Eine gute Nachricht für alle, die die Hausarztpraxis in Großthiemig besuchen und aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigungen ein großes Problem mit den zu bewältigenden Treppenstufen haben. Nach Jahrzehnten des Bittens und Bettelns soll das kommunale Gebäude in der Hauptstraße 31 am Donnerstag endlich einen Lift erhalten.

Die wesentlichen Arbeiten würden an einem Tag erledigt werden, weiß der ehrenamtliche Bürgermeister Heiko Imhof. Zeitnah werden dann die Praxisräume von Erika Metzger, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin, von wirklich allen Patienten sehr gut erreichbar sein. Bei den Räumlichkeiten handelt es sich um die Zweigpraxis Großthiemig des Medizinischen Versorgungszentrums Elsterwerda.

Einwohnerin macht auch Problem in Großthiemig aufmerksam

Bevor jedoch die Gemeinde in Aktion getreten ist, hatte eine hartnäckige Einwohnerin öffentlich auf das für einige Patienten große Stufenproblem aufmerksam gemacht. „Diese Treppe hat mich immer gestört. Meine Eltern sind jetzt in einem Alter, in dem sie Hilfe brauchen“, berichtet Ulrike Schultz, warum sie einen erneuten Anlauf gewagt hatte. „Bisher hieß es immer: ,Es geht nicht. Wir haben keine Geld.’ Dann habe ich es beim neuen Bürgermeister versucht. Er war sofort gesprächsbereit“, berichtet die Friseurmeisterin.

Gemeindeoberhaupt Heiko Imhof hatte die eindringliche Bitte von Ulrike Schultz im vergangenen Dezember in die örtliche Abgeordnetenrunde getragen. „Im Januar haben wir dann einstimmig den Beschluss gefasst“, blickt er zurück. Es sei gar nicht so einfach, für ein öffentlich zugängliches Gebäude ein Projekt namens Treppenlift auf die Beine zu stellen. Doch es gelang. In den Haushalt wurde schließlich auch die entsprechende Ausgabe verankert. 15 000 Euro wurden eingeplant. „Wir liegen knapp darüber“, schaut Heiko Imhof auf das Angebot, das den Zuschlag erhalten hatte.

Da kommt ihm die Initiative von Friseurmeisterin Ulrike Schultz gerade recht. Sie hatte, beginnend im November, bereits damit begonnen, auf zwei Wegen Geld für die Investition zu sammeln. Und das erfolgreich! Angesichts der zusammengekommenen Summe huscht ein Lächeln über ihr Gesicht: „Wenn man die Großthiemiger braucht, dann sind sie da.“ Auch der Bürgermeister zieht den Hut: „Daran sieht man, dass den Einwohnern die Arztpraxis sehr am Herzen liegt.“

Großthiemigerin setzte auf Tombola und Spendenkonto

Bei der Unterstützungsaktion wurde zweigleisig gefahren. In ihrem „Hairstudio“ hat Ulrike Schultz eine Tombola angeboten, unterstützt von einer Partnerfirma ihres Geschäfts. Jeder Kunde, der Geld in die Spendenbox geworfen hatte, durfte Lose ziehen und sich nicht selten über einen Gewinn oder Trostpreis freuen. Am Ende kamen 825,01 Euro zusammen. Zusätzlich war ein Spendenkonto angelegt worden, über das die Gemeinde verfügt. 425 Euro seien darauf eingezahlt worden. Jeder Euro werde zum Wohle der Patienten eingesetzt, versichert der Bürgermeister.

Für Friseurmeisterin Ulrike Schulz ist der noch zu montierende Patientenlift am kommunalen Gebäude gewissermaßen ein selbst gepacktes Vorab-Geschenk zu ihrem 30-jährigen Geschäftsjubiläum, das sie im Januar 2021 begehen wird. Die Großthiemigerin ist von klein auf mit ihrem Heimatort verbunden. Sie schätzt sehr, was die Schradendörfer ihren Einwohnern von der Kinderbetreuung bis hin zu den vielfältigsten Dienstleistungen zu bieten haben.

Friseurin freut sich auf Ende der Corona-Zwangspause

Sie selbst trägt mit dazu bei, hat Friseurin gelernt und ist seit dem 1. Januar 1991 selbstständig. Großthiemig hat gleich zwei Friseurgeschäfte. Doch darin ruhen Kamm, Schere, Fön und Haarschneidemaschine. Die seit Mitte März verordnete bundesweite Corona-Zwangspause soll am 4. Mai endlich beendet werden. „Ich würde gern sofort öffnen, vertraue aber den Fachleuten“, kann es die Handwerksmeisterin dennoch kaum erwarten.

Damit die Kundschaft nicht zu lange auf einen Termin warten muss, wolle sie länger öffnen. Dies hört man auch aus vielen anderen Friseurgeschäften in Elbe-Elster. Gespannt ist nicht nur Ulrike Schultz, unter welchen Sicherheitsvorkehrungen geöffnet werden darf. Desinfektionsmittel gehören schon immer zum Arbeitsmaterial. „Die Maske wäre neu“, schmunzelt sie.