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| 08:54 Uhr

Löscharbeiten dauerten bis Freitagabend
Strohberg und Ställe brennen in Kahla

 In der Nacht zum Freitag kämpften mehr als 100 Feuerwehrleute aus mehreren Orten gegen die Flammen zwischen den Ställen in Kahla. Unter einem Schleppdach brannten Hunderte Ballen mit gepresstem Stroh. In den Gebäuden befanden sich keine Tiere.
In der Nacht zum Freitag kämpften mehr als 100 Feuerwehrleute aus mehreren Orten gegen die Flammen zwischen den Ställen in Kahla. Unter einem Schleppdach brannten Hunderte Ballen mit gepresstem Stroh. In den Gebäuden befanden sich keine Tiere. FOTO: Mirko Sattler
Kahla. Zu einem Großbrand sind in der Nacht zum Freitag die Feuerwehren in Elbe-Elster gerufen wurden. Strohhaufen und leer stehende Stallgebäude in der Dorfstraße in Kahla (Gemeinde Plessa) standen lichterloh in Flammen. Der Einsatz von zeitweise mehr als 100 Feuerwehrleuten dauerte bis zum Freitagabend. Von Manfred Feller

Gegen 1 Uhr am Freitag war die kurze Nacht zunächst nur für die Feuerwehrleute aus Elsterwerda vorbei. Die Leitstelle Lausitz hatte sie zu einem Waldbrand alarmiert. Doch dieser stellte sich schnell als Großbrand auf dem Gelände der ehemaligen Milchviehanlage am Ende der Dorfstraße in Kahla heraus. Nicht weniger als etwa 600 Strohballen, gelagert unter einem Schleppdach zwischen zwei leeren Ställen, standen lichterloh in Flammen.

Umgehend wurden weitere Kräfte alarmiert. Zwischenzeitlich waren nach Angaben von Einsatzleiter Günter Hermann, stellvertretender Amtswehrführer im Amt Plessa, er hatte am Morgen Sven Haufe abgelöst, 114 Frauen und Männer mit mehr als 25 Fahrzeugen im Einsatz. Die Löscharbeiten der Wehren aus Elsterwerda, Kahla, Plessa, Plessa-Süd, Biehla, Kraupa, Theisa, Staupitz, Gorden, Hohenleipisch, Dreska und Schraden dauerten bis zum Freitagabend an. Die Wehr aus Lauchhammer rückte mit ihrer neuen Drehleiter an. Auch der Gerätemesswagen aus Schönborn zur Luftgütemessung wurde gerufen, weil in einem Stall auffälliger Rauch aufgestiegen war. Am Brandort wurde unter schwerem Atemschutz gelöscht.

 Im wahrsten Sinne des Wortes ihre Feuertaufe hatte die neue Drehleiter aus Lauchhammer. Hier wird die Brandausbreitung verhindert.
Im wahrsten Sinne des Wortes ihre Feuertaufe hatte die neue Drehleiter aus Lauchhammer. Hier wird die Brandausbreitung verhindert. FOTO: Mirko Sattler

„Gegen 4 Uhr hatten wir die Lage im Griff“, lobt Günter Hermann den konzentrierten Kraftakt aller Feuerwehrleute. Drei angrenzende Gebäude wurden dennoch teilweise schwer beschädigt. Von einem Stall stürzte das ganze Dach ein.

600 Strohballen und Stallgebäude brennen in Plessa FOTO: Mirko Sattler

Sorge bereitete nach Angaben des Einsatzleiters anfangs die Löschwasserversorgung. Der Graben in der Nähe führte aufgrund der Trockenheit zu wenig Wasser. Der greifbare Flachspiegelbrunnen war schnell an seine Grenzen gekommen. Mit den Tankern, die zwischen 4000 und 9000 Liter fassen und bald leer waren, wurde Wasser zunächst von der Saugstelle Plessa (ehemalige Tankstelle am Ortseingang) und dann aus der Schwarzen Elster im Pendelverkehr geholt.

Ab dem Vormittag wurde der qualmende Strohberg mit einem Teleskop- und einem Radlader des betroffenen Landwirtschaftsbetriebes Benning GbR aus Lauchhammer-West auseinander gezogen und Haufen für Haufen abgelöscht.

Zur Ursache des Brandes gibt es bislang nur Vermutungen. In der Nacht will jemand zwei Jugendliche gesehen haben, die auf Fahrrädern davon geradelt sind. Sobald der Brandort abgekühlt ist, teilt die Pressestelle der Polizeidirektion mit, werden Kriminaltechniker des Tatortdienstes nach Spuren suchen.

 Drei Rinderställe und damit auch drei Dächer wurden durch das Feuer beschädigt. Ein Dach stürzte komplett ein.
Drei Rinderställe und damit auch drei Dächer wurden durch das Feuer beschädigt. Ein Dach stürzte komplett ein. FOTO: Mirko Sattler

Aus Sicht von Landwirt Jan Benning muss in Kahla jemand gezündelt haben. „Das ist zu einhundert Prozent Brandstiftung gewesen“, legt er sich fest und begründet seine Sicht: „Wir pressen das Stroh immer unter einem Feuchtigkeitsgehalt von 13 Prozent. Dann ist es ohne Selbstentzündungsgefahr lagerfähig. Liegt der Wert darüber, wird es nicht gepresst und extra gelagert.“

Seit fünf Jahren sei der Familienbetrieb diesbezüglich auch Dienstleister für andere Agrarunternehmen. „Unsere Haufen haben sich noch nie selbst entzündet“, ist sich der gebürtige Niederländer sicher.

 Am Vormittag nach der Brandnacht: Der gewaltige und noch qualmende Strohberg zwischen den Ställen wird haufenweise herausgeholt und abgelöscht, damit kein neues Feuer entstehen kann.
Am Vormittag nach der Brandnacht: Der gewaltige und noch qualmende Strohberg zwischen den Ställen wird haufenweise herausgeholt und abgelöscht, damit kein neues Feuer entstehen kann. FOTO: LR / Manfred Feller

Allein die rund 600 Ballen mit gehäckseltem Stroh (Futter und Einstreu) hätten einen Wert von etwa 27 000 Euro. Hinzu kämen die Schäden in sechsstelliger Höhe an den Stallgebäuden. Alles sei versichert. Doch was gezahlt werde, stehe auf einem anderen Blatt, heißt es.

Die Rinderställe sollen auf jeden Fall wieder aufgebaut werden. Nach der Insolvenz der „Das Neue Land Agrar GmbH“ in Kahla hatte die Benning GbR im Vorjahr den Zuschlag für den Kauf des Betriebes erhalten. In der Folge war vorgesehen, dort Rinder auf dem Transportweg zu ihrem Zielort für eine geraume Zeit in Quarantäne unterzustellen. Dies sollte ab diesem Herbst geschehen und müsse nun in das nächste Jahr geschoben werden.

 Wie im Winter: Löschschaum liegt am Freitag vor einem der Viehställe mit eingestürztem Dach.
Wie im Winter: Löschschaum liegt am Freitag vor einem der Viehställe mit eingestürztem Dach. FOTO: Mirko Sattler

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