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Flüchtlingsrat für Schließung des Asylbewerberheims in Hohenleipisch

Heimleiter Peter Butschok (2.v.l.) und Ralf Lentzsch vom Sicherheitsdienst Falkenservice (r.) im Gespräch mit Asylbewerbern aus Kenia und Afghanistan.
Heimleiter Peter Butschok (2.v.l.) und Ralf Lentzsch vom Sicherheitsdienst Falkenservice (r.) im Gespräch mit Asylbewerbern aus Kenia und Afghanistan. FOTO: Frank Claus
Hohenleipisch. Es herrscht Ruhe am Montag im Asylbewerberheim in Hohenleipisch. Vögel zwitschern in der Morgensonne. Und dennoch soll es hinter den Mauern der Wohnhäuser rumoren. Der Förderverein des Brandenburgischen Flüchtlingsrates fordert für die Bewohner eine „menschenwürdige Unterbringung in Wohnungen“. Von Frank Claus

"Das Heim Hohenleipisch legt uns ein Leben in der Isolation auf. Wir sind in heruntergekommenen Armeebaracken untergebracht, mitten im Wald, umgeben von Wildschweinen", das hätten nach Angaben des Flüchtlingsrates 20 der etwa 120 gemeldeten Bewohner dem Gremium bei einem Besuch kürzlich in den Block diktiert. Am heutigen Dienstag soll Elbe-Elster-Landrat Christian Jaschinski (CDU) um 14 Uhr auf dem Herzberger Marktplatz eine Protestnote übergeben werden.

Peter Butschok, seit 19 Jahren im Asylbewerberheim und jetzt Leiter in Hohenleipisch, zeigt die Unterkünfte, die Sanitäreinrichtungen und Gemeinschaftsküchen. Sie sind einfach eingerichtet. Jedem Bewohner steht ein Bett, ein Stuhl und ein Tisch zu. Auf allen Zimmern befinden sich je ein Kühlschrank und ein Fernsehgerät. Die Gemeinschaftseinrichtungen werden täglich gereinigt.

In manchen Zimmern sind Schrankwände und Sessel zu finden - meist Spenden aus der Bevölkerung.

Ralf Lentzsch, der seit 1992 im Sicherheitsdienst eingesetzt und selbst Hohenleipischer ist, sagt, dass es im Laufe der Jahre nie Übergriffe wie anderswo auf ähnliche Heime gegeben habe. Das Verhältnis zwischen Heimbewohnern und Einwohnern sei überwiegend distanziert geblieben. Einige Bewohner hätten aber auch in Vereinen der Region aktiv Fußball gespielt.

Der Flüchtlingsrat bemängelt, dass die Bewohner keinen Zugang zu Deutschkursen haben, dass sie Fahrtkosten zu Behörden ins 42 Kilometer entfernte Herzberg selbst tragen müssten und, dass sie preisgünstig nur in Elsterwerda einkaufen könnten. Die Fahrt dorthin müssten sie selbst bezahlen. Eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, sei fast unmöglich. Der Rat fordert, dass Heimbewohnern, die es wünschen, eine Wohnung zur Verfügung gestellt würde.

Erhard Haase, Dezernent für Recht, Ordnung und Sicherheit, verweist darauf, dass die Unterbringung hinsichtlich Raumgröße und Ausstattung den Vorgaben des Landes Brandenburg entspreche. Aktuell seien 15 Personen in Wohnungen untergebracht worden, vor allem Familien mit Kindern, die länger im Landkreis weilen oder Personen, die gesundheitliche Probleme haben.

Der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Jürgen Brückner, sieht in der abgelegenen Lage des Asylbewerberheims "ein Erschwernis". "Die Situation der Asylbewerber muss sich meiner Ansicht nach verbessern", erklärt er und weist dennoch Vorwürfe des Flüchtlingsrates hinsichtlich heruntergekommener Baracken zurück. "Die Wohnhäuser, in denen die Asylbewerber untergebracht wurden und werden, sind nach der Wende vor der neuen Nutzung aufwendig instand gesetzt worden und berücksichtigen kulturelle Gewohnheiten", so Brückner.