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Geschenkter Bolzplatz ist ein Klotz am Bein

Elsterwerda. Eine gute Idee scheitert fast an der rauen Wirklichkeit. Nach der Fußball-WM 2006 hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) aus den Einnahmen 25 Millionen Euro lockergemacht und damit in ganz Deutschland 1000 Bolzplätze (bis auf den Unterbau und den umlaufenden Weg) finanziert. Manfred Feller

Einen Platz von insgesamt 23 im Land Brandenburg hatten die Friedrich-Starke-Grundschule und der damalige SV Preußen Biehla als gemeinsame Bewerber erhalten. Einen weiteren bekam Sonnewalde. Das mit großem Tamtam in Biehla Mitte Juli 2008 eingeweihte kleine Kunstrasenfeld mit den Maßen 20 mal 13 Meter kam auch sehr gut an. Eigentlich bis heute.

Eine Bedingung des DFB war jedoch, dass der Bolzplatz von jedermann zu jeder Zeit genutzt werden darf. Und genau das brachte nach Aussage von Jens Dietrich in dieser Woche vor dem Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung immer größere Probleme. "Wir hatten damit mehr Ärger als Freude", sagt der 1. Vorsitzende des heutigen SV Preußen Elsterwerda. Es wurde bis in die späten Abendstunden gelärmt und der Platz auf übelste Weise verschmutzt. In Absprache mit der Schule sei schließlich die Reißleine gezogen worden. Die unbegrenzten Öffnungszeiten gibt es nicht mehr. Der Bolzplatz wird nur noch geöffnet, wenn nebenan auf den Sportanlagen trainiert oder gespielt wird - also unter Aufsicht.

Künftig solle dies zusätzlich nur nach Anmeldung möglich sein, damit im Beschwerdefall eine Person greifbar ist. Jens Dietrich weiß, dass auch andere Vereine reichlich Ärger mit ihrem geschenkten Bolzplatz haben und manche diesen sogar ganz abgeschlossen hätten.

Der Verein selbst nutzt einen Rasenplatz (zusammen mit der Grundschule) und das Kunstrasenfeld am Holzhof. Beide Sportanlagen gehören der Stadt, so Bürgermeister Dieter Herrchen. Für jene Anlage am Sitz des Vereins trage dieser laut Nutzungsvertrag die Betriebskosten, komme für kleine Reparaturen und den höheren Aufwand auf, der durch den Fußballbetrieb entsteht. Für den Kunstrasen zahlt der SV ebenso Gebühren wie andere Nutzer. Die Existenz dieses Platzes, des einzigen seiner Art im weiten Umkreis, habe zudem das Feldhockey in Elsterwerda gerettet, so Dieter Herrchen.

Der SV Preußen zählt 320 Mitglieder in den Abteilungen Fußball, Kegeln, Volleyball und Gymnastik. Allein die Kicker stellen 220 Mitglieder. Darunter sind mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Mittlerweile gehören auch über 25 Mädchen dazu. "Der Nachwuchssport ist unser Zugpferd", sagt Jens Dietrich. Im Spielbetrieb besetze der Verein alle Altersklassen.

Den Einwurf des Abgeordneten Hans-Joachim Nickisch (Die Linke), dass die 2. Mannschaft aus dem Dorf Hohenleipisch höherklassiger spiele als die beste Stadtmannschaft aus Elsterwerda, kontert der Vorsitzende mit Blick auf die untergegangenen Hochburgen Mühlberg und Uebigau damit: "Wir wollen eine gesunde Entwicklung mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs." Die Kreisoberliga sei das derzeit Machbare.