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| 15:29 Uhr

Nach sechs Monaten im Landkreis
Eugal-Schweißerkolonne verlässt Elbe-Elster

 Die Erdgasfernleitung Eugal ist bis auf einzelne Bahn-, Straßen- und Gewässerkreuzungen auf dem Territorium des Landkreises Elbe-Elster komplett geschweißt und zu großen Teilen im Graben abgesenkt. Die stets vorneweg arbeitende Schweißkolonne hat jetzt in den Grödener Bergen bei Hirschfeld die Landesgrenze zu Sachsen erreicht. Das Bild zeigt rückblickend das Schradengebiet.
Die Erdgasfernleitung Eugal ist bis auf einzelne Bahn-, Straßen- und Gewässerkreuzungen auf dem Territorium des Landkreises Elbe-Elster komplett geschweißt und zu großen Teilen im Graben abgesenkt. Die stets vorneweg arbeitende Schweißkolonne hat jetzt in den Grödener Bergen bei Hirschfeld die Landesgrenze zu Sachsen erreicht. Das Bild zeigt rückblickend das Schradengebiet. FOTO: Mirko Sattler
Hirschfeld. Ferngasleitungsbau in Elbe-Elster: Die Akkordtruppe mit den mobilen Schweißautomaten überquert gegenwärtig die Grödener Berge und hat Sachsen erreicht. Von Manfred Feller

Es ist geschafft. Die voranmarschierende Automaten-Schweißkolonne hat binnen sechs Monaten in Elbe-Elster die Rohre für die Erdgasfernleitung Eugal zusammengefügt. Hinter ihr liegen mit dem Start bei Gahro im Norden 35 Kilometer Akkordarbeit bei Hitze, eisiger Kälte und schneidigem Wind. In dieser Woche wurde auf den Grödener Bergen im Schradenland die Landesgrenze zu Sachsen erreicht. Der international tätigen Truppe ist das ziemlich egal. Sie wechselt nahtlos vom brandenburgischen Baulos 11 zum sächsischen Baulos 12 mit 31 Kilometern Länge.

Eugal, eingebunden in das europäische Erdgastransportnetz ist etwa 480 Kilometer lang, beginnt an der aus Russland kommenden Ostsee-Pipeline in Lubmin und endet in Deutschneudorf an der tschechischen Grenze. Gebaut wird gleichzeitig auf fast der gesamten Strecke. Auftraggeber ist die Gascade Gastransport GmbH als Netzgesellschaft (dahinter stehen BASF und Gazprom). Diese betreibt in Deutschland ein Hochdruck-Gasfernleitungsnetz von mehr als 2400 Kilometern Länge.

 Schweißen im Akkord bei Hirschfeld im Schradenland. Die überdachten Automaten werden von Raupenfahrzeugen zur nächsten Rohrverbindungsstelle gebracht. Im Hintergrund liegt bereits Sachsen.
Schweißen im Akkord bei Hirschfeld im Schradenland. Die überdachten Automaten werden von Raupenfahrzeugen zur nächsten Rohrverbindungsstelle gebracht. Im Hintergrund liegt bereits Sachsen. FOTO: LR / Manfred Feller

Während die Automatenschweißer täglich ihre 500 Meter durch baufreundliches, sandiges Terrain schaffen, folgen weitere der insgesamt zehn Kolonnen mit unterschiedlichen Aufgaben. Die Schweißnähte müssen geschützt werden. Der Graben ist auszuheben. Die Stahlrohrschlange mit einem Durchmesser von 1,40 Metern ist abzusenken. Druckprüfungen sind vorzunehmen. Es folgt das Verfüllen des Grabens. „Erst im Sommer sind wir aus Brandenburg raus“, blickt Eugal-Bauleiter Ioannis Plakidis-Adamer auf die kommenden Monate. Die letzten Handgriffe des Rekultivierens der Trasse würden erst 2020 erledigt sein.

Insgesamt war während der Projektvorbereitung mit rund 7000 Eigentümern zwischen Ostsee und ­Erzgebirge vertraglich zu regeln, dass deren Flächen genutzt werden können, benennt Gascade-Pressesprecher Reemt Bernert einen Teil des enormen Aufwandes. Es habe nur wenige Widersprüche und daraus folgend Verzögerungen gegeben. Wo Baufreiheit herrschte, sei auch sofort losgelegt worden. Denn der eine Eugal-Strang soll schon Ende 2019 in Betrieb gehen.

