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| 18:55 Uhr

Bloßes „Heulen“ reicht nicht
Forderung: Sirenen mit Lautsprecherfunktion

 Steffen Ludewig fordert Sirenen, die eine Lautsprecherfunktion haben.
Steffen Ludewig fordert Sirenen, die eine Lautsprecherfunktion haben. FOTO: Ronald Rampsch/shutterstock.com
Bad Liebenwerda. Sirene, Pieper und/oder Lautsprecherdurchsagen? Kreisbrandmeister Steffen Ludewig schaltet sich in die Debatte ein und verweist auf Sachsen. Von Frank Claus

Die Feuerwehren haben Forderungen aus Teilen der Bevölkerung, aus Lärmschutzgründen den Einsatz von Sirenen zu minimieren, mehrheitlich eine Abfuhr erteilt. Die Mehrheit der Kameraden setzt auf die zeitgleiche Alarmierung mittels Sirene und digitalem Meldeempfänger (Pieper). In einigen Feuerwehren werden intern SMS als zusätzliche Quelle genutzt. Weitere nutzen den Nachrichtendienst Twitter.

Kreisbrandmeister Steffen Ludewig hat sich nun in die Diskussionen eingeschaltet und sagt: „Die Sirene ist für uns als Alarmmittel unverzichtbar.“ Er legt noch drauf und erklärt: „Am besten wären Sirenen, die gleichzeitig eine Lautsprecherfunktion haben.“ In Sachsen seien viele Kommunen damit ausgerüstet und würden gute Erfahrungen sammeln. Er begründet seinen Vorstoß so: „Wir haben deutlich veränderte Einsatzlagen, kämpfen viel öfter mit Stürmen, Hochwasser, Waldbränden. Da gewinnt die Information der Bevölkerung immer größeren Stellenwert.“ Auch für andere Havarielagen, etwa austretenden Gasgeruch oder Bränden in Industrie- und Recyclinganlagen, seien Sirenen mit Lautsprecherfunktion ideal, um schnell zu informieren.

Seit 1997 gibt es keinen bundesweit einheitlichen Signalton mehr für Katastrophenlagen (lang auf- und abschwellender Signalton). Das bestätigt Marianne Suntrup, Pressesprecherin im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn. In einem Thesenpapier der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren heißt es: „So hatte das Bundesministerium des Innern bereits 1992 entschieden, das Zivilschutz-Sirenennetz zum 1. Januar 1993 abzuschalten und unverzüglich abzubauen. Dies hatte zur Folge, dass das bundesweit voll funktionsfähige Sirenennetz, das vom Bund über Jahrzehnte aufgebaut und betrieben wurde, bis auf wenige Ausnahmen demontiert wurde.“ Während sich die Kommunen im Osten damit zurückhielten, war man im Westen schneller. Zumal einst öffentliche Gebäude privatisiert wurden und die neuen, privaten Besitzer keinen „Krachmacher“ mehr auf dem Dach wollten. Bad Liebenwerdas Stadtbrandmeister Martin Neumann, kürzlich auf einem Katastrophenschutzlehrgang in Bad Neuenahr-Ahrweiler, berichtet: „Dort ist gesagt worden, dass viele westdeutsche Orte ihre Sirenen wieder aufbauen.“

Anstelle der Sirenen ist inzwischen ein „modulares Warnsystem“ via Satellit (MoWaS) getreten, das auf die Leitstellen aufgeschaltet ist, die Warn-App Nina beinhaltet und zudem auf öffentliche Informationsüberträger (Internet, Fernsehen, Radio) setzt. Für lokale Einsatzlagen sei das zu aufwändig, sagen Kameraden. Besser seien Sirenen, die auch direkt vor Ort ausgelöst werden können – im Idealfall mit Lautsprecherdurchsagen.