur die gute touristische Entwicklung auf dem Spiel, auch drei Arbeitsplätze seien in Gefahr. Er verstehe auch nicht, weshalb das Straßenverkehrsamt des Landkreises die Entwicklungen am Standort zusätzlich erschwere, nachdem es nun auch noch eine Parkverbotszone ausgewiesen hat.

Der Landrat erklärte am Donnerstagmorgen, dass er nach einem Termin außerhalb des Kreises am Abend noch das Gespräch suchen wolle. Marietta Wagner bestätigt indes, dass am vergangenen Sonntag der Traktor ihres Sohnes die Zufahrt blockiert habe. Das sei aber ein Versehen gewesen. „Wir hatten unser schweres Boot dort hinfahren lassen, haben uns aber beim Paddeln verschätzt und sind länger auf dem Wasser gewesen.“

 Dieser Traktor war so abgestellt worden, dass der Steg mit dem Bootstransporter nicht mehr erreichbar war.
Dieser Traktor war so abgestellt worden, dass der Steg mit dem Bootstransporter nicht mehr erreichbar war. FOTO: Ingo Gahse

Für die Gahses nur ein Vorwand. Es gäbe eine ganze Reihe immer wiederkehrender Provokationen, die zermürben würden. Gleiches, so sagen indes die Beschuldigten, gehe aber auch von Familie Gahse aus. Dabei sei der Gewässertourismus immer mehr im Kommen. Nachdem im Kleinen Spreewald Kahnfahrten nicht mehr regelmäßig angeboten würden, kämen immer mehr zum Schlauchbootfahren. Ganze Busse, unter anderem vom Rosenwirt aus Winkel, würden anreisen. Und der habe Verträge mit Reisebüros, müsse die Fahrten auf der Elster auch gewährleisten.

Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus kennt die Probleme, habe bislang immer auf Gespräche und die Hoffnung, ordentlich miteinander umzugehen, gesetzt – und sieht sich mit seinem Latein in diesem Punkt am Ende. Rächt sich, dass es keine klaren Regeln zum Gewässertourismus an diesem Standort und zur Nutzung des Elstervorlandes, das im betreffenden Abschnitt der Familie Neumann gehört, gibt? Andreas Claus widerspricht: „Wir haben im Jahr 2010 in Absprache mit Familie Neumann eine beschränkt persönliche Dienstbarkeit im Grundbuch eintragen lassen, indem sich die Stadt die Nutzung von Steg und Zuwegung sichert.“ Aber Familie Neumann beharre darauf, das Recht der Stadt übertragen zu haben und nicht der Familie Gahse. „Doch wir bedienen uns mit der Familie Gahse eines Dienstleisters für den Gewässertourismus“, sagt Andreas Claus und bedauert, dass das Landesumweltamt die Deichvorländer nicht in eigene Regie nehme. „Dort müssen sie“, so Andreas Claus, doch auch den Hochwasserschutz gewährleisten.“

Und wie nun weiter, wo der Gewässertourismus insgesamt in schweres Fahrwasser gekommen ist? Der erfreulichen Tatsache, dass Rico Leonhardt am Bieligkhof in Bad Liebenwerda weiter Paddelboote verleihen und Schlauchbootfahrten anbieten will und der Elsterpark in Herzberg stabiler Partner sei, steht entgegen, dass nach dem Pächterwechsel am Parkschlösschen Maasdorf, der nur noch auf Zuruf funktionierenden Situation im Kleinen Spreewald Wahrenbrück und dem Fast-Rückzug der Station in Uebigau wichtige Säulen weggebrochen sind.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski wolle diesen touristischen Baustein nicht wegbrechen lassen, will die einstigen Wassertourismus-Erfinder Eckhard Lehmann und Andreas Claus, die Noch-Anbieter sowie die Mitarbeiter des Tourismusverbandes noch mal an einen Tisch bringen.