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Kein Ruhmesblatt zum Frauentag
Frauen in Elbe-Elster besetzen drei von vier Teilzeit- und Minijobs

Elbe-Elster. Gewerkschaft warnt vor der „weiblichen Rentenlücke“ und damit vor Altersarmut.

Im Landkreis Elbe-Elster sind die Teilzeitbeschäftigung und der Minijob weiblich. Denn hier liegen immerhin 76 Prozent dieser Tätigkeiten in Frauenhand. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am 8. März hin. Bei den rund 9600 Teilzeitstellen im Landkreis liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 84 Prozent.

 Uwe Ledwig, Geschäftsführer der NGG Berlin-Brandenburg, spricht von einer „Karrierefalle“: Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeitverträge stark verbreitet. „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, so Ledwig. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.

 „Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Ledwig. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag der sogenannte „Gender Pay Gap“ dagegen lediglich bei 16 Prozent. „Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt“, kritisiert Ledwig.

 Zwar gebe es für Frauen in Elbe-Elster seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient. Doch das Lohntransparenzgesetz gilt lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas“, bemängelt Gewerkschafter Uwe Ledwig. Hier müsse die künftige Bundesregierung dringend nachbessern.

 Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen nicht nur in Elbe-Elster verschärfen. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, erklärt Uwe Ledwig.

 In einer aktuellen Studie beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die „weibliche Rentenlücke“ in den neuen Bundesländern auf 23 Prozent. Ein Rentner erhält demnach Bezüge von durchschnittlich 1056 Euro im Monat. Eine Rentnerin kommt dagegen nur auf 818 Euro. Uwe Ledwig: „Am Ende ist das auch für den Staat eine teure Sache. Die öffentliche Hand muss dann Armutsrenten durch Grundsicherung im Alter und Zuschüsse fürs Wohnen aufbessern.“

 Mit Blick auf das 100-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts sagt Uwe Ledwig: „Nach der rechtlichen Gleichstellung muss auch eine vollständige Gleichbehandlung im Job kommen. Unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen darf es heute nicht mehr geben.“

(mf)