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Gesicht zeigen, Menschenleben retten

Steven und Susann Demmel, Nadine Richter, Michael Spiecker sowie Konrad Meusel (v.l.) bei der Talenteschmiede – viele von ihnen werden auch beim Benefizkonzert dabei sein.
Steven und Susann Demmel, Nadine Richter, Michael Spiecker sowie Konrad Meusel (v.l.) bei der Talenteschmiede – viele von ihnen werden auch beim Benefizkonzert dabei sein. FOTO: Claus/mcl1
Elsterwerda. Musiklehrer Steven Demmel organisiert ein Benefizkonzert für Flüchtlingshilfe in Elsterwerda. Denn "diese Thematik geht uns alle an". Mona Claus / mcl1

"Die aktuelle Flüchtlingsthematik geht uns alle an", erklärte Steven Demmel, Pädagoge an der Kreismusikschule "Gebrüder Graun", kürzlich bei einem Gespräch. "Es geht um Menschenleben, egal welche Motivation sie haben, zu uns kommen zu wollen. Mich lässt das nicht kalt. Ich kann nicht wegschauen." Mit diesen Gedanken im Kopf machte sich der Musiker und Lehrer daran, ein Benefizkonzert zu organisieren. Stattfinden soll es am 18. März im Stadthaus in Elsterwerda. Der Erlös aus diesem Konzert, das die Kollegen Sebastian Pöschl, Johannes Weber, Michael Spiecker und Anika König unterstützen, geht an die Mission Lifeline e.V.

"Es geht um ein humanitäres Anliegen, nicht um Politik", stellt Steven Demmel klar, der dieses Konzert gemeinsam mit seiner Frau Susanne und dem Freiraum e.V., wie auch mit Unterstützung der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" organisiert. Weiterer Partner ist das Musikhaus Labicki, es sorgt für die Technik. Die Berufskollegen verzichten auf ihr Honorar und auch Fahrtkosten werden nicht in Rechnung gestellt. Wofür das alles? Die Einnahmen aus dem Konzert werden von der Mission Lifeline für die Anschaffung und Unterhaltung eines Rettungsschiffs benötigt. Dabei konzentriert sich der Verein auf das zentrale Mittelmeer, wo derzeit noch die meisten Menschen sterben.

Es geht der Besatzung um gezielte Search(suchen)-and-Rescue(retten) Operationen zwischen der libyschen und italienischen Küste. Mehr zur Motivation der Mitstreiter dieses Vereins erfährt man im Internet, aber auch vor Ort, beim Konzert in Elsterwerda. Statt Eintrit wünscht sich Steven Demmel Spenden. Wer das Konzert von Klassik über Pop, Jazz bis hin zur Weltmusik, iranische und ebenso syrische Klänge, genießen und daneben aus der multikulturellen Küche probieren möchte, ist herzlich eingeladen. Empfohlene Eintrittsspenden könnten bei zehn Euro für den Erwachsenen und fünf Euro für Kinder, Senioren und auch Behinderten liegen. Als Besucher, Zuhörer und Bekenner wünscht sich der Musikpädagoge Personen aus Politik, Wirtschaft und ganz viele Privatleute von 19 bis 22 Uhr. Es werden auch Quittungen ausgestellt. Zudem würde sich Demmel freuen, wenn sich Sponsoren finden und das Honorar des Technikers und die Kosten der Endreinigung für das Stadthaus übernehmen. Notwendig sind 150 Euro.

Bereits während der Woche der Vielfalt gab es ein Konzert, an das sich auch die Flüchtlinge, die Steven Demmel mittlerweile als Freunde bezeichnet, gern erinnern. Demmel wirbt dafür, nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren. Selbst habe er nicht nur neue Freunde gefunden, sondern auch von deren Schicksal erfahren, mit ihnen geweint, diskutiert und Hilfestellung gegeben.

Er freut sich darüber, neben den Lehrerkollegen auch "Jugend musiziert"-Teilnehmer im Boot zu haben - im wahrsten Sinne des Wortes. Viele seiner neuen Freunde sprechen mittlerweile ein ausgezeichnetes Deutsch. Sie werden vor Ort sein und viele Fragen beantworten. Demmels Wunsch: "Vielleicht schauen dann nicht mehr so viele Menschen weg, wenn sie einem Ausländer auf der Straße begegnen."