 Die von einem Schweißroboter gezogene Rohrverbindungsnaht wird vor dem Versiegeln mit der Flex nachbearbeitet.
Die von einem Schweißroboter gezogene Rohrverbindungsnaht wird vor dem Versiegeln mit der Flex nachbearbeitet. FOTO: LR / Manfred Feller

Die Eigentümer, deren Land zeitlich befristet beansprucht wird, hätten eine Pauschalentschädigung erhalten. Haben Landwirte Nachteile durch Ernteausfall oder -minderung, werde dies gutachterlich reguliert.

Das alles läuft im Hintergrund ab. Unterdessen hat Eugal-Bauleiter Ioannis Plakidis-Adamer ganz andere Aufgaben zu lösen. Während die Schweißer die Sachsengrenze passieren, kämpft eine gesonderte Kolonne seit Wochen zwischen Plessa und Lauchhammer in Nord-Süd-Richtung mit dem Wasser im Rohrgraben, diversen Überland-Strom- und Gasleitungen sowie drei großen Kreuzungspunkten auf etwa zwei Kilometern Länge: mit der Bahnlinie Lauchhammer – Elsterwerda, der Bundesstraße 169 und der Schwarzen Elster.

Bevor dort die noch nicht ganz fertige Rohrschlange aus den 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren Segmenten abgesenkt werden kann, muss eine Wasserhaltung aufgebaut werden. In diesem Gebiet ist es so nass, dass die mehrere Meter hohen Grabenwände einzustürzen drohen. Folglich ist der Graben noch einen Meter tiefer auszufräsen. Dann werden ein Drainagerohr verlegt und Brunnen gebohrt. Anschließend wird das gesammelte Wasser in die Vorfluter gepumpt. Die Genehmigung dafür liege vor, heißt es.

Verfüllt ist der Eugal-Graben inzwischen bis in Höhe Grünewalde. Das sind ungefähr zwei Drittel der Elbe-Elster-Strecke. Durchgehend geschweißt und abgesenkt wurde die Leitung bis zur genannten Bahnstrecke.

 Eine spektakuläre Aktion und eine der größten baulichen Herausforderungen der Eugal: die Elbe bei Coswig. 50 Bauleute hatten die Querung mehr als zwei Monate lang vorbereitet. Glück gehabt: Die Elbe führte Niedrigwasser.
Eine spektakuläre Aktion und eine der größten baulichen Herausforderungen der Eugal: die Elbe bei Coswig. 50 Bauleute hatten die Querung mehr als zwei Monate lang vorbereitet. Glück gehabt: Die Elbe führte Niedrigwasser. FOTO: Gascade

Den größten Brocken in seinem nächsten Baulos in Sachsen hat Ioannis Plakidis-Adamer bereits geschafft: die Elbquerung bei Coswig. Dort ist quer durch den Fluss ein fünf Meter tiefer Graben ausgehoben worden. Dann wurde ein 230 Meter langer und auf Rollen liegender Rohrabschnitt mit einer 300-Tonnen-Winde durch die Elbe gezogen. „Das dauerte nur etwa eineinhalb Stunden“, bemerkt der Bauleiter. Doch Dutzende Bauleute hätten diesen „Moment“ zwei Monate lang vorbereitet. Dieser Leitungsabschnitt wiegt rund 900 Tonnen, davon allein der bewehrte Betonmantel als mechanischer und Auftriebsschutz 700 Tonnen. Die Gasleitung liegt nun 2,50 Meter unter der Sohle des Flusses.

 In der abfallenden Trasse hin zur Elbe bei Coswig. Die mit Kunststoffseilen bewehrte Betonummantelung der Stahlleitung (Schutz vor Beschädigung und Auftrieb) wird in den Graben unterhalb der Elbsohle gezogen.
In der abfallenden Trasse hin zur Elbe bei Coswig. Die mit Kunststoffseilen bewehrte Betonummantelung der Stahlleitung (Schutz vor Beschädigung und Auftrieb) wird in den Graben unterhalb der Elbsohle gezogen. FOTO: Heiko Mayer / Heiko Meyer