Von Frank Claus

Das Frühjahr 2019 ist da und verstreicht wieder ohne das etwas passiert – jedenfalls an den Bauruinen der Fleischerei-Familie Arnold. Es ist nicht das erste Mal, dass die Unternehmerfamilie Zusagen nicht einhält.

Als im Jahr 2012 in bester Elsterwerdaer Marktplatzlage die ehemalige Bäckerei Selkmann – das damals älteste Haus am Platz – abgerissen wurde, versprachen die Fleischerei-Experten zügige Investitionen. Nicht wenige Abgeordnete im Stadtparlament hatten sich deswegen für den umstrittenen Abriss stark gemacht – und wurden bis heute enttäuscht.

Im gleichen Atemzug verkündeten die Arnolds damals, dass noch im gleichen Jahr die maroden Häuser in der Roßstraße abgerissen werden sollen. Passiert ist nichts.

Fleischerei Arnold verärgert SPD-Mann in Elsterwerda

Das bringt jetzt den ehemaligen SPD-Stadtverordneten Gunter Teichmann auf die Palme. Er war von 1994 bis 2002 in „Regierungs-Mitverantwortung“.

Heute sagt er: „Was sich die Eigentümerfamilien Arnold mit dem Aussitzen der Problematik der besagten Schandflecke mitten im Herzen der Stadt leisten, ist mehr als verwerflich und zutiefst unmoralisch. Aus meiner Sicht haben die Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung mit keinem öffentlichen Druck die Zustände jahrzehntelang geschehen lassen. Aber auch der öffentliche Druck der Bürgerinnen und Bürger hat gefehlt. Ich frage mich erneut, wo bleiben die öffentlichen Stimmen der Verantwortungsträger der Stadt und auch der Bevölkerung?“ Er habe auch gehört, dass in der Bevölkerung immer wieder mal vom „Laden-Boykott“ geraunt werde.

„Leider war der titulierte Paukenschlag nur eine Luftblase!“

Der ehemalige Abgeordnete hatte, wie er sagt, Hoffnung geschöpft, als Arnolds im Dezember 2017 mit ersten konkreten Plänen für die Roßstraße aufwarteten.

Die RUNDSCHAU hatte in der Weihnachtsausgabe fast wie ein Weihnachtsgeschenk mit Bezugnahme auf das Bauamt der Stadt und das Architekturbüro vermeldet, dass in der Roßstraße 18 Zwei- und Drei- Raumwohnungen in dreigeschossiger Bauweise entstehen sollen.

Gunter Teichmann atmete auf: „Meine Gedanken waren, endlich tut sich was!“, um nun schon wieder resigniert festzustellen: „Leider war der titulierte Paukenschlag nur eine Luftblase! (...) Seit nunmehr 25 Jahren wurde durch die Eigentümerfamilien Arnold viel versprochen und nichts gehalten. Sogar Konzepte mit einem Modell für die Häuserzeile einschließlich Lückenbebauung in der Hauptstraße 33 bis 35 und nunmehr für die Roßstraße wurden vorgelegt. Alles vorgegaukelt! Man muss sich fragen, wie lange lässt sich die Stadtverwaltung noch vorführen?“

Fleischerei Arnold bemängelt fehlende Unterstützung

Matthias Arnold, Mitinhaber der Fleischerei, erklärt, dass es in der Roßstraße noch Umplanungen gäbe. „Wir wollen doch was bewegen, haben auch schon viel Geld ausgegeben.“ Er bemängelt, dass alle nur schimpfen würden, konkrete Unterstützung aber nicht gegeben werde.

Ob im Jahr 2019 noch was passiert? Auf eine Antwort wolle er sich nicht festlegen. Das hänge mit einem Objekt in der Straße zusammen. Gemeint ist die ehemalige Sämereienhandlung Boeltzig. Das Gebäude würden Arnolds gern ebenfalls erwerben, um die gesamte Straße zu entwickeln.

Elsterwerdaer Bürgermeisterin will „Arnold-Problematik“ neu angehen

Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU) will das gegenwärtig nicht unterstützen und werde auf das Vorkaufsrecht der Stadt nicht verzichten. Aus ihrer Sicht seien an dieser Stelle Innenstadt-Parkplätze angebracht.

Doch Anja Heinrich will die gesamte „Arnold-Problematik“ neu angehen. „Nur nicht jetzt. Ich möchte das nicht zum Wahlkampfthema werden lassen“, sagt die Bürgermeisterin. Sie wolle nach der Kommunalwahl eine „Arbeitsgruppe Arnold“ einrichten, an der am besten die Arnolds mit am Tisch sitzen.

Fakt sei, so die Bürgermeisterin: „Diese Objekte sind längst ein städtebaulicher Missstand, den wir uns als Stadt so nicht weiter bieten lassen wollen.“ Auch einen Kauf durch die Stadt wolle sie prüfen.

Und sie wiederholt sich: „Am liebsten möchte ich alles mit den Arnolds entwickeln. Nur, dann müssen Festlegungen und Aussagen auch endlich verbindlich sein.“ Sie halte nichts von Boykott. „Die Fleischerei ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt. Sie ist durch ihre mehrfach prämierten Qualitätsprodukte bekannt und bei Kunden beliebt.“