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Fitnesskur für das Kulturhaus

Im Jahr 2008 von den Einwohnern vor dem Abriss gerettet, wird das Kulturhaus Plessa jetzt zunächst außen in großem Umfang saniert.
Im Jahr 2008 von den Einwohnern vor dem Abriss gerettet, wird das Kulturhaus Plessa jetzt zunächst außen in großem Umfang saniert. FOTO: Plessa
Plessa. Seit der Eröffnung am 1. Juli 1960 hat das voluminös-präsente Kulturhaus in der Ortsmitte von Plessa einige Schönheitsreparaturen und punktuelle Auffrischungen erhalten. Manfred Feller

Im Wesentlichen ist das in den Jahren 1956 bis 1960 errichtete markante Bauwerk, das seit 1985 unter Denkmalschutz steht, in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben. Daran soll sich durch die nun beginnende Dachstuhl- und Außensanierung auch nichts ändern. Allein in das Dach mit neuen Ziegeln fließen rund 650 000 Euro an Fördergeld, Eigenmitteln und Stiftungs- beziehungsweise Spendengeld. Fassade und neue Fenster kosten noch einmal etwa 250 000 Euro. "Hier warten wir noch auf die Zusage der Förderung", sagt Marcus Radlach. Der Bauingenieur ist Sachbearbeiter Hoch- und Tiefbau in der Amtsverwaltung Plessa und trägt während der Sanierung bis planmäßig Ende Oktober die Verantwortung.

Der Bauzaun steht. Auf dem Vorplatz wird sich einiges bewegen. Grasnarbe und Mutterboden werden, so Amtsdirektor Göran Schrey, abgetragen und eine 30 Zentimeter starke Schotterschicht aufgebracht. Darauf steht dann die Baustelleneinrichtung. "In der nächsten Woche wird damit begonnen, das Gebäude komplett einzurüsten", sagt er weiter. Auf dem Vorplatz wird dann auch die Metallkonstruktion für das riesige Behelfsdach vormontiert und in Segmenten von einem Kran über das Kulturhaus gesetzt. Unter der Plane kann dann das Dach abgedeckt werden.

Warum dieser Aufwand notwendig ist, das zeigt Marcus Radlach oben in dem gut durchlüfteten "Gebälk". Die tragende Konstruktion besteht aus einem fast schon filigran wirkenden, jedoch äußerst stabilen Stahlfachwerk - zusammengesetzt aus nicht gerade übermäßig starken Doppel-T-Trägern und genieteten Doppelwinkelprofilen. Nur Sparren und Latten bestehen aus Holz.

Der permanente Luftzug hat dafür gesorgt, dass sich Stahl und Holz augenscheinlich in einem sehr guten Zustand befinden, dafür aber nachbehandelt werden müssen. Der Rundumschutz für die nächsten Jahrzehnte gelingt nur, wenn die Ziegel abgenommen sind. Das Satteldach erhält zum Abschluss keine Dämmung, sondern eine Unterspannbahn, die zwar Feuchtigkeit abhalten wird, aber die Luft nach wie vor zirkulieren lässt, erläutert der Baufachmann.

Damit die Wärme nicht so schnell wie bisher entweicht, erhält lediglich die komplette Decke eine sogenannte Einblasdämmung. Diese leichten Mineralflocken belasten die Leichtbau-Akustikdecke über dem Saal aus gutem Grund nur wenig. Denn die Deckenkonstruktion ist so einfach wie genial: In den Doppel-T-Trägern liegen Rundhölzer (siehe Foto unten rechts). Daran sind Drähte befestigt, an denen die dünne und offenbar schwingungsfähige Deckenkonstruktion aufgehängt ist. Wer dort drauftritt, der bricht durch und landet im Saal.

Die noch nicht erneuerten Holzfenster im Kulturhaus haben ihre beste Zeit hinter sich. Sie werden denkmalgerecht ausgetauscht. Die Kratzputzfassade wird gereinigt, Schadstellen werden ausgebessert. Das Gebäude soll sich außen wieder freundlicher präsentieren.

Drinnen bleibt der denkmalgeschützte Charme der Endfünfziger erhalten - von den Lampen über die Holzverkleidungen bis hin zu den Geländern und fast schon musealen Garderoben. Vieles soll aber, wenn sich eines Tages Fördermöglichkeiten eröffnen, nach und nach aufgehübscht werden. Was technisch veraltet ist, muss erneuert werden. Anderes ist nachzurüsten, wie die Rauchentlüftung für die Bühne.