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| 16:12 Uhr

Genilke auf Brummi-Beifahrersitz

Thomas Crone, Rainer Genilke und Disponent Dietmar Weber (v.l.).
Thomas Crone, Rainer Genilke und Disponent Dietmar Weber (v.l.). FOTO: F. Claus
Bad Liebenwerda. Er will wissen, wovon er spricht. Rainer Genilke, Landtagsabgeordneter der CDU, hat sich wieder mal zum Stift gemacht. Frank Claus

Er war schon in der Landwirtschaft, beim Arbeitsamt, in der Nahverkehrsgesellschaft des Kreises, hat in der Förderschule unterrichtet und sich in der Kita in die Rolle der Erzieherinnen versetzt. Nun nähert er sich seinem Spezialgebiet: dem Verkehr. Keine falschen Gedanken bitte, dem auf der Straße! Als verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion kennt er sich da schon recht ordentlich aus und war am Ende dann doch überrascht, was in der Praxis abgeht.

In der Bad Liebenwerdaer Crone Handel & Speditions GmbH hat er sich gleich an die Großen gewagt - die Silofahrzeuge. Dass er als Beifahrer vom Chef Thomas Crone höchstpersönlich zwei Tage unter die Fittiche genommen wurde, hat ihm viel gebracht. "Am ersten Tag sind wir eine Tour gefahren nach Elsterheide und Hohenbocka." Im Bauch der großen Kessel lagerten Filtersande - die Lieblingsware der 24 Crone-Mitarbeiter. Sie beliefern mit ihren 20 Fahrzeugen Gießereien mit Quarzsanden, Wasserwerke mit Sanden für Filteranlagen, Glaswerke mit Rohstoffen für die Glasherstellung und pulverisierte Polyvinylchloride für die Autoindustrie und weitere Industriezweige. Unterwegs sind sie vor allem in Deutschland und Österreich, aber auch in anderen Ecken Europas.

"Wir haben im Landtag demnächst eine Anhörung zum Güterverkehr in Brandenburg. Da rümpfen ja manche gleich die Nase. Die Brummis verstopfen doch nur die Straße, monieren sie", sagt Rainer Genilke und ist sich nach den zwei Tagen noch sicherer: Ohne Güterverkehr auf der Straße geht es nicht. "Die fahren ja keine Luft durch die Gegend. Der zunehmende Verkehr ist doch zuerst ein Ergebnis unserer boomenden Wirtschaft. Alles geht mit der Bahn eben nicht", erklärt er, nachdem er einen Tag lang mit disponieren durfte. Sechs Tonnen Filterkies für eine Therme, zehn Tonnen für eine kleinere Gießerei, mal zwei Züge für ein Glaswerk - das könne mit der Bahn gar nicht fristgerecht abgewickelt werden.

Für viele Unternehmen ist die Straße das Lager. "Crone hat zum Beispiel für eine größere Gießerei die ständige Überwachung ausreichend gefüllter Silos als Auftrag übernommen. Da wird genau disponiert, wann die Brummis starten. Möglichst soll auf der Rückfahrt ja auch gleich noch andere Ladung abgeholt werden."

Der Job der Brummifahrer habe nur noch wenig mit Abenteuer zu tun - es sei denn, man meint damit das tägliche Ringen um zügiges Durchkommen, die Suche nach Parkflächen, um Ruhezeiten einzuhalten. "Nicht mal genügend ordentliche Toiletten, geschweige Duschen haben wir für die Jungs, die oft tagelang in ihren Kisten unterwegs sind. Hier muss sich was ändern!"