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| 17:57 Uhr

Von der Deutschen Bahn enttäuscht
Kaputtes Knie wird nicht entschädigt

Alles andere als erfreulich ist jene Post, die Brunhilde Scholz aus Biehla als Zugreisende von der Versicherung der Deutschen Bahn erhalten hat.
Alles andere als erfreulich ist jene Post, die Brunhilde Scholz aus Biehla als Zugreisende von der Versicherung der Deutschen Bahn erhalten hat. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda-Biehla. Brunhilde Scholz aus Biehla stürzt auf dem Baustellenbahnhof Cottbus zweimal. Der Bahnversicherer wehrt Haftung und Ansprüche jedoch ab. Von Manfred Feller

„Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Brunhilde Scholz aus Biehla über ihre beiden Stürze vom 18. Juni auf der Großbaustelle Bahnhof Cottbus. Es gibt keine Wiedergutmachung für ihre erlittenen Verletzungen. Bei einem Sturz ist sie auf das linke Knie gefallen. Ein Innenbandriss war die Folge.

Auch mehr als vier Monate nach den Vorfällen kann die 72-Jährige nur mit einer Orthese halbwegs laufen. „Ich habe keinen Halt in dem Knie. Das Rad- und das Autofahren geht gar nicht. Für alle Erledigungen bin ich auf fremde Hilfe angewiesen“, sagt sie. Sie ist in Behandlung. Eine Operation könnte notwendig werden, wenn sich der Zustand gar nicht bessert. Wie die Deutsche Bahn und deren Versicherung mit ihr umgegangen sind, beschreibt sie so: „Das sieht nach einem Abwimmeln aus.“

An jenem Nachmittag ist sie unterwegs zu Verwandten in Lübbenau. Auf dem Baustellenbahnhof in Cottbus muss sie umsteigen. Dann passiert es. Sie stürzt auf einer Treppe ohne Handlauf und fällt auf das besagte Knie. Höllische Schmerzen sind die Folge. Ein Mitreisender, ein wichtiger, aber unbekannter Zeuge, hilft ihr aufzustehen.

Die Seniorin muss weiter zum Anschlusszug. Sie schaut sich in dem Baustellendurcheinander suchend nach Hinweisschildern sowie Bahnmitarbeitern um, denen sie ihren Unfall schildern kann. Niemand zu sehen. Heute sagt sie: „Ich hätte an der Treppe im Tunnel warten müssen.“ Derart abgelenkt passiert es erneut. Sie stolpert und fällt wieder. In Lübbenau angekommen, muss sie den Besuch bald abbrechen und einen Arzt aufsuchen, weil die Schmerzen in Knie, Wirbelsäule und Arm unerträglich sind.

Erst dann fühlt sich Brunhilde Scholz in der Lage, dem Bahnhofsmanagement ihre Stürze telefonisch zu melden. Auf Umwegen und nach Tagen über die Bundespolizei hat sie endlich jemanden gefunden.

Im Juli hatte die RUNDSCHAU über die Unfälle auf dem Bahnhof Cottbus und das Eingeständnis der Bahn berichtet. Später war davon nicht mehr die Rede.
Im Juli hatte die RUNDSCHAU über die Unfälle auf dem Bahnhof Cottbus und das Eingeständnis der Bahn berichtet. Später war davon nicht mehr die Rede. FOTO: LR / Manfred Feller

Die RUNDSCHAU in Cottbus hatte sich seinerzeit des Falles angenommen. Die Antwort eines Bahnsprechers lautete, dass ein Handlauf zu früh entfernt worden war. Dies sei einer Mitarbeiterin unabhängig von dem Unfall aufgefallen. Der Handlauf wurde wieder angeschraubt. Die Bahn hatte ihr Versäumnis eingestanden.

Brunhilde Scholz hatte den Unfall schließlich schriftlich gemeldet und die Vorfälle geschildert. Wegen des Dschungels der Baustelle, wie sie sagt, könne sie sich beim besten Willen nicht erinnern, auf welchem Bahnsteig sie angekommen war und welche Tunneltreppe sie genommen hatte. Wie sie später erfuhr, änderten sich die Gegebenheiten fast täglich.

Genau diese ungenauen Angaben wurden ihr nachteilig ausgelegt. Die Versicherung der Bahn ließ erst im September wissen, dass die geltend gemachten Ansprüche als unberechtigt zurückgewiesen werden müssen. Die Biehlaerin legte Widerspruch ein und erhielt zur Antwort, dass die Haftung weiterhin abgelehnt wird.

Brunhilde Scholz ist empört: „Ich habe mich doch nicht vorsätzlich hingeworfen. Mich macht es traurig, wenn ich sehe, wie heutzutage manche Menschen enttäuscht bis aggressiv reagieren, weil sie sich ohnmächtig fühlen. Wenn man so behandelt wird wie ich, dann wundert es mich nicht.“