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| 13:52 Uhr

Gedenkstein soll an den Brand von Plessa erinnern

Plessa im April 1945. Die russische Armee hat den Ort besetzt, als am 22. April eine SS-Einheit über die letzte intakte Elster-Brücke in den Ort eindringt und das Feuer auf die russischen Soldaten eröffnet. Daraufhin steckt ein russisches Kommando das Dorf in Brand. 117 Einwohner kamen damals ums Leben. Um an die Ereignisse vom April 1945 zu erinnern, organisiert Bürgermeister Gottfried Heinicke gemeinsam mit einer Gruppe von Bürgern und der Kirche eine Gedenkveranstaltung. Sie findet am 24. April um 16 Uhr statt. Christina Dirlich

"Seit Jahren gibt es die Idee zu solch einer Veranstaltung, jetzt wurde sie akut, da sich der Brand zum 60. Mal jährt", sagt Gottfried Heinicke. Auf dem Tisch in seinem Büro hat er eine Karte ausgebreitet, die den Ort zur Zeit des großen Brandes zeigt. Rot markiert all jene Häuser, die damals niederbrannten. Schwarz-Weiß-Fotos zeugen von den Zerstörungen.

Es sei die letzte Chance, die Gedenkfeier durchzuführen, denn die Zeitzeugen, die noch leben, seien bereits zwischen 75 und 85 Jahre alt, so Gottfried Heinicke. Die Gemeinde Plessa will die grausamen Ereignisse nicht dem Vergessen überlassen.

So wurden Zeitzeugen interviewt, die ihre Erlebnisse aus den Tagen des Brandes schilderten. "Wir haben diese Aussagen gespeichert, vielleicht bringen wir das als Broschüre raus, Auf jeden Fall ist für die Nachwelt etwas erhalten", sagt Bürgermeister Gottfried Heinicke.

Für die geplante Gedenkfeier hat er Spenden gesammelt. "Und die Firma Keraton hat uns einen Granit-Stein gesponsert", so der Bürgermeister. Dieser soll in Zukunft auf dem Platz des Friedens stehen und an den April 1945 erinnern. "Wir wollen aller Opfer gedenken", sagt Gottfried Heinicke. Der Stein bekomme eine Inschrift, die Formulierung stehe aber noch nicht fest.

Um 16 Uhr soll die Gedenkstunde in der Plessaer Kirche beginnen. Frauen- und Männerchor sowie das Blasorchester beteiligen sich. Kern der Feier werde ein Programm aus Musik und Texten von Augenzeugen sein, so Dorothea Heizmann vom Kirchenkreis. "Ich habe mit vier Frauen gesprochen und ihre Erinnerungen gesammelt." Diese Texte will Dorothea Heizmann in der Kirche von Schülerinnen vorlesen lassen. "Denn die Frauen waren zwischen elf und 20 Jahre alt, als sie den Brand erlebten", sagt Dorothea Heizmann. Sie hätten den Kampf um Plessa aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt. So habe eine etwas außerhalb gelebt, als das Feuer ausbrach, eine zweite wohnte im Zentrum und war direkt betroffen. Eine andere Frau flüchtete in den Apriltagen und die vierte versteckte sich in der Umgebung. Projizierte Originalfotos bebildern die Texte.

"Nach der Feier in der Kirche wollen wir den Stein am Platz des Friedens einweihen", sagt Bürgermeister Heinicke. Und noch eine zweite Anlage, die an die Kriegsereignisse erinnert, soll am 24. April eingeweiht werden: Die Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof.

Hier wurden die meisten ausländischen Soldaten begraben. "Wir haben das Gräberfeld neu angelegt, die Kriegsgräberfürsorge hat uns dabei unterstützt", sagt Gottfried Heinicke. Vier Steine wurden dort aufgestellt, ein Teil der Rabatten wird im Frühjahr noch bepflanzt. Zu der Gedenkfeier erwartet der Bürgermeister auch viele Gäste von Außerhalb, die den April vor 60 Jahren miterlebt haben.

Wer alte Fotos besitzt oder von eigenen Erinnerungen berichten möchte, melde sich bei Gottfried Heinicke. Tel.: 03533 480637 (Büro) oder 03533 5328 (privat).