Aufgrund der in Deutschland dramatisch angestiegenen Corona-Infektionszahlen konnte der 43. Werner-Seelenbinder-Lauf in Gröden Ende Oktober nicht stattfinden. Öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern mussten abgesagt werden.

Werner-Seelenbinder-Lauf hat Wendezeit überlebt

Für den Grödener Volkssportlauf, zu dem traditionell im Schnitt 290 Läufer kamen, war dies das abrupte Ende einer Laufserie, die seit der Premiere 1978 jährlich stattgefunden hatte – auch in der schwierigen Nachwendezeit.
Nachdem bis Ende Juli 2020 in der Elbe-Elster-Laufserie alle Veranstaltungen ausfallen mussten, fand am 16. August erstmals in der Corona-Krisenzeit wieder ein Volkssportlauf statt: der 5. Scrato-Lauf in Hirschfeld mit 300 Teilnehmern. Ihm folgte am 11. Oktober der 41. Herbstlauf in Finsterwalde mit mehr als 200 Teilnehmern. Denn, so stand es in der Lausitzer Rundschau: „Die Lust auf Laufsport ist so groß wie nie“ und „Volkssportläufer sind in der Corona-Zeit heiß auf jeden Wettkampf“.
Die Organisatoren der Laufgruppe des SV Merzdorf/Gröden waren deshalb optimistisch, dass auch ihr Lauf ausgetragen werden darf. Ein Durchführungs- und Hygieneplan lag vor.

Lauf-Teilnehmer haben sich rechtzeitig angemeldet

Um die mögliche Ansteckungsgefahr zu minimieren, hatten die Organisatoren in der Wettkampfausschreibung darauf hingewiesen, dass eine Teilnahme nur mit Voranmeldung möglich sei.
An diese Festlegung hatten sich bis zum Meldeschluss 243 Sportfreunde gehalten, sodass sie am Wettkampfsonntag nur noch ihre Startnummer abholen und das Startgeld bezahlen mussten. Das wäre auch mit Abstandsregel zügig möglich gewesen.
Zwar hatten die Infektionszahlen in Deutschland am 22. Oktober erstmals die 10 000 überschritten und waren auch in der Lausitz angestiegen. In Elbe-Elster betrug der Zuwachs gegenüber dem Vortag nur eins. Das reichte aber, um den Grödener Lauf zu Ehren von Werner Seelenbinder abzusagen.

Corona-Maßnahmen: regional statt generalisiert

Aber taugen die in der Corona-Krise festgelegten Grenzwerte wirklich für die Festlegung der Einschränkungen? Meinungsfreiheit ist in einer Demokratie ein wertvolles Gut; sie lebt aber auch von Meinungsvielfalt, um Entscheidungen richtig abzuwägen.
Gröden war auf den 43. Werner-Seelenbinder-Lauf unter Corona-Bedingungen gut vorbereitet. Es sollte für alle ein schönes Lauferlebnis werden.
Zu einem Volkssportlauf kommen gesunde Menschen, die sich regelmäßig sportlich betätigen. Sie bewegen sich dabei meist in der Natur. Kann es einen besseren Schutz vor Erkrankungen geben? Die Volkssportläufer gehören mehrheitlich zu keiner Risikogruppe in der Corona-Pandemie.
Dass das Corona-Virus das Leben vieler so einschneidend verändern konnte, liegt auch an der offensichtlichen Schwäche des Immunsystems vieler Menschen. Dieses stärken wir aber nicht, wenn wir uns zurückziehen. Statt genereller Verbote wäre es zweckmäßiger, sich mit den Volksport-Organisatoren zu verständigen, ob ihr Durchführungs- und Hygienekonzept dem angestrebten Ziel auch wirklich dient.
Wenn bei einer Entscheidungsfindung regionale Besonderheiten nicht mit einbezogen werden, sondern Gleichmacherei erfolgt, erzürnt das die Betroffenen. Das gilt nicht nur für den Sportbereich, Theater- und Kinobesuche sind auch menschliche Bedürfnisse. Verbote sollten immer verhältnismäßig sein.

Würdigung für Christian Homagk ohne Publikum

Dass durch die Absage des Seelenbinder-Laufes die von mir auf einer Sondertafel vorgesehene Würdigung für den im Juni verstorbenen Finsterwalder Sportfreund Christian Homagk, ein Mitstreiter für die Laufbewegung in der Elbe-Elster-Region, nicht von den Laufgästen wahrgenommen werden konnte, war für mich ein zusätzlicher Wermutstropfen.
Jetzt bleibt die Hoffnung, dass der 44. Werner-Seelenbinder-Lauf am 24. Oktober 2021 stattfinden kann.

Zur Person

Ernst Schmied, Jahrgang 1940, ist seit den 70-ern Mitglied der Laufgruppe Gröden, Initiator des Werner-Seelenbinder-Laufes und auch im Fußball aktiv. Schmied war zwischen 1990 und 2003 Schulleiter des Elsterschloss-Gymnasiums Gröden und auch als Gemeindevertreter tätig. Er war unter anderem Mitglied des Kreissportbundes und viele Jahre Vorsitzender des Sportgerichts des Fußballfachverbandes Elbe-Elster.