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| 12:25 Uhr

Brandschützer im Dauerstress
Feuerwehr Elsterwerda fährt neuen Einsatzrekord

Für Aufsehen und einen mehrtägigen Einsatz von Feuerwehren hatte der Brand einer gefüllten Strohscheune im September 2017 unweit von Elsterwerda-Krauschütz gesorgt.
Für Aufsehen und einen mehrtägigen Einsatz von Feuerwehren hatte der Brand einer gefüllten Strohscheune im September 2017 unweit von Elsterwerda-Krauschütz gesorgt. FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda. Brandbekämpfer löschen nicht nur große Feuer, sondern helfen auch nach schweren Verkehrsunfällen und Sturmereignissen. Von Manfred Feller

Viele Feuerwehren im Landkreis Elbe-Elster jagen von einem Jahreseinsatzrekord zum nächsten. Besonders jene im Süden, wo verheerende Sturmtiefs wie „Paul“ im Juni, „Xavier“ Anfang und „Herwart“ Ende Oktober 2017 für reihenweise Alarmierungen gesorgt haben. „Natürlich hatten wir früher riesige Waldbrände zu bekämpfen. Selbst nach der Wende mussten wir vielleicht 80- oder 100- oder auch 130-mal zu Einsätzen ausrücken. Aber 300 in einem Jahr - das gab es noch nie“, stellt der Elsterwerdaer Stadtbrandmeister Uwe Petersen während der Jahreshauptversammlung fest. Etwa die Hälfte waren Notrufe nach Orkanschäden.

Im Durchschnitt wurde also an fast sechs von sieben Tagen in der Woche Alarm ausgelöst. Hinzu kommt die dienstägliche Ausbildung für alle. Spezialschulungen an der Landesfeuerwehrschule hätten die Elsterwerdaer gern mehr besucht. Es könne nicht angehen, so Uwe Petersen enttäuscht, dass von den 382 beantragten Lehrgängen für Einzelkameraden nur 117 vergeben worden sind.

Eindrucksvoll belegt das gesamte Geschehen in Elsterwerda und Umgebung ein von Wehrführer Daniel Neubert auf rund eine halbe Stunde stark zusammengeschnittener Film mit Fotos und Szenen der wichtigsten Ereignisse. Von der Vielfalt und Schwere der Einsätze her hätten diese auch in einer großen Stadt mit einer schlagkräftigen Berufswehr sein können. Doch auf dem Land meistern diese Herausforderungen Freiwillige neben ihrer Arbeit.

In Elsterwerda ist die Anzahl der aktiven Floriansjünger, Frauen und Männer, binnen eines Jahres von 51 auf 55 angewachsen. In Biehla sind es 30 und in Kraupa zehn. Elsterwerda konnte vier Jungfeuerwehrleute in die Einsatzabteilung aufnehmen. Zwei Kameraden sind weggezogen. Und mit Egbert Schramm sei, so Uwe Petersen, „einer unserer besten Kameraden“ verstorben. Ihm wurde mit einer Schweigeminute gedacht. Die Wehr verfügt derzeit über 17 Maschinisten und 41 der im Brandeinsatz so wichtigen Atemschutzgeräteträger.

Immer wieder muss die Freiwillige Feuerwehr Elsterwerda auch zu schweren Verkehrsunfällen ausrücken und technische Hilfe leisten. Wie bei diesem Ereignis am 21. Oktober 2017. Hier waren auf der B 169 in Elsterwerda ein Auto und ein Notarztwagen mit voller Wucht zusammengestoßen.
Immer wieder muss die Freiwillige Feuerwehr Elsterwerda auch zu schweren Verkehrsunfällen ausrücken und technische Hilfe leisten. Wie bei diesem Ereignis am 21. Oktober 2017. Hier waren auf der B 169 in Elsterwerda ein Auto und ein Notarztwagen mit voller Wucht zusammengestoßen. FOTO: Mirko Sattler

Große Brände im Vorjahr waren unter anderem am 26. März in einem Autohaus in Elsterwerda mit einer riesigen Rauchwolke und die gut gefüllte Scheune am 18. September in Krauschütz. Nachbarwehren unterstützten.

Zur Einsatzbilanz gehören auch 15 Verkehrsunfälle mit teilweise eingeklemmten Personen. Es gab aber auch neun Türnotöffnungen. In drei Fällen konnte der Person in der Wohnung nicht mehr geholfen werden. Zur Menschenrettung kam die Drehleiter in einem besonders schweren Fall zum Einsatz. In Prösen musste eine rund 200 Kilogramm schwere Person aus dem dritten Stock eines Hauses gehievt werden. 300 Kilogramm Last sind mit der neuen Technik möglich.

Immer wieder schlagen Brandmeldeanlagen Alarm. Eine sei im Krankenhaus von einer Mitarbeiterin durch den Dampf beim Duschen ausgelöst worden. „Leider stand die Dame beim Eintreffen unserer Kameraden nicht mehr unter der Dusche“, lädt der Stadtbrandmeister in seiner Bilanz auch immer wieder zum Schmunzeln ein.

Auch das kommt vor: Der Fahrer eines Dieselfahrzeuges vergisst nach dem Tanken den Deckel draufzuschrauben. Der Kraftstoff plätschert auf ein paar Kilometer Straße heraus. Alle verfügbaren Kameraden wurden zu einer gemeinsamen „Stadtwanderung“ alarmiert, um allein in diesem Fall 1,3 Tonnen Bindemittel auszustreuen. Ölspuren auf Fahrbahnen seien nicht selten.

Vor der Einsatzbereitschaft aller Freiwilligen könne man sich nicht tief genug verneigen, so Uwe Petersen, selbst seit 45 Jahren dabei. Er dankt aber auch den Familien, Freunden und Arbeitgebern für deren Verständnis.

Schließlich stünden auch Verwaltung und Stadtverordnete „rückhaltlos hinter der Feuerwehr“. Sie geben immer wieder Geld für Investitionen. Allerdings müssten die 24 und 25 Jahre alten Löschfahrzeuge langsam ersetzt werden. Im Beisein von Alt-Bürgermeister und Feuerwehrehrenmitglied Dieter Herrchen sichert Neu-Bürgermeisterin Anja Heinrich auch weiterhin Unterstützung zu.

Die Wehr fordere nicht nur, sondern schaffe auch selbst etwas. Anstatt 65 000 Euro und mehr für einen neuen Einsatzleitwagen auszugeben, haben einige Kameraden den Mannschaftswagen der Kraupaer Wehr, Baujahr 2002, kostengünstig und professionell auch mit Spenden umgebaut. Nach Auskunft von Ortswehrführer Mirko Engelmann stecken etwa 160 Arbeitsstunden in dem gelungenen Umbau. Die Kraupaer legen wie alle auch großen Wert auf die Nachwuchsausbildung.

Schließlich werden Kameraden befördert und für treue Dienste geehrt. Nicht weniger als 60 Jahre dabei ist Rudolf Kober. Der 76-Jährige schaut nach wie vor oft vorbei.

Der im Ortsteil Kraupa stationierte Mannschaftswagen der Feuerwehr Elsterwerda ist von Kameraden zu einem Einsatzleitwagen umgebaut worden. Neben anderen haben daran der Kraupaer Ortswehrführer Mirkco Engelmann (r.) und Gruppenführer Martin Dannemann wesentlichen Anteil.
Der im Ortsteil Kraupa stationierte Mannschaftswagen der Feuerwehr Elsterwerda ist von Kameraden zu einem Einsatzleitwagen umgebaut worden. Neben anderen haben daran der Kraupaer Ortswehrführer Mirkco Engelmann (r.) und Gruppenführer Martin Dannemann wesentlichen Anteil. FOTO: Manfred Feller / LR