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| 13:28 Uhr

Bewegende Zeremonie
Versöhnung: Elsterwerdaer bei Gedenkfeier in Potulice

Elsterwerda/Potulice. Deutscher Konsul lobt Schulpartnerschaft zwischen Elsterwerda und polnischen Bildungseinrichtungen.

Von Dr. Gustav Bekker

Es war ein bewegendes Ereignis, als sich kürzlich im polnischen Potulice anlässlich des 20. Jahrestages der deutsch-polnischen Versöhnung von Potulice zahlreiche Vertreter aus Politik und gesellschaftlichen Organisationen zu einer  Gedenkfeier versammelt hatten. Von deutscher Seite waren Konsul Peter Utsch als Vertreter des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland und eine kleine Abordnung aus Elsterwerda zugegen.

Beklemmende Stille lag über dem Friedhof, als sich alle Versammelten von ihren Sitzen erhoben und über dem Gräberfeld die deutsche und polnische Nationalhymne erklangen. Im anschließenden Gottesdienst gedachten der Auschwitz-Pfarrer Manfred Deselaers und Probst M. Szmytowski der unzähligen polnischen und deutschen Lageropfer von Potulice. Die Geistlichen erinnerten an die Worte der polnischen Bischöfe von 1965, die sie an die deutsche Bischofskonferenz gerichtet hatten: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ Diese Worte, die im damaligen Polen einen Sturm des Protestes auslösten, waren der Beginn der deutsch-polnischen Versöhnung nach den furchtbaren Ereignissen des Zweiten Weltkrieges.

Nach der Messe ergriff Bürgermeister Sławomir Napierała das Wort. Es war wohltuend, seinen Ausführungen zuzuhören. Potulice mit seinen unzähligen polnischen und deutschen Lageropfern sei zum Symbol der Versöhnung geworden. Darauf folgten Verständigung und Partnerschaft. Erfreut berichtete er kurz über die Partnerschaft zwischen den Städten Elsterwerda und Nakło n. Not sowie zwischen den Kreisen Nakło und Elbe-Elster. Sehr erfreulich seien auch die Unterzeichnung der jugendorientierten Schulpartnerschaften zwischen der Oberschule Elsterwerda und dem Gymnasium in Potulice sowie zwischen dem Lyceum in Nakło und dem Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda. Dies seien die Früchte jener denkwürdigen Versöhnungsaktion, die vor 20 Jahren von den einstigen Lagerinsassen Dr. Gustav Bekker und Stanislaw Gapinski eingeleitet wurde.

Schließlich wünschte er der deutschen und polnischen Jugend eine glückliche Zukunft im vereinten Europa. Ganz herzlich begrüßte er die kleine Lehrerabordnung der Oberschule Elsterwerda unter Leitung von Carola Neustadt.

Bürgermeister Napierala schloss seine Ausführungen mit einem Zitat des einstigen polnischen Papstes Johannes Paul II.: „Völker, die ihre eigene Geschichte vergessen und aus dieser Quelle nicht schöpfen, sind bedroht sie zu wiederholen.“ Lernen wir also aus der Geschichte, uns alles zu sagen, vermitteln wir der Jugend die geschichtliche Wahrheit ohne Verschleierung oder gar Verfälschung!

Dass in großen Städten Schulpartnerschaften gepflegt werden, sei bekannt, so der deutsche Konsul. Dass jedoch eine kleine Stadt wie Elsterwerda mit zwei polnischen Schulen Partnerschaften unterhalte, sei ungewöhnlich und daher lobenswert. Er dankte allen Lehrern und grüßte Elsterwerda.

Zum Schluss der offiziellen Veranstaltung legten wir an den Gedenkstätten für die polnischen und deutschen Lageropfer Blumen nieder, zündeten Kerzen an. Dies taten auch Vertreter der uns in Elsterwerda schon bekannten polnischen „Mission Versöhnung“ mit ihrem Präsidenten Tadeusz Krebs.

Der offiziellen Gedenkfeierstunde folgte im einstigen Palast der Gräfin Aniela von Potulice ein Kulturprogramm der Schüler der „ Schule der Kinder von Potulice“. Es waren zu Herzen gehende musikalische und rezitatorische Darbietungen.

Mein persönlicher Dank gilt allen Verantwortlichen, die uns dieses völkerverbindende Erlebnis ermöglichten.

(mf)