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| 18:11 Uhr

Einmalig in Elbe-Elster
Airbus A 320 hebt in Elsterwerda ab

Aus dem Traum vom Piloten ist nichts geworden. Dafür hat sich Daniel Schulze ein täuschend echt aussehendes und funktionierendes Airbus-A 320-Cockpit selbst gebaut. Damit macht das Fliegen genauso viel Spaß. Der Hohenleipischer steckt mittlerweile so sehr in der Materie, dass er einen Riesenvogel im Prinzip selber fliegen könnte.
Aus dem Traum vom Piloten ist nichts geworden. Dafür hat sich Daniel Schulze ein täuschend echt aussehendes und funktionierendes Airbus-A 320-Cockpit selbst gebaut. Damit macht das Fliegen genauso viel Spaß. Der Hohenleipischer steckt mittlerweile so sehr in der Materie, dass er einen Riesenvogel im Prinzip selber fliegen könnte. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Wenn Elsterwerda einen Flugplatz und Daniel Schulzes Flugzeugcockpit Flügel und ein paar Räder hätte, dann könnte er abheben. Aber auch als Simulator macht der Airbus einen Heidenspaß. Von Manfred Feller

Die knapp 200 Passagiere sind angeschnallt, und die Flugbegleiterinnen lächeln. Dann kann es ja losgehen. Den Schubhebel auf der Mittelkonsole nach vorn gedrückt, sodass alle in die Sitze gepresst werden. Jetzt sind 150 Knoten (278 km/h) erreicht. Den Sidestick leicht nach hinten ziehen. Die Nase hebt sich. Und dann fliegen wir auch schon. Schnell noch die Landklappen und das Fahrwerk einfahren. Dann ein Blick auf die Instrumente. Die positive Steigrate von 20 bis 25 Grad stimmt. Jetzt darf der Autopilot ran. Denn von der Route über das Gewicht (77 Tonnen maximal), die Treibstoffmenge (mehr als 20 Tonnen) bis hin zu den Wetterdaten ist alles eingegeben. Bei 36 000 Fuß Reisehöhe, etwa 12 000 Meter, kann die „Luftkellnerin“ gern einen Kaffee bringen. Daniel Schulze glaubt, dass jeder technisch halbwegs Versierte unter Anleitung in einer Notsituation durchaus ein modernes Flugzeug landen könnte.

Der 37-jährige Tischler muss es wissen. Er hat zwar nie eine Pilotenausbildung absolviert, fliegt seinen Airbus A 320 dennoch wie ein Flugkapitän. Alles selbst beigebracht. Und nicht nur das: Sein Flugzeug ist auch sein Werk. Wobei Flugzeug ein wenig übertrieben ist, denn hinter den Sitzen von Pilot und Co-Pilot endet die Maschine. Daniel Schulze hat sich ein Airbus-Cockpit mit computergesteuerten, gekauften Instrumenten gebaut, das einem realen Pilotenarbeitsplatz verblüffend gleicht. „Was ich gemacht habe, kommt der Realität sehr nahe, vielleicht zu 95 Prozent – bis hin zur letzten Schraube“, versichert er.

Wie es sich für einen Piloten gehört, besitzt Daniel Schulze natürlich auch eine Uniform.
Wie es sich für einen Piloten gehört, besitzt Daniel Schulze natürlich auch eine Uniform. FOTO: Privat

Der Hohenleipischer hat sich seinen Traum vom eigenen Flugzeugsimulator mit Geräuschkulisse geschaffen. An einigen Feinheiten muss er noch arbeiten. Obwohl sich der Simulator nicht bewegt, weil die Hydraulik wie in millionenteuren Trainingsgeräten fehlt, ist der Flug- eindruck für den Piloten dank der ausschließlichen Sicht auf die gekrümmte und von zwei Beamern mit „laufenden“ Bildern bediente Leinwand beeindruckend. Puls und Blutdruck steigern sich bei jeder Stresssituation spielend. Echter geht es fast gar nicht.

Knapp fünf Jahre hat Daniel Schulze an seinem Airbus-Simulator gebaut und als Tischler saubere Arbeit geleistet. Seit geraumer Zeit kann jeder damit abheben und landen, der den im Elsterwerdaer Gewerbegebiet stehenden A 320 bucht. Denn ein paar der nicht gerade wenigen Anschaffungs- und Baukosten sollen schon reinkommen. Um sein teures Hobby zu finanzieren, ist Daniel Schulze noch als DJ unterwegs.

Ein Meer aus Schaltern und Lampen an der Decke. Dieses Overheadpanel trägt die sekundären Instrumente.
Ein Meer aus Schaltern und Lampen an der Decke. Dieses Overheadpanel trägt die sekundären Instrumente. FOTO: LR / Manfred Feller

„Technik und speziell Flugzeuge haben mich schon immer fasziniert“, sagt der 37-Jährige. Mit vier Jahren sei er das erste Mal mit den Eltern in den Urlaub geflogen. „Von meinem Jugendweihegeld habe ich mir 1995 den ersten Computer mit Windows 95 gekauft“, erinnert er sich. Dann bekam er eine Flugsimulator-CD. „Damit habe ich täglich gespielt“, sagt er. Erst mit der Tastatur, dann kamen Joystick, zwei Monitore und der passende Ton dazu. Die Animationen wurden immer echter. Daniel Schulze steckte tief drin: „Wenn meine Freundin gerufen hatte ,Das Essen ist fertig’, kam von mir zurück: ,Gleich, ich muss nur noch landen und die Passagiere rauslassen’.“

„Eigentlich wollte ich Pilot werden. Aber dafür hätte ich etwa 80 000 Euro bezahlen müssen. Allein das Prüfungsbuch kostete 200 Euro und die erste Prüfung 400 Euro. Wenn ich schon den Start vermasselt hätte, wäre alles vorbei gewesen“, blickt er zurück. Das Risiko sei ihm als jungen Mann zu groß gewesen. Später erfuhr er, dass es seinerzeit wohl nur einer von 1500 Bewerbern geschafft hatte.

Bald folgte die nächste Entscheidung: den Pilotenschein wenigstens für ein Sportflugzeug machen oder sich ein funktionierendes Cockpit selbst bauen. Den letzten Ausschlag gab eine zum 30. Geburtstag geschenkte Flugsimulatorstunde im A 320. Von da an stand fest: Etwas Ähnliches soll es werden. Nach langer Vorbereitung begann 2013 – damals im Keller in Theisa – der Bau der Tafel für die Hauptinstrumente. „Eigentlich wollte ich nur einen Pilotenarbeitsplatz. Doch es wurde immer mehr“, ist Daniel Schulze heute an seinem Ziel.

Den A 320 hat er wie viele andere Cockpit-Bauer in Deutschland gewählt, weil Pläne darüber im Internet zu finden sind und der Austausch der Gleichgesinnten in den sozialen Medien rege ist. Heute kann der Hohenleipischer und alle, die selbst den Flieger fliegen möchten, 180 einprogrammierte Flughäfen in Europa ansteuern.

Mehr: www.A320simulator.info

Knüppel war einmal. Gesteuert wird heute mit dem Sidestick. Rechts der Tiller, der Lenker für das Bugrad.
Knüppel war einmal. Gesteuert wird heute mit dem Sidestick. Rechts der Tiller, der Lenker für das Bugrad. FOTO: LR / Manfred Feller