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| 18:58 Uhr

Großbaustelle 45-Kilometer-Strang auf dem Prüfstand
Gasleitung wird ab 2020 erneuert

Ähnlich wie auf diesem Foto vom Neubau einer Leitung mit 80 Zentimeter Durchmesser zwischen Lauchhammer und Schwarze Pumpe im Sommer 2016 gestalten sich auch die Arbeiten, die ab 2020 zwischen Lauchhammer und Strehla geplant sind. Dort wird allerdings nicht komplett neu gebaut.
Ähnlich wie auf diesem Foto vom Neubau einer Leitung mit 80 Zentimeter Durchmesser zwischen Lauchhammer und Schwarze Pumpe im Sommer 2016 gestalten sich auch die Arbeiten, die ab 2020 zwischen Lauchhammer und Strehla geplant sind. Dort wird allerdings nicht komplett neu gebaut. FOTO: Ontras GmbH / LR
Elsterwerda/Riesa. Die Rohre von Lauchhammer nach Strehla sind teils mehr als 60 Jahre alt. Auch sanierte Abschnitte kommen auf den Prüfstand.

Es ist ein Mammutprojekt, das die Ontras Gastransport GmbH in den Altkreisen Riesa und Bad Lieebnwerda plant. Das Unternehmen will den 45 Kilometer langen Abschnitt der Ferngasleitung 12 zwischen Lauchhammer und Strehla erneuern. Zwar wird noch lange nicht gebaut, doch schon jetzt beginnen die Vorarbeiten, sagte Ontras-Sprecher Dr. Ralf Borschinsky. Die Sächsische Zeitung und die Lausitzer Rundschau haben deshalb wichtige Fakten für ihre Gebiete zusammengetragen.

Warum muss die Gas-Pipeline erneuert werden?

Der Großteil der Rohre ist bereits mehr als 60 Jahre alt, denn die Ferngasleitung 12 wurde 1955 gebaut. Seitdem transportiert die Pipeline, die einen Durchmesser von 30 bis 50 Zentimetern hat, Erdgas und Biomethan, die wiederum vorrangig in Industrie und Wohngebäuden zum Heizen eingesetzt werden. Die 35 Kilometer Altbestand werden laut Unternehmen komplett erneuert. Die insgesamt zehn Kilometer langen Abschnitte, die bereits Anfang der 1990er saniert beziehungsweise ersetzt worden sind, sollen im Zuge der Baumaßnahme ebenfalls überprüft und nur bei Bedarf erneuert werden. Die Maßnahme hat gleich mehrere Gründe.

Bei planmäßigen Prüfungen wurde zuletzt festgestellt, dass manche Rohre entweder nicht mehr tief genug unter der Erde liegen oder es am Korrosionsschutz mangelt. Darüber hinaus sollen die Leitungen entsprechend den aktuellen Anforderungen künftig einen Druck von 25 Bar aushalten können, aktuell sind es lediglich 16. Weil das Unternehmen zur Untersuchung der Pipelines Messsonden einsetzen will, sogenannte Molche, müssen die Rohre künftig zudem mindestens 40 Zentimeter breit sein.

Wann werden die Bauarbeiten beginnen?

Die eigentliche Ferngasleitung soll voraussichtlich 2020 erneuert werden. Im Jahr darauf folgt der Neubau der Anschlussleitungen in die Orte. Die Fernleitung ist quasi so etwas wie die Autobahn, danach folgen die abzweigenden Bundes- und Landstraßen. Für das Vorhaben wird voraussichtlich ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Zur Erstellung der Antragsunterlagen sollen deshalb schon in Kürze die notwendigen Vorarbeiten starten – zum Beispiel Vermessungen, Boden- und Grundwasseruntersuchungen. Einen großen Umfang werden auch die umweltfachlichen Kartierungen sowie die archäologischen Untersuchungen einnehmen, kündigte Unternehmenssprecher Borschinsky an. Gerade archäologisch gesehen, gelte das Gebiet, durch das die Pipeline verläuft, als sehr interessant. Das hätten bereits Bauarbeiten, unter anderem an der Opal-Trasse, gezeigt. Bei Meißen habe man bei den Schachtungen zum Beispiel in nur 30 Zentimeter Tiefe ein bronzezeitliches Grab gefunden, in dem die Urne noch komplett erhalten war. Die Archäologen sitzen deshalb ständig mit am Tisch. Schon in diesem Sommer wird es in festgelegten Abschnitten Probeschnitte und Schachtungen geben. Bei größeren Funden im Trassenverlauf kann sich auch der geplante Bauzeitraum verschieben.

Was muss noch beachtet werden?

Im Abschnitt zwischen Lauchhammer, Plessa und Elsterwerda wird ein Gebiet tangiert, das nicht nur feucht, sondern auch hochwassergefährdet ist. Mitunter kann auch die Befahrbarkeit der Flächen dort schwierig werden. Auch die Besonderheiten der Elbeniederung sind zu beachten.

Wie wird die Gas-Trasse künftig verlaufen?

Eine Vielzahl von Orten wird von der Neuverlegung betroffen sein: Im Altkreis Riesa sind es die Kommunen Gröditz, Röderaue, Wülknitz, Zeithain, Riesa und Strehla. In der Region Bad Liebenwerda sind es Gröden, wo es einen Abzweig zur Biogasanlage gibt, Plessa und Elsterwerda. Insgesamt gibt es im Trassenverlauf 13 Netzanschlusspunkte in Kommunen oder zu Unternehmen. Für die neue Pipeline soll laut Unternehmen zwar überwiegend die bestehende Trasse genutzt werden, aufgrund von Straßenbauvorhaben oder wegen des Naturschutzes seien aber auch Abweichungen möglich. Das müsse im weiteren Planungsverfahren endgültig geklärt werden.

Mit Dr. Ralf Borschinsky sprachen Antje Steglich und Frank Claus.