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| 02:45 Uhr

"Freiraum" gegen Einsamkeit und Nichtstun

ARCHIV - Flüchtlinge beziehen die Oderland Kaserne, aufgenommen am 18.12.2013 in Frankfurt/Oder (Brandenburg). Foto: Oliver Mehlis/dpa (zu dpa „Brandenburg: Zahl der Asylbewerber hat sich seit 2012 verdoppelt“ vom 18.09.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Flüchtlinge beziehen die Oderland Kaserne, aufgenommen am 18.12.2013 in Frankfurt/Oder (Brandenburg). Foto: Oliver Mehlis/dpa (zu dpa „Brandenburg: Zahl der Asylbewerber hat sich seit 2012 verdoppelt“ vom 18.09.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Oliver Mehlis (dpa-Zentralbild)
Elsterwerda. 43 Asylbewerber sind in Elsterwerda untergebracht. Weitere 64 sollen aufgenommen werden. Das wirft bei den Bürgern viele Fragen auf. Einige wurden bei einem Informationsabend am Dienstag beantwortet. Der neu gegründete Verein "Freiraum" lud in die Aula des Elsterschloss-Gymnasiums ein, um mit Vorurteilen über Flüchtlinge aufzuräumen. Anja Brautschek

Es ist eine kleine Besonderheit in Elsterwerda. Denn anders als in den übrigen Asylbewerberunterkünften des Landkreises Elbe-Elster sind dort vor allem Familien oder Frauen mit Kindern untergebracht. 33 der Asylbewerber leben in einer Übergangseinrichtung im Feldmarkeck. Weitere zehn Personen leben dezentral in einzelnen Wohnungen.

Und bald sollen es noch mehr werden. Geplant sei, in Elsterwerda weitere 64 Asylbewerber aufzunehmen. Das teilte Bürgermeister Dieter Herrchen am Dienstagabend den etwa 80 Besuchern des Infoabends zum Thema Asylhilfe und Flüchtlinge mit. Untergebracht werden sollen die Flüchtlinge in einem leer stehenden Gebäude der Neuen Gebäudewirtschaft in der August-Bebel-Straße. "Wir brauchen dafür jedoch eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Monaten. Im Vorfeld werden wir zuerst mit allen Beteiligten Gesprächsrunden führen", betonte Herrchen.

Das größere Problem dabei sei jedoch die häufige Fluktuation der Asylbewerber. Viele müssen bereits nach wenigen Wochen Elsterwerda wieder verlassen, weil sie abgeschoben oder ausgewiesen werden. "Mehr als 90 Prozent der Asylbewerber bleiben nicht hier. Dieses ständige Kommen und Gehen macht es für Ehrenamtliche sehr schwer, die sich für die Integration der Flüchtlinge einsetzen", sagte der Bürgermeister. Und davon gibt es in der Region einige.

Eine Herzberger Initiative setzt sich seit einiger Zeit für Asylbewerber ein. Auch beim Informationsabend in Elsterwerda waren sie dabei, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Denn der neu gegründete Verein "Freiraum" aus Elsterwerda will künftig mit mehreren Projekten die Asylbewerber der Region unterstützen. "Wir arbeiten eng mit dem Asylbewerberheim in Hohenleipisch zusammen und schauen, wo wir praktische Hilfe leisten können", erzählte Vereinsvorsitzende Kerstin Schenkel. Als eines ihrer ersten Vorhaben will die Initiative einen Nähkurs anbieten. Das hilft auch den Asylbewerbern. Denn nachdem die Flüchtlinge von der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt in die vorübergehend neue Heimat geschickt werden, kennen sie niemanden und sprechen kaum die Sprache. In der Gemeinschaftsunterkunft mit einer Kapazität von 150 Plätzen werden sie lediglich mit einer Grundausstattung versorgt. Das bedeutet, den Asylbewerbern stehen etwa sechs Quadratmeter Wohnfläche pro Person zu. Untergebracht werden sie in Mehrbettzimmer für bis zu vier Personen. Bett, Tisch, Stuhl, Kleiderschrank, Geschirr und Bettwäsche stehen ihnen zur Verfügung. Die Mitarbeiter stellen den Kontakt zu Beratungsstellen her und stehen den Asylbewerbern betreuend zur Seite. "Unser Hauptproblem ist jedoch der strukturierte Tagesablauf. Die zumeist jungen Männer sind zum Nichtstun verurteilt", erklärte Martina Funke, Leiterin des Asylbewerberheims in Hohenleipisch. Mit gemeinnütziger Arbeit in Vereinen seien die Asylsuchenden beispielsweise sinnvoll beschäftigt und können Kontakt zu den Bürgern herstellen, so Funke.

Um einen engeren Kontakt zwischen Bürger und Asylbewerber in Elsterwerda herzustellen, veranstaltet der Verein "Freiraum" vom 27. Juni bis 5. Juli eine "Woche der Vielfalt" mit unterschiedlichen Aktionen und Projekten. Höhepunkt ist ein Fußballturnier am Wochenende unter der Regie der Jugendkoordinatoren.