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| 16:08 Uhr

Geheimnis der Harigburg gelüftet

Ralf Uschner zeigt die Scherben, die er gemeinsam mit Reinhard Kißro auf einem Feld bei Zeischa gefunden hat. Foto: Veit Rösler/vrs1
Ralf Uschner zeigt die Scherben, die er gemeinsam mit Reinhard Kißro auf einem Feld bei Zeischa gefunden hat. Foto: Veit Rösler/vrs1 FOTO: Veit Rösler/vrs1
Zeischa. Das ist eine kleine Sensation: Zwei Heimatforschern ist es gelungen, Belege für die Existenz der sagenumwobenen Harigburg bei Zeischa ausfindig zu machen. Sie haben etwa 700 Jahre alte Scherben gefunden, die zusammen mit Luftbildern und alten Karten den Burgstandort beweisen dürften. Von Antje Posern

Etwa einen Monat ist es her, als der Ortrander Heimatforscher Reinhard Kißro seinen Bad Liebenwerdaer Kollegen Ralf Uschner erneut zur Suche nach der Harigburg anstachelte. Im 13. Jahrhundert war sie erstmals erwähnt worden, ein handfester urkundlicher Beleg habe jedoch nicht existiert, sagt Kreismuseumsmitarbeiter Uschner. Vor Jahren war seine Suche ergebnislos verlaufen. Wie vom Liebenwerdaer Heimatkalender-Redakteur und Museumsgründer Matthäus Karl Fitzkow beschrieben, hatte auch er "unmittelbar hinter der Elsterbrücke von Zeischa zur Linken am Weg nach Zobersdorf" nach der alten Burg gesucht. So hatte Fitzkow in einem Heimatkalender aus dem Jahr 1955 die Lage des Flurstücks Harig beschrieben. Wie Fachleute vom Denkmal-Landesamt, die in den 1980er-Jahren Untersuchungen durchgeführt hatten, blieb auch Uschner erfolglos.

Das sollte sich jetzt ändern. Die beiden Heimatforscher beließen es mit ihren Nachforschungen nicht linkerhand des bezeichneten Weges, sondern suchten auch auf der anderen Straßenseite. Und hatten dabei großes Glück. Gleich mehrere Keramikstücke fanden sie. Was für Laien auf den ersten Blick unscheinbare Scherben sind, versetzte die Fachleute in Verzücken. "Es handelt sich um hart gebrannte Grauware. Ähnliche Keramikfunde aus Lausitzer Braunkohlegebieten sind ins 13. Jahrhundert datiert worden", sagt Uschner. Er selbst ist Fachmann auf dem Gebiet der Keramiktypologie und sich sicher, dass es sich bei den jetzt entdeckten Stücken um ähnlich alte Funde handelt. Anzahl und Größe der Scherben sowie die Vielzahl an Rand- und Bodenstücken lassen ihn nicht daran zweifeln, dass es sich um Reste von Gebrauchskeramik des Zeischaer Vorgängerortes handelt.

Nach dieser Entdeckung hat Uschner altes Kartenmaterial durchforstet. Gemeinsam mit dem archäologischen Befund erschließt sich für ihn die Existenz der Harigburg jetzt auch kartografisch. Zum Beweis zeigt er ein altes Messtischblatt, auf dem ganz am Rand mit einem Mini-Symbol auf den einstigen Turmhügel hingewiesen wird. Darüber hinaus sei auf Luftaufnahmen aus den 1970er-Jahren der frühere Burggraben gut erkennbar, berichtet er weiter. Für Uschner ist mit der Existenz der Burg auch ein wichtiger Beleg für den Landesausbau um 1200 gefunden.

Dass sich Fitzkow mit der Lage der Burg so geirrt hat, erklärt sich Uschner mit der Flusskarte von 1852, die im Kreismuseum hängt. Diese ist, anders als heute üblich, süd-nördlich ausgerichtet.

Zum Thema:

Abend zur Harigburg am 28. JuniIn der Zeischaer Gaststätte "Zum Elstertal" findet am 28. Juni um 19 Uhr ein Abend zur Harigburg statt. Nora Günther liest aus "Aribo - Ritter der Harigfeste". Ralf Uschner spricht über die jüngsten Funde. Xenia Schreiber, die ihre Bachelorarbeit über den Lauf der Schwarzen Elster schreibt, wertet Luftbildaufnahmen zwischen Prieschka und Bad Liebenwerda aus.