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Frühlingsblüte im Gartenkunstwerk
Saxdorfs Garten passt in keine Schublade

Uebigaus Staudengärtner Klaus-Peter Manig und Zeischas Baumschulgärtner Roland Graeff (r.) sind seit vielen Jahren mit dem Garten eng verbunden. Beide haben am Sonnabend durchs Gartenparadies geführt.
Uebigaus Staudengärtner Klaus-Peter Manig und Zeischas Baumschulgärtner Roland Graeff (r.) sind seit vielen Jahren mit dem Garten eng verbunden. Beide haben am Sonnabend durchs Gartenparadies geführt. FOTO: Frank Claus / LR
Saxdorf. Es ist der erste öffentliche Termin im Pfarrgarten Saxdorf nach dem Tod seines Schöpfers Hanspeter Bethke im Februar dieses Jahres. Einer, der Mut macht für die Zukunft. Von Frank Claus

Dieser Sonnabend zeigt sich mild. Zwar lugt die Sonne nur vereinzelt durch – erst am Sonntag weckt sie richtig Frühlingsgefühle – der besonderen Atmosphäre im Gartenkunstwerk Saxdorf tut dies aber keinen Abbruch. Gewaltig ist der Blütenteppich aus Schneeglöckchen, Krokussen und Winterlingen. Vereinzelt recken Lenzrosen ihre weißen und cremefarbenen Köpfe in die Höhe, zahlreiche rote und Lila-Töne mischen sich dazwischen. Geschützt schieben sich die ersten Tuffs violett blühender Iris aus dem Boden.

Diesmal zieht es besonders die Schneeglöckchen-Liebhaber nach Saxdorf. Experte Hagen Engelmann hält einen Vortrag und muss ihn unterteilen, weil der Wissensdurst der Zuhörer kein Ende kennt. Dass Schneeglöckchen nicht gleich Schneeglöckchen ist, stellt fest, wer sich Form und Farbe von Blüten und Blattwerk genauer anschaut. Und richtig fündig wird, wer den Schneeglöckchen „unters Röckchen schaut“. Kein Wunder, dass an diesem Tag viele Besucher kauernd im Garten anzutreffen sind, vorsichtig die „Röcke“ umstülpen.

Staudengärtner Klaus-Peter Manig aus Uebigau, Baumschulgärtner Roland Graeff aus Zeischa und Garten-Mitarbeiter Egbert Kritsch führen die Gäste durch den Garten, beantworten viele Fragen und nehmen ihn immer wieder gern in den Mund: den Namen des Gartenschöpfers. Überall stehen Klappstühle verteilt. Draufsetzen möchte sich noch niemand. Zu sehr erinnern sie noch daran, dass sich der Künstler hier Verschnaufpausen gönnte.

Jörn Löffler ist einer, der besonders nachdenklich und dann immer wieder optimistisch ist. Vor 18 Jahren hat der Landschaftsarchitekt seine Diplomarbeit über den Saxdorfer Pfarrgarten geschrieben. Noch heute ist er begeistert: „Dieser Garten passt in keine Schublade.“ Er hat ihn mit englischen Gärten verglichen, zwar ansatzweise Parallelen entdeckt – mehr aber auch nicht. „Saxdorfs Garten ist das Werk eines Malers, der im Winter in seinem Atelier Gartenbilder malte und später im Garten immer wieder neue Farben und Strukturen geschaffen hat. Er hat Pflanzen raus genommen, anders kombiniert und so immer wieder neue Gartenbilder geschaffen“, sagt der Mann, den es inzwischen nach Potsdam gezogen hat. Nun will er sich in Saxdorf wieder viel mehr einbringen.

Vielleicht sogar gleich mit einem Paukenschlag? Als er seine Diplomarbeit gefertigt hat, kartierte er nicht nur den Garten und erfasste den Pflanzenbestand. Auf Kassette hat er aufgenommen, was Bethke zu den Pflanzen wusste, wie humorvoll und hintersinnig er nicht selten war. Haben Sie, liebe Leser, zum Beispiel schon den Penis im Saxdorfer Pfarrgarten entdeckt?

Jörn Löfflers Idee: „Wenn wir Unterstützer finden würden, könnten wir einen Audio-Guide mit Bethkes Stimme entwickeln. Das wäre für Besucher sicher spannend und für die Organisation von Führungen im Garten eine Erleichterung.“

Wie weiter im Garten? Das ist an diesem Sonnabend eine viel diskutierte Frage. An leidenschaftlichen Mitstreitern von der „Kuchenabteilung“ bis hin zu Musikfreunden wie der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg einer ist und gärtnerischen Helfern mangelt es nicht. Und dennoch bleibt die Frage der dauerhaften stabilen Finanzierung noch ungelöst.

Am Sonntag hat Egbert Krisch eine 50-köpfige Reisegesellschaft aus Oldenburg durch den Garten geführt, am 18. März ist Schauspieler Michael Trischan im Rahmen der LiteraTour des Kreises zu Gast und am Muttertag rückt der große Trupp der Leipziger Gartenfreunde an: Dann werden die Kamelien aus dem Gewächshaus geräumt.

„Mit ihm haben wir einen richtig guten Fang gemacht“, das hat früher schon Hanspeter Bethke gesagt. Egbert Kritsch (l.) mit einem Besucher aus Plessa.
„Mit ihm haben wir einen richtig guten Fang gemacht“, das hat früher schon Hanspeter Bethke gesagt. Egbert Kritsch (l.) mit einem Besucher aus Plessa. FOTO: Frank Claus / LR
(Garten-)liebe geht auch durch den Magen: Emsige Helferinnen an der Kuchentheke sind Jutta Passolt, Annette Vietzke, Barbara Graeff und Rosi Stamm (v.l.).
(Garten-)liebe geht auch durch den Magen: Emsige Helferinnen an der Kuchentheke sind Jutta Passolt, Annette Vietzke, Barbara Graeff und Rosi Stamm (v.l.). FOTO: Frank Claus / LR
Schneeglöckchenexperte Hagen Engelmann (Mitte) in einer Pause seines Vortrages, den er wegen des großen Interesses in zwei Teilen hielt.
Schneeglöckchenexperte Hagen Engelmann (Mitte) in einer Pause seines Vortrages, den er wegen des großen Interesses in zwei Teilen hielt. FOTO: Frank Claus / LR
Wenn Saxdorf ruft, ist er da: Stephan Hilsberg am Klavier.
Wenn Saxdorf ruft, ist er da: Stephan Hilsberg am Klavier. FOTO: Frank Claus / LR
Lenzrosen (Foto), Winterlinge, Iris und Märzenbecher sind eine Pracht.
Lenzrosen (Foto), Winterlinge, Iris und Märzenbecher sind eine Pracht. FOTO: Frank Claus / LR
Wieder „zu Hause“: Jörn Löffler hat einst seine Diplomarbeit über den Pfarrgarten geschrieben. Jetzt will er sich wieder einbringen.
Wieder „zu Hause“: Jörn Löffler hat einst seine Diplomarbeit über den Pfarrgarten geschrieben. Jetzt will er sich wieder einbringen. FOTO: Frank Claus / LR