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| 14:27 Uhr

Alarmstufe „Rot“ bei Falkenberg
Kohle-Kesselwagen droht zu explodieren

Der Kohlestaub-Kesselwagen ist heiß. Die Kameraden aus Schmerkendorf sind zuerst am Einsatzort, sichern das Gebiet und beginnen zu kühlen.
Der Kohlestaub-Kesselwagen ist heiß. Die Kameraden aus Schmerkendorf sind zuerst am Einsatzort, sichern das Gebiet und beginnen zu kühlen. FOTO: Sven Gückel
Falkenberg. Ein drohendes Gefahrgutunglück fordert Feuerwehrleute aus dem gesamten Elbe-Elster-Landkreis heraus. Zum Glück ist das nur eine Übung. Von Sven Gückel

Der sonnige Freitagnachmittag scheint verlockend. Wie andere auch, hatten sich die Kameraden der Feuerwehren im gesamten Landkreis auf ihren Start in ein schönes Wochenende gefreut. Einzig die lauten Sirenen machen diesem Wunsch einen Strich durch die Rechnung.

Fünf Minuten, länger brauchen sie nicht, um vor Ort zu sein. Das Martinshorn des Einsatzfahrzeugs der Feuerwehr Schmerkendorf ist schon von Weitem zu hören. Sein Ruf zerschneidet die Stille, die sich am Bahnstromwerk Falkenberg eingestellt hat.

Kurze Zeit zuvor hatten Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG dort einen Kesselwagen abgestellt, der schließlich einer routinemäßigen Zugkontrolle unterzogen wurde. Es klingelten die Alarmglocken, denn es wurde eine ungewöhnlich hohe Temperatur festgestellt. Das bedeutete nichts Gutes.

Die Ladung des Kesselwagens ist brisant: Gefahrgut. Kohlenstaub. Jetzt wird es brenzlig. Der Waggon ist inzwischen in eine dicke Qualmwolke gehüllt. Er scheint jeden Augenblick zu bersten. Um hier sicher agieren zu können, muss neben den Feuerwehren der Stadt Falkenberg auch die Gefahrstoffeinheit des Landkreises alarmiert werden.

Tagtäglich passieren Gefahrgutwaggons den Bahnhof Falkenberg. Dass auch die Schiene kein unfallfreier Ort ist, beweist das jüngste Beispiel aus Elsterwerda, wo dank des überlegten Handelns eines Lokführers Schlimmeres verhindert werden konnte. Unter einem gefüllten Bezinkessel war eine Waggonbremse glühend gelaufen (die RUNDSCHAU berichtete).

Anlass genug für Falkenbergs Stadtbrandmeister Sören Diecke, eine realistisches Szenario zu erarbeiten, das der Gefahrstoffeinheit der Feuerwehr als Übungsgrundlage dient. Gründe, dies zu tun, gibt es reichlich. Zum einen ist es notwendig, die komplizierte Ausrüstung der Gefahrstoffeinheit immer wieder testen. Sie unterscheidet sich in Teilen wesentlich von dem, was Feuerwehren auf ihren Einsatzfahrzeugen mitführen.

In Spezialanzügen begutachten Feuerwehrleute den mit reichlich Wasser heruntergekühlten Kesselwagen auf einem Gleis bei Falkenberg.
In Spezialanzügen begutachten Feuerwehrleute den mit reichlich Wasser heruntergekühlten Kesselwagen auf einem Gleis bei Falkenberg. FOTO: Sven Gückel

Außerdem ist das logistische Zusammenführen der Gefahrstoffeinheit ein zeitaufwendiges Prozedere. Deren Einsätzkräfte und das Material sind über den gesamten Landkreis verteilt, die Fahrzeuge mit Kameraden aus verschiedenen Wehren besetzt.

Dies zu berücksichtigen, ist neben anderem die Aufgabe von Ronny Neupert, dem die Einsatzleitung der Falkenberger Übung obliegt. Unterstützt wird er dabei durch Thomas Müller und Marcel Kupillas von der Feuerwehr Finsterwalde, die im Einsatzleitfahrzeug das Alarmieren und Koordinieren der Kräfte übernehmen.

Mit reichlich Wasser kühlen die ersten Einsatzkräfte inzwischen den heißen (Übungs-)Waggon. Bis zu 4000 Liter Wasser pro Minute schießen in Richtung Gleisbett. Dies übernehmen sogenannte Monitore. Diese Technik wird von den Kameraden so eingestellt, dass sie selbstständig arbeitet. Dadurch können sich die Einsätzkräfte sehr schnell wieder aus dem Gefahrenbereich begeben.

Ganz ohne menschliche Kraft läuft das Geschehen aber nicht ab. Interessant zu sehen ist daher, wie viele Puzzleteile ein ganzes, funktionierendes System entstehen lassen. Die Feuerwehr Schönborn übernimmt die chemische Analyse der Luft. Kameraden aus Neudeck und Bahnsdorf sorgen für ausreichend Licht. Elsterwerda liefert die Einsatzmittel. Männer und Frauen aus Bad Liebenwerda helfen ihren Kameraden in die Kontaminationsanzüge, ohne die ein Handeln am Kesselwagen unmöglich ist. Die Herzberger wiederum errichten mit den Rückersdorfern ein Dekontaminationszelt, in dem die Einsatzkräfte nach getaner Arbeit, aber auch verletzte Personen behandelt werden können. Insgesamt sind gut 90 Einsatzkräfte an der Übung beteiligt.

„Der erste Eindruck ist gut. Kleinigkeiten, die zu beanstanden sind, finden sich immer. Aber das große Zusammenspiel verläuft wie erhofft”, resümiert Sören Diecke am frühen Freitagabend. Allerdings zeigt sich auch, dass die Kräfte nur begrenzt verfügbar sind. Mittelfristig müsse man sich daher überlegen, wie das zu ändern sei. Die Personalnot in manchen Wehren lässt diese Aufgabe aber nicht einfacher werden und erfordert die Mitarbeit vieler, einschließlich der Ämter und des Landes, heißt es.