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| 18:57 Uhr

Hinweise ignoriert
Land trägt Mitschuld am Fischsterben in der Schwarzen Elster

 Schwarze Elster bei Plessa: Am Zusammentreffen von Hammergraben und Schwarzer Elster ist die Fahne des belasteten Wassers gut zu erkennen (l.). Die Grünen haben an unterschiedlichen Stellen davor und danach Proben entnommen. Momentan stabilisiere sich die Situation leicht.
Schwarze Elster bei Plessa: Am Zusammentreffen von Hammergraben und Schwarzer Elster ist die Fahne des belasteten Wassers gut zu erkennen (l.). Die Grünen haben an unterschiedlichen Stellen davor und danach Proben entnommen. Momentan stabilisiere sich die Situation leicht. FOTO: LR / Frank Claus
Herzberg/Plessa/Potsdam. Für das Fischsterben in der Schwarzen Elster, augenscheinlich verursacht durch zu niedrige ph-Werte, trägt das Land nach Auffassung des Landkreises Elbe-Elster eine Mitschuld. Vor allem: Weil es Hinweise zu lange ignoriert habe. Von Frank Claus

In mehreren Punkten sind sich der Landkreis Elbe-Elster und auch Brandenburgs Umweltministerium, das am Donnerstag den CDU-Landtagsabgeordneten Dieter Dombrowski und Rainer Genilke nach mehrwöchiger Verzögerung die Antworten auf ihre Kleine Anfrage zustellte, einig:

Die Ursachen für das Fischsterben in der Schwarzen Elster sind noch nicht endgültig festgestellt, heißt es. Und sie seien komplex: „Die Rahmenbedingungen für das Fischsterben liefert unter anderem das zweite extreme Trockenjahr in Folge an der Schwarzen Elster: Sehr niedrige Abflussmengen, hohe Wassertemperaturen und der entgegen der Niederschlagsverhältnisse steigende Grundwasserspiegel im Raum Plessa haben nach einer ersten Einschätzung negative Auswirkungen des für die Eugal-Baustelle gehobenen Grundwassers auf die Schwarze Elster begünstigt“, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage.

Mehrere Umstände haben zum Fiasko geführt

Das sieht auch Daniel Marczykowski, Sachgebietsleiter untere Wasser-, Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde beim Landkreis, nicht anders. Und er teilt vor den Abgeordneten des Kreisentwicklungsausschusses am Donnerstag auch die Auffassung, dass die der Schwarzen Elster zufließenden Gewässer ohnehin bergbaubedingt stark versauert sind. In durchschnittlichen Jahren könne die pH-neutrale Schwarze Elster diesen Zufluss kompensieren, sodass das verdünnte Wasser keinen Einfluss auf Fauna und Flora des Flusses habe. „Doch in diesem Jahr war im zweiten Jahr infolge alles anders. Weniger Wasser in der Elster und dann noch das saure Wasser von den Grundwasserabsenkungen an den Eugal-Baustellen“, so der Sachgebietsleiter. Das habe zum Fiasko geführt.

Saures Grundwasser durch Eugal-Baustelle

 Schwarze Elster bei Plessa - Grüne erkundigen sich nach dem Fischsterben in der Elster wegen zu sauren Wassers und begonnen von Firma Gascade Bauabschnitte gezeigtG
Schwarze Elster bei Plessa - Grüne erkundigen sich nach dem Fischsterben in der Elster wegen zu sauren Wassers und begonnen von Firma Gascade Bauabschnitte gezeigtG FOTO: LR / Frank Claus

Seit Jahresbeginn seien durch Grundwasserabsenkungen im Bereich der Eugal-Baustellen zusätzlich drei Millionen Kubikmeter überwiegend saures Grundwasser über den Hammergraben und weitere kleinere Gräben der Schwarzen Elster zugeführt worden.

Doch während das Land in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten erklärt, schon ab Januar 2019 auch tätig geworden zu sein, hört sich das in den Erklärungen von Kreis-Dezernent Dirk Gebhard und von Daniel Marczykowski anders an. Man habe sich allein gelassen gefühlt. Von Kontrollen seitens des Landes habe man nichts gemerkt. Ob man Kenntnis gehabt habe von den Kontrollen des Landes? „Nein, nur wenn wir die Leute getroffen haben, das war eher selten der Fall“, so der Dezernent.

Zudem, so die von Daniel Marczykowski im Kreisentwicklungsausschuss wiedergegebene Auffassung des Landkreises, habe auch der Baubetrieb Auflagen aus dem Planfeststellungsbeschluss „nicht vollumfänglich erfüllt“. Es habe mit Filtern Probleme gegeben, der Eintrag von „Sole mit Eisenocker in benachbarte Gräben hätte abgefangen werden müssen“.

Aus Opal-Erdgasstraße nicht gelernt

Für den Zustand der Schwarzen Elster seien die Havarien im Klärwerk Elsterwerda zusätzlich problematisch gewesen, obwohl die Einleitung nicht vollends geklärter Abwässer im Fall der ph-Wert-Neutralisierung eher noch begünstigend gewirkt hätte. Die aktuellen Einleitwerte aus dem Klärwerk seien immer noch überhöht.

Für den Kreistagsabgeordneten Frank Neczkiewicz (LUN/UWG/BfF) sei es ein Unding, dass das Land aus dem Bau der Opal-Erdgastrasse vor wenigen Jahren nicht gelernt habe. „Wir haben so viele Hinweise gegeben, nichts wurde beachtet.“ Der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke fordert vom Land, den Schaden vollständig zu ersetzen. Das beträfe auch die 300 Kilogramm verendeten Fisch, die allein am Wehr Neumühl aufgefangen worden seien.