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| 18:12 Uhr

Den (Mit-)Schuldigen gefunden
Saures Baustellen-Grundwasser in der Schwarzen Elster

 Mit dem Wasser aus dem Floß- und dem Binnengraben mündet der Hammergraben (im Bild) in Plessa in die Schwarze Elster. Das Wasser ist nicht nur braun, sondern hat auch einen niedrigen pH-Wert. Dieser wurde offensichtlich durch das Einleiten von Grundwasser von der Erdgasbaustelle noch verstärkt.
Mit dem Wasser aus dem Floß- und dem Binnengraben mündet der Hammergraben (im Bild) in Plessa in die Schwarze Elster. Das Wasser ist nicht nur braun, sondern hat auch einen niedrigen pH-Wert. Dieser wurde offensichtlich durch das Einleiten von Grundwasser von der Erdgasbaustelle noch verstärkt. FOTO: LR / Manfred Feller
Plessa. Das Landesbergamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg bestätigt: Grundwasser mit niedrigem pH-Wert gelangte von der Eugal-Trasse auf einem Umweg in die Schwarze Elster. Von Manfred Feller

Die Vermutungen zum Verursacher oder auch Mitverursacher des massenhaften Fischsterbens in der Schwarzen Elster zwischen Plessa und Neumühl haben sich bestätigt. Wie das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg als genehmigende Behörde auf Nachfrage informiert, wurde während der noch laufenden Verlegung der Erdgasfernleitung Eugal östlich von Plessa gehobenes Wasser in einen Vorfluter geleitet. Allerdings nicht direkt in die Schwarze Elster, sondern in den Plessa-Dolsthaidaer Binnengraben. Dessen Wasser trifft ein Stück weiter auf den Hammer- und den Floßgraben. Alles zusammen, ohnehin schon saures Wasser aus dem Altbergbaugebiet um Lauchhammer, strömt dann in Plessa in die Schwarze Elster. Nach der dortigen Brücke und weiter flussabwärts waren seit Montag pH-Werte von unter 4,5 festgestellt worden. Dies bedeutete für die Lebewesen in dem Fluss, darunter Fische, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen, den sicheren Tod.

Angesichts der Trockenheit führt der Fluss nur wenig Wasser. Es müsste mehr sein, um den verstärkten sauren Zufluss wenigstens halbwegs ausgleichen zu können.

Das Wasser auf der Eugal-Baustelle muss für das Absenken des Leitungsstranges (Rohrdurchmesser 1,40 Meter) und die Unterquerungen von Bahn, Straße und Wasserlauf abgesenkt werden. Im Fall Plessa wird es aus einer Tiefe von  mindestens 2,4 Metern gehoben. Der pH-Wert, so das Landesamt weiter, werde täglich überwacht und protokolliert. Er liege zwischen dem für Süßwasserlebewesen tödlichen 3,7 und 6,9. Die Menge werde in Wasserbüchern vermerkt und bewege sich bei täglich 400 bis 2800 Kubikmetern. Neutrales Wasser wäre dagegen eine Wohltat für die nur träge dahinfließende Schwarze Elster. An nur vier Tagen im Mai sei gehobenes Wasser von der Eugal-Baustelle direkt in den Fluss geleitet worden.

Der Gasleitungsbauer dürfe entlang der langen Trasse je Einleitstelle nur eine festgelegte Menge Grundwasser in die Vorfluter pumpen. Das erlaubte Volumen sei nie überschritten worden, so das Landesamt.

 Seit Montag treiben tote Fische in der übersäuerten Schwarzen Elster, wie hier bei Wahrenbrück.
Seit Montag treiben tote Fische in der übersäuerten Schwarzen Elster, wie hier bei Wahrenbrück. FOTO: Michael Prochaski

Nach dem Bekanntwerden des Umweltskandals hatte das Landesamt für Umwelt als Obere Wasserbehörde dem Unternehmen auferlegt, unverzüglich Maßnahmen zum Ausgleich des pH-Wertes zu ergreifen. Mitarbeiter seien dieser Tage zur Kontrolle vor Ort gewesen.

Der Landesanglerverband Brandenburg hatte nach Hinweisen auch vom Elbe-Elster-Anglerverband Bad Liebenwerda von einer „ökologischen Katastrophe“ gesprochen und unverzügliche Gegenmaßnahmen der Behörden gefordert.

Auch in der Landespolitik regt sich deutlicher Unmut. Die CDU-Abgeordneten Dieter Dombrowski und der Finsterwalder Rainer Genilke erheben in ihrer aktuellen „Kleinen Anfrage“ an die Landesregierung schwere Vorwürfe. Demnach sei bereits im Januar und März von der Unteren Wasserbehörde Elbe-Elster festgestellt worden, dass das eingeleitete Wasser deutlich zu eisenhydroxidhaltig ist und der pH-Wert unterschritten wird. Dies sei an die Obere Wasserbehörde und an das Landesamt für Bergbau gemeldet worden.