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| 02:40 Uhr

Freibad in Handarbeit aufgebaut

Roland Strauch (l.) und Norbert Kösling gehören zu jenen, die das Freibad in Merzdorf vor fünf Jahrzehnten mit aufgebaut haben.
Roland Strauch (l.) und Norbert Kösling gehören zu jenen, die das Freibad in Merzdorf vor fünf Jahrzehnten mit aufgebaut haben. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Merzdorf. Das Merzdorfer Bade- und Schwimmparadies ist vor einem halben Jahrhundert im Nationalen Aufbauwerk entstanden. Jetzt wird gefeiert. Mirko Sattler / sam1

Vor 50 Jahren haben Einwohner der Gemeinde Merzdorf während eines langen NAW-Einsatzes (Nationales Aufbauwerk) ihr Freibad aufgebaut. Fast alle Familien haben sich daran unentgeltlich beteiligt. Treibende Kraft war der damalige Bürgermeister Richard Tenner.

Zu den wenigen Zeitzeugen, die heute noch Auskunft geben können, gehört Roland Strauch. Als 29-Jähriger war er sehr oft auf der Baustelle. "Vorwiegend am Wochenende und dann von morgens um 7 bis gegen 20 Uhr haben wir gearbeitet", erinnert sich der rüstige Senior. Anfangs noch mit Spaten und Schaufel, später dann mit einer geliehenen Raupe wurde der untere Schafteich, der für den Freibadbau herhalten musste, vergrößert. Doch bevor es so richtig losgehen konnte, mussten drei große Eichen gefällt werden. "Der Beton kam aus einem einzigen Mischer und wurde mit Schubkarren transportiert. Wir hatten ja nichts. Nicht einmal ein Förderband", berichtet Roland Strauch von der körperlich schweren Arbeit.

Das Baumaterial organisierte der Bürgermeister. Irgendwie. "Den Zement haben wir als lose Ware immer irgendwo anders abgezwackt. Halt eben dort, wo es gerade etwas gab. Holzbretter zum Verschalen brachten teilweise die Einwohner mit. Wir Merzdorfer haben damals zusammengehalten", schmunzelt Roland Strauch.

Zu den unermüdlichen Helfern zählte auch Norbert Kösling. Der heute 76-Jährige erinnert sich noch gut an jene Zeit. "Mit mehr als 1600 Stunden war ich einer der Aktivsten." Für sein Engagement erhielt er die "Goldene Aufbaunadel".

Arbeiten wie das Betonieren, Steineschleppen oder Trägersetzen wurden nur mit Muskelkraft erledigt. Dies sei heute kaum mehr auch unter dem Gesichtspunkt des Arbeitsschutzes vorstellbar. Im Prinzip machte jeder fast alles.

Unfälle blieben nichts aus. Auch Norbert Kösling erwischte es: "Als wir einen Träger für das Dach der Umkleide gesetzt haben, bin ich abgerutscht und vorn auf die Mauer geschlagen. Dummerweise hatte ich da mein Bein noch dazwischen. Zum Glück blieb es bei einem großen blauen Fleck."

Neben dem Becken und den Umkleidekabinen wurde auch ein Turm mit den Absprunghöhen in drei und fünf Metern errichtet. "Für den Zusammenbau durften wir die Räume und das Schweißgerät der LPG nutzen", erinnert sich Roland Strauch. Wie auch Norbert Kösling trauert er dem alten Turm nach. 2003 wurden ein neuer 3-Meter-Sprungturm, ein 1-Meter-Sprungbrett, ein Wasserpilz und eine Rutsche aufgebaut. Bis Ende des Jahres 1968 wurde ein Wert von damals 220 000 Mark der DDR geschaffen.

In der ersten Saison 1967 durften die Einwohner kostenlos baden. Binnen weniger Tage bis zum 30. Juli wurden 1280 Badegäste gezählt.

Die Größe, der Aufbau und die Form des Bades sind bis heute erhalten geblieben. Lediglich Sanierungsarbeiten am Beckenboden, an der Umkleide und an der Außenanlage waren zwischenzeitlich erforderlich. Das Schwimmerbecken hat eine Größe von 50 mal 20 Metern und ist damit sogar wettkampfgerecht. Das Nichtschwimmerbecken ist 40 Meter lang. Für die ganz kleinen Badegäste gibt es zudem ein Planschbecken.

Das Gebäude, in dem sich der Imbiss und der Jugendclub befinden, war in den Anfangszeiten noch die Gaststätte "Zum Schwan". Auch der Schießstand befand sich darin.

Die ersten Bademeister waren Norbert Kösling und Reiner Weißgerber. "In der ersten Saison hatten wir täglich bis zu 500 Besucher. Mit der Erweiterung zum Beispiel der Liegewiese kamen von Jahr zu Jahr mehr Gäste. Bei gutem Wetter konnten wir bis zu 1000 Besucher zählen", sagt der 76-jährige Reiner Weißgerber. Er wohnte bis 1996 in Merzdorf. Neben Norbert Kösling und anderen Einwohnern hatte damals auch er die "Goldene Aufbaunadel" erhalten.

Zum Thema:
Freitag: Die dreitägigen Feierlichkeiten zum Jubiläum beginnen heute um 21 Uhr mit Tanz. Es legen auf DJ Hummel und DJ Alex Sky. Sonnabend: Los geht es um 13 Uhr mit Schnuppertauchen im Freibad, einem Volleyballturnier, dem Angeln und Luftgewehrschießen. Ab 14 Uhr drei Stunden Kinderprogramm mit dem ASB zum Thema "Wasser" und der Kita "Kinderland". Die Mitglieder vom Schiffsmodellbau Crinitz führen ihre Wassergefährte ab 17 Uhr vor. Tanzmusik für alle wird ab 20 Uhr mit "Radio Rabubi" geboten, bevor ab 22 Uhr DJ Rix für Stimmung sorgt und auf das Feuerwerk gewartet wird. Zwischendurch darf von 21 Uhr bis Mitternacht im nächtlichen Freibad geschwommen werden. Sonntag: Um 9.30 Uhr beginnt der Gottesdienst im Festzelt. Anschließend musikalischer Frühschoppen. Ab 11 Uhr dampft die Gulaschkanone, parallel Kremserfahrten. Um 14 Uhr steigt das etwas andere Neptunfest mit Guggenmusik, Badewannenrennen, Turmspringen, Cheerleadern sowie Synchronschwimmen, Schnupper- und Schatztauchen. Und ab 16.30 Uhr wird nochmals Unterhaltung der Extraklasse geboten.