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| 16:06 Uhr

Aus den Kirchen
Frischer Klang aus entstaubten Orgeln

Auch die Röver-Orgel in der evangelischen Kirche Hohenleipisch kann sich wieder sehen lassen. Sie wurde gereinigt, repariert und gestimmt.
Auch die Röver-Orgel in der evangelischen Kirche Hohenleipisch kann sich wieder sehen lassen. Sie wurde gereinigt, repariert und gestimmt. FOTO: Manfred Feller / LR
Hohenleipisch/Dreska. „Königin der Instrumente“ in Hohenleipisch und Dreska pünktlich zum Advent und zum Fest fertig instand gesetzt.

Der Zeitplan hat gepasst. Pünktlich in der Adventszeit sind die beiden Orgeln in den evangelischen Kirchen in Hohenleipisch und Dreska fertig instand gesetzt und können erklingen - befreit von Beschädigungen, Alterserscheinungen, Verschleiß  und jeder Menge Staub.

Staub ist auch das Stichwort für das Gotteshaus in Hohenleipisch. Es müsste drinnen mal wieder gekehrt und gewischt werden. Im Eingangsbereich, die Treppe hinauf zur Empore und rings um die Orgel sieht es wenig einladend aus. Vom ­Instrumentenbauer abgesehen, ist hier anscheinend schon lange keiner gewesen.

Das hat seinen Grund. „Den Gemeindekirchenrat gibt es seit drei Jahren nicht mehr. Er hat sich aufgelöst“, bedauert Pfarrer Kersten Spantig aus Elsterwerda. Hohenleipisch und Dreska gehören zur dortigen Kirchgemeinde. Hohenleipisch mit seinen rund 1700 Einwohnern, darunter etwa 250 evangelische Christen, habe nicht einmal mehr ein Mitglied im Gemeindekirchenrat, dafür der kleine Ortsteil Dreska zwei. Zur Erinnerung: Bei den Nachbarn in Döllingen existiert ebenfalls kein Rat mehr. Nach der „Androhung“, die Kirche verkaufen zu wollen, ist Bewegung in die brisante Angelegenheit gekommen

Was wird in Hohenleipisch? Dort ist noch ein wenig Leben im Gotteshaus. Am Heiligen Abend wird nach etwa zweijähriger Pause die Orgel wieder erklingen - bei Gottesdienst mit Krippenspiel und dem Auftritt des örtlichen Frauenchores. Organist ist Ronny Hendel.

Nach der Instandsetzung hat Pfarrer Kersten Spantig als Nicht-Orgelspieler in dieser Woche ein paar Tasten auf der 1887 eingebauten Röver-Orgel aus der Nähe von Quedlinburg angeschlagen. „Sie hat einen eigenen, einen gedämpften, zurückhaltenden Klang“, stellt er fest. Das Instrument klingt natürlich besser als vorher. Der Orgelbaubetrieb Rühle aus Moritzburg hat ganze Arbeit geleistet. Die Mechanik wurde gereinigt, die Pfeifen zusätzlich gerichtet und gestimmt. Einige Pfeifen mussten ausgebaut werden, weil sie - wodurch auch immer - beschädigt waren. Sie wurden in der Rühle-Werkstatt wieder in Form gebracht.

Gearbeitet wurde an der Orgel immer mal wieder zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017. Knapp 12 000 Euro hat die Kirchgemeinde Elsterwerda dafür ausgegeben, einschließlich eines Zuschusses der Denkmalbehörde des Landkreises.

Auf eine Besonderheit weist Pfarrer Spantig noch hin: Die sichtbaren großen Zinnpfeifen im Frontbereich der Orgel seien vor 100 Jahren nicht als Rohstofflieferanten für die Kriegsindustrie ausgebaut worden.

Ins Auge fallen in der ansonsten relativ gut erhaltenen Hohenleipischer Kirche zwei Dinge: Ein hässlich aussehender Wanddurchbruch zum Verlegen von Leitungen hinter der Orgel ist einfach nicht geschlossen worden. Dort wurde gekleckert und gekleistert. Sieht ja niemand.

Zudem ist im Sockelbereich des Kirchenschiffes auf der einen Seite ein gewaltiger Lüftungskanal angebracht worden. „Das macht zwar Krach, aber es heizt“, schmunzelt der Pfarrer über diese sehr seltene Variante der Wärmezufuhr.

Ganz anders in Dreska. Dort gibt es noch jemanden, der den Schlüssel für die Kirche hat. Rosemaria Klaue vom Gemeindekirchenrat - „seit ewigen Zeiten“, wie sie sagt - lässt sich nicht lange bitten und schaut selbst noch schnell vorbei. Im Mittelpunkt steht natürlich ebenfalls die instand gesetzte Orgel. „Ich freue mich auf sie“, strahlt die Dreskaerin übers ganze Gesicht. Zuletzt wurden die Gottesdienste - alle acht Wochen - auf einem Keyboard begleitet. Ein paar Takte auf der Orgel gespielt und das Urteil steht fest: „Man hört den Unterschied“, so Rosemaria Klaue. Am 3. Advent ab 9.30 Uhr wird das Instrument, bei dem der Organist hinunter zum Altar blicken kann, bei Gottesdienst mit Krippenspiel nach mehr als einjähriger Pause wieder öffentlich gespielt.

Und dann hoffentlich weiterhin regelmäßig auch nach dem angekündigten Wegzug von Pfarrer Kersten Spantig zum Jahresanfang nach Thüringen. Am Termin 11. Februar für den nächsten Gottesdienst werde jedenfalls nicht gerüttelt.

Die Orgel ist 1880 eingebaut worden. Sie stammt aus der Orgelbau-Anstalt Giengen der Gebrüder Link (heute Baden-Württemberg). In dem Gehäuse, so Pfarrer Kersten Spantig, befindet sich noch ein „Paketaufkleber“, der darauf hinweist, dass das Instrument einst in Kisten verpackt mit der Eisenbahn transportiert worden ist.

Nach der 9700 Euro teuren Instandsetzung und Reinigung klingt die Orgel noch kräftiger. Neben der Kirchgemeinde haben auch Spenden und die Erlöse aus den Konzerten des Frauenchores Hohenleipisch zur Finanzierung beigetragen.

Vielleicht kommt jetzt neuer Schwung in die Gemeinde. Rosemaria Klaue wünscht es sich, verweist aber auf nur ein „Häufchen Rentner“ wie Heinz Müller, Siegfried Hinz, Hermann Manig und Frank Heyde sowie treue Kirchgänger, die sich um Gotteshaus und Umfeld kümmern. Die Gottesdienste und einmal im Monat der Gemeindenachmittag in Hohenleipisch - mehr sei kirchlich nicht los in dem noch knapp 300 Einwohner zählenden Dorf.

Immer wieder erweitert und umgebaut - die Kirche in Hohenleipisch.
Immer wieder erweitert und umgebaut - die Kirche in Hohenleipisch. FOTO: Manfred Feller / LR
Die Kirche in Dreska mit ihrem Westturm wurde im Jahr 1741 erbaut.
Die Kirche in Dreska mit ihrem Westturm wurde im Jahr 1741 erbaut. FOTO: Manfred Feller / LR
Rosemaria Klaue vom Gemeindekirchenrat freut sich sehr, dass die instand gesetzte Orgel in der Dreskaer Kirche nun wieder erklingen wird.
Rosemaria Klaue vom Gemeindekirchenrat freut sich sehr, dass die instand gesetzte Orgel in der Dreskaer Kirche nun wieder erklingen wird. FOTO: Manfred Feller / LR