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| 02:38 Uhr

Fünf Pferde durch Drohne in Todesangst versetzt

Monique Sprejz (vorn) ist wieder beruhigt. Den eigenen und den Einstellpferden geht es den Umständen entsprechend wieder gut. Hinten: Luisa Oehme (r.) und die 13-jährige Sophie Heinze aus Frauendorf mit den anderen eingefangenen Tieren.
Monique Sprejz (vorn) ist wieder beruhigt. Den eigenen und den Einstellpferden geht es den Umständen entsprechend wieder gut. Hinten: Luisa Oehme (r.) und die 13-jährige Sophie Heinze aus Frauendorf mit den anderen eingefangenen Tieren. FOTO: Manfred Feller
Elsterwerda. Am späten Sonntagvormittag brechen fünf Pferde aus einer zweifach umzäunten Koppel am Reissdamm zwischen Plessa und Gröden aus. Sie sind in Panik. Ohne Rücksicht auf Verletzungen reißen unter der Kraft ihrer Körper die drei Drähte des Elektrozaunes wie Bindfäden. Manfred Feller

Auch der folgende Maschendrahtzaun ist für die Tiere kein Hindernis. Sie trampeln alles nieder, auch ein paar einbetonierte Zaunpfähle. Nichts kann die panischen Huftiere aufhalten.

Sie überqueren den an manchen Tagen gut befahrenen Reissdamm. Nicht auszudenken, wenn ihnen ein Auto in die Quere gekommen wäre.

Etwa gegen 11 Uhr am Sonntag bemerkt der Besitzer und Verpächter von Pferdestall und Koppel, ein Nachbar in der ansonsten fast menschenleeren Wiesen- und Feldlandschaft, dass die Huftiere verschwunden sind. Weit und breit ist von diesen nichts zu sehen.

Er informiert Monique Sprejz, die Pächterin und Verantwortliche der kleinen Pferdehaltung. Auf dem Weg von Dreska, ihrem Wohnort, zur entlegenen Koppel "trommelt" sie die kleine Gruppe der Pferdliebhaber als Beifahrerin im Auto telefonisch zusammen. "Was wir vorgefunden haben, war absolutes Chaos", beschreibt die 38-jährige Steuerfachangestellte den Zustand der doppelten Koppelumzäunung.

Die fünf Pferde, darunter zwei Fohlen, sind nicht in Sichtweite. Also muss die nahe Umgebung nach frischen Spuren abgesucht werden. Zum Glück liegt immer noch Schnee. Die infrage kommenden Hufabdrücke werden schnell entdeckt. Sie führen in Richtung Norden. "Stallmutti" Monique Sprejz, wie sie von allen genannt wird, stiefelt mit den Helfern im wahrsten Sinne des Wortes los.

"Die Pferde sind total hektisch geflüchtet. Mal rannten sie nach vorn, dann wieder zurück oder sie wechselten in eine andere Richtung", erinnert sich Luisa Oehme an die ungewöhnliche Fährte. Die 19-Jährige aus Ortrand im Nachbarlandkreis Oberspreewald-Lausitz hat in dem kleinen Freundeskreis der Pferdeliebhaber eine Reitbeteiligung und ist fast jeden Tag draußen bei den Tieren.

Die Hufspuren führen geradewegs auf einen Graben. Doch die Tiere waren so schlau, einen schmalen Überweg zu nehmen. Kurz vor der Schwarzen Elster werden sie schließlich entdeckt.

Obwohl die Pferde ihre Pflegerinnen und Reiterinnen kennen, habe man deren Panik noch angesehen. "Wir konnten uns ihnen nur mit langsamen Bewegungen, beruhigenden Worten und Futter nähern", erzählt die Ortrander Auszubildende bei der PolymerTechnik.

Doch die beiderseitige Freude dauert nicht lange. Die Pferdeliebhaberinnen sehen sich die Tiere genauer an und entdecken Verletzungen. Am Folgetag steht schließlich das ganze Ausmaß fest: Der 15-jährige Appaloosa-Wallach hatte sich die Hinterbeine vertreten (verstaucht). Durch die Flucht habe er zudem einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. "Der herbeigerufene Tierarzt musste ihm eine Schockinfusion geben. Ohne Hilfe wäre er verendet", ist Monique Sprejz überzeugt. Bei dem viereinhalbjährigen Friesen-Hengst "Merlin" war das rechte Hinterbein geschwollen. "Sprotty", der fast zweijährige Appaloosa, wirkte am Tag danach apathisch und musste ebenfalls behandelt werden. "Zwei der verletzten Tiere hätten da draußen nicht lange überlebt", ist Monique Sprejz überzeugt. Auch die anderen hätten es schwer gehabt.

Ohne Zeugen kann über die Ursache der gefährlichen Flucht nur spekuliert werden. Die Pferdefreundinnen sind überzeugt, dass es nur eine kleine, aber lautstarke Drohne gewesen sein kann. Denn eines dieser ferngesteuerten Luftgefährte sei nicht nur einmal am Wochenende in dieser Gegend gesichtet worden. In einem Fall sogar einige Meter direkt über den Pferden.

Vermutet wird, dass die Pferde den ihnen unbekannten Lärm mit der wechselnden Frequenz sowie das Auf und Ab des Geräuschpegels, vergleichbar mit einem Modellrennauto, nicht zuordnen können und deswegen in Panik geraten sind.

"Auf Autos, Traktoren, Baumaschinen, Hubschrauber und große Hunde sind sie vorbereitet", versichert Luisa Oehme. Dies werde Schrecktraining genannt. "Unsere Pferde sind straßensicher", ergänzt Monique Sprejz. Sie glaubt, dass eine unbekannte Person die Reaktion der Tiere testen wollte. Mit üblen Folgen.

Pferdehasser oder militante Tierschützer vermutet sie auch hinter einem anderen jüngeren Vorfall nicht. Jemand hatte im Januar den oberen der drei Drähte des Elektrozaunes durchtrennt.

Die junge Frau wünscht sich außerdem, dass Kraftfahrer auf dem Reissdamm Rücksicht nehmen, wenn dort Pferde geführt werden. Manche würden den seitlichen Abstand nicht einhalten, in Höhe der Pferde beschleunigen oder gar hupen. Dies bringe Mensch und Tier unnötig in Gefahr.