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| 18:04 Uhr

Brandschützer und Retter in Elbe-Elster
Die Feuerhölle um Athen hautnah erlebt

Ungewisse Fahrt in die Feuer- und Rauchhölle. 2007 und in den Folgejahren war Martin Neumann zur Ausbildung in Griechenland. Das Gelernte musste er dort bei riesigen Waldbränden um Athen gleich anwenden.
Ungewisse Fahrt in die Feuer- und Rauchhölle. 2007 und in den Folgejahren war Martin Neumann zur Ausbildung in Griechenland. Das Gelernte musste er dort bei riesigen Waldbränden um Athen gleich anwenden. FOTO: Martin Neumann
Bad Liebenwerda. Martin Neumann hat in Griechenland Waldbrände bekämpft. Heute ist er Stadtwehrführer in Bad Liebenwerda. Von Manfred Feller

Kann man von der schwach besetzten und miserabel ausgestatteten griechischen Feuerwehr tatsächlich etwas für das Bekämpfen der großen Brandenburger Waldbrände lernen? Der mit 29 Jahren noch junge Stadtwehrführer von Bad Liebenwerda, Martin Neumann, sagt „Ja“. In einem internationalen Ausbildungscamp hat er sieben Jahre lang immer im Sommer zwei bis drei Wochen seines Urlaubs geopfert, um diese besonderen Erfahrungen zu sammeln, die ihn auch menschlich bis heute prägen.

„Neben der modernen Luftunterstützung haben wir gelernt, wie man mit wenig Wasser und langen Märschen zu Fuß in den Bergen doch etwas erreichen kann“, sagt er heute. Es sind oft verheerende Waldbrände, die das südosteuropäische Land immer wieder überziehen.

Martin Neumann im Brandeinsatz im Sommer bei Haida.
Martin Neumann im Brandeinsatz im Sommer bei Haida. FOTO: Feuerwehr Bad Liebenwerda

Mit wenig Wasser müssen die ersten am Einsatzort eintreffenden Wehren auch in Brandenburg auskommen. Das richtige taktische Vorgehen von Beginn an könne da sehr helfen. „Ich habe das auch in Schulungen weitergegeben“, sagt er.

Das kann im waldreichen Brandenburg nur nützlich sein. Ein besonderes Gebiet ist der ausgedehnte Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft zwischen Bad Liebenwerda, Elsterwerda und Doberlug-Kirchhain. Dort hat es mitten in einem Waldgebiet zum Glück in diesem Jahr nicht gebrannt. Ortsfeuerwehren, wie jene aus Dobra und Theisa, unternehmen zwar Kontrollfahrten. „Doch nur die Hauptwege sind befahrbar, die Nebenwege kaum“, stellt der Stadtwehrführer der Kurstadt fest. Das Problem aus Feuerwehrsicht: Die Landschaftsschützer wollen der Natur noch mehr freien Lauf lassen. „Und wenn so eine Riesenfläche brennt, dann kommen wir nicht rein“, stellt Martin Neumann fest und denkt dabei an die munitionsbelastete Lieberoser Heide. „Ich bin sehr für den Naturschutz. Aber es darf eben nichts passieren“, macht er sich Sorgen. Denn eine ganze Reihe von Dörfern liegt am oder im Naturschutzgebiet Weitere Gespräche mit den Fachleuten aus Forst, Naturpark und Stiftung seien erforderlich.

Bei der Anfahrt wissen die Feuerwehrleute nicht immer, was sie genau erwartet. Wenn Gewerbeobjekte brennen, wie im März 2017 ein Autohandel in Elsterwerda, dann kann ihnen auch schon mal was um die Ohren fliegen.
Bei der Anfahrt wissen die Feuerwehrleute nicht immer, was sie genau erwartet. Wenn Gewerbeobjekte brennen, wie im März 2017 ein Autohandel in Elsterwerda, dann kann ihnen auch schon mal was um die Ohren fliegen. FOTO: Feuerwehr Bad Liebenwerda

Mit sechs Mann aus Bad Liebenwerda war Martin Neumann 2007 das erste Mal in dem internationalen griechischen Ausbildungscamp zur Waldbrandbekämpfung - weit im Norden, am Fuße des Olymps. Freiwillige aus mehreren europäischen Ländern lernten dort und unterstützten die heimischen Feuerwehren. Trotz immer wieder kehrender Katastrophen habe Griechenland die staatliche Förderung des Camps 2014 eingestellt. „Geblieben sind tiefe Freundschaften“, möchte Martin Neumann diese Jahre nicht missen.

Der Einsatzradius auch der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Liebenwerda ist in diesem Jahr nicht auf das heimische Stadt- und Ortsteilgebiet beschränkt gewesen. Löschhilfe wird hier bei Brottewitz geleistet.
Der Einsatzradius auch der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Liebenwerda ist in diesem Jahr nicht auf das heimische Stadt- und Ortsteilgebiet beschränkt gewesen. Löschhilfe wird hier bei Brottewitz geleistet. FOTO: Feuerwehr Bad Liebenwerda

Seine Kollegen dort beneidet er kein Stück. „Es gibt keine flächendeckende Struktur wie bei uns mit den freiwilligen Feuerwehren“, erzählt er. Aus Kostengründen. Die Bürgermeister würden sich irgendwie selbst kümmern. Und auch die Struktur der nicht gerade üppig ausgestatteten Berufswehren sei keineswegs engmaschig. „Waldbrandeinsatz heißt dort folglich, dass man eine Anfahrt von bis zu acht Stunden haben kann. Wenn ein Haus brennt, kann es eine Stunde dauern, ehe das erste Fahrzeug mit zwei Mann kommt. Der Rettungsdienst ist ebenso lange unterwegs. Insgesamt gesehen ist das dort eine Katastrophe“, schüttelt Martin Neumann nur den Kopf. Und dabei gehört Griechenland zu Europa und nicht zu Afrika.

„Wenn man im Ernstfall gesehen hat, dass niemand kommt, dann ist das für mich das Schlimmste. Dadurch habe ich unser System mehr schätzen gelernt und festgestellt, dass die Menschen hier oft überzogene Erwartungen an die Rettungskräfte habe“, so Martin Neumann. „Muss wirklich immer die Feuerwehr raus, wenn es um eine Türöffnung geht? Viele wissen gar nicht, dass wir alles ehrenamtlich machen, Arbeit und Familie haben.“

Martin Neumann (r.) mit dem technischen Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Griechenlands.
Martin Neumann (r.) mit dem technischen Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Griechenlands. FOTO: Privat

Martin Neumann ist seit vielen Jahren bei der Feuerwehr. Gearbeitet hat er ein Jahrzehnt als Verfahrensmechaniker beim Verpackungshersteller Gizeh in Elsterwerda, zuletzt als Schichtführer. Weil es an Führungskräften mangelt, hat ihn die Stadt gewissermaßen abgeworben. Er hat drei Jahre die Schulbank zum Verwaltungsfachangestellten gedrückt. Seit eineinhalb Monaten ist er für den Bereich Brandschutz verantwortlich. Sein Vorschlag war es, die Entschädigung für die Feuerwehrleute anzuheben. Die neue Satzung wurde vom Parlament verabschiedet, auch wenn damit erhebliche Mehrkosten verbunden sind. Das sorgte brandenburgweit für Schlagzeilen. Seit diesem Jahr gibt es mit Markus Weber sogar einen hauptamtlichen Gerätewart.

Dieser ist auch notwendig. Denn zur Stadt Bad Liebenwerda gehören 15 Ortsteile. Davon haben, einschließlich der Kurstadt, 14 eine Wehr, die es zu erhalten gelte, mit insgesamt 385 aktiven Frauen und Männern, plus 156 Kinder und Jugendliche